AG771 - 30.12.2004 - 21:30
Wenn sich das Gehirn im ersten Schwangerschaftsmonat bildet, befinden sich alle Nervenzellen im Zentrum und umgeben einen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum, den man Zentralkanal nennt. Während des zweiten Monats beginnen stützende Zellen Verzweigungen an die Oberfläche des Gehirns zu schicken. Während des dritten und vierten Monats klettern die Nervenzellen an diesen Verästelungen hinauf, um die Oberfläche zu erreichen. Jede Welle von wandernden Nervenzellen klettert über die vorhergehende Welle hinaus, so daß die letzte Welle von Nervenzellen der Gehirnoberfläche am nächsten ist.
Normalerweise befindet sich eine große Mehrzahl aller Nervenzellen an oder genau unterhalb der Oberfläche in einem Bereich, der Cortex (=Hirnrinde) heißt. Bei Lissenzephalie erreichen viele der Nervenzellen die Oberfläche nicht. Sie sind auf ihrer Wanderung (Migration) in die Hirnrinde an einer ungewöhnlichen Position stehengeblieben, so daß sie ihre üblichen Verbindungen mit anderen Nervenzellen nicht herstellen können. Bei der Lissenzephalie handelt es sich also um eine Migrationsstörung der für die Hirnrinde bestimmten Nervenzellen.