"Deep Dance" & Co. erfreuen sich trotz ihrer Illegalität eines immer größerem Absatzes.
"The Magic Sound of Deep" bringt mittlerweile die 45. CD auf den deutschen CD - Schwarzmarkt.
(did) "Viele Disco-Besucher dürften Sie unwissentlich schon oft gehört haben: Tanzbare Zusammenschnitte bekannter Titel. An sich eine gute Sache, wenn solche Kopplungen legal Hergestellt werden. In den letzten Jahren haben aber diesen Trend auch Piraten zunehmend ausgenutzt." So schieb die IFPI ( Bundesverband d. Phonographischen Wirtschaft Hamburg) in einem Pressebericht Anfang diesen Jahres.
"The Magic Sound of Deep" ist einer von diesen Disco-Mixen, ebenso berühmt berüchtigt, wie illegal. Verkauft werden diese Musikmixturen auf Flohmärkten, Schallplattenbörsen und in Musikläden unter den Ladentisch an meist bekannte Kunden zu einem Stückpreis von 35,- bis 45,- DM.
Auf dem Deep Dance (Kurzversion) sind nicht nur mehr Titel, als auf einem "normalen Sampler", einige der Stücke sind auf dem deutschen Markt noch gar nicht zu erhalten und stellen sich später als Superhits heraus. Die Abnehmer, meist Jugendliche, kennen diese Titel bevor der "normal Verbraucher" sie zum erstenmal gehört hat. Dies liegt daran, daß die Macher dieser "Mixe" allesamt DJ´s bekanntester Diskotheken, LP- und CD- Testpressungen von diversen Newcomer und bekannten Interpreten bekommen, bevor diese überhaupt in großer Stückzahl auf den Markt kommen. Einige von diesen DJ´s haben in Clubs wie dem "Glaspalast" in Dinslaken aufgelegt, andere im "Dorf Münsterland" bei Legden oder auch im "tarm-center" in Bochum.
Den "DD" mixt momentan ein DJ, ein Designer sitzt täglich am Computer, um das Cover und das Layout des neuesten Dance Mix zu entwerfen, wenige andere sind mit dem Vertrieb beschäftigt.
Die Disco-Mix-Szene besitzt eine außerordentliche kriminelle Energie und latente Gewaltbereitschaft resümiert die IFPI und Peter Wolleck, Fahnder der GEMA München, Abteilung Piraterie. Der DD gehört ebenso wie der "Bab Gaga", "Royal Dance", "Network", "Uncle Bens" und dem "Mc. Music" zu dieser Mafia ähnlich organisierten Szene. Mehrfach wurden von der Kripo Bochum und den Strafverfolgern der Zollfahndung Düsseldorf, die Produzenten und die Hehler mit Beschlagnahmungen überrascht. Allein Anfang des Jahres wurde an zwölf Orten im Ruhrgebiet zugeschlagen und Ca. 35.000 illegale Disco-Mix-CDs im Wert von insgesamt 1,3 Mio. DM beschlagnahmt. Geheime Lager wurden unter anderem in Essen und Oberhausen aufgespürt.
Peter Wolleck, Fahnder und Rechtsanwalt der GEMA ist seit mehr als zwanzig Jahren auf der Spur von Urheberrechtsverletzungen. Seiner Abteilung "Piraterie" der GEMA Hauptvertretung in München ist der Fall "Deep Dance" seit 1993 bekannt. Mehr als 300 weiteren Fällen von Urheberrechtsverletzungen auf dem CD Schwarzmarkt geht die GEMA nach. Nach Einschätzung von Wolleck, entstand durch die Öffnung der Grenzen zum Ostblock ein besonders leichter Weg für das illegale einführen von schwarz gepreßten CD´s in die BRD. Heute werden nach Schätzungen der GEMA circa 30 Mio. CD´s allein in Bulgarien schwarz hergestellt und dann durch Kuriere eingeschleust. Das Stück kostet den Erstkäufer zwischen drei und fünf Mark, verkauft werden die später für das zehnfache. Eine noch nicht einzuschätzender Menge von CD´s etc. kommt, so Wolleck, aus den asiatischen Ländern, die immer stärker in dieses Geschäft einsteigen.
Der genaue Schaden der der Volkswirtschaft entsteht ist in keiner Weise zu beziffern. Würde man davon ausgehen, daß etwa eine Mark für eine "normale" CD eines Interpreten an die GEMA geht, wären das allein auf die Menge der Auflage des DD ca. 150 000 DM im Jahr. Auf dem DD ist aber meist mehr als nur ein Interpret, dafür sind diese Titel meist nur kurz angespielt. Eine genaue Aufrechnung des Schadens kann somit nicht erfolgen. Zumal sich nicht feststellen läßt, ob der Käufer des DD, sich a.) eventuell den vollständigen Titel aus gewecktem Interesse nicht doch als original kauft, er diesen Titel ohne den DD aber gar nicht kennen würde; und b.) ist es sehr vielen Interpreten nur recht wenn sie auch als schwarz Pressungen erscheinen, da sie offensichtlich bekannt genug sind um dieses Risiko einzugehen.
Dennoch geht die Produktion dieser Cd’s weiter und nicht umsonst ist der Absatz der CD´s enorm, die Qualität des DD ist beispielsweise von vielen Kennern der Szene hochgelobt und sucht ihresgleichen. "Deep Records" stellt sich gar als "eingetragenes Warenzeichen" dar und vertreibt Fan-Artikel wie Autoaufkleber, T-Shirts, CD-Ständer usw.
Im Inlay des "Magic Sound of Deep - Deep Magic Dance 40" heißt es, " Von Ace of Base über Mark Oh zu Whigfield von "Rythm is a dancer" über "Hello Africa" zu "Inside out". Der Deep Magic Dance ist seit jeher immer mit bekannten Namen und ihren Dancefloorkrachern gefüllt. Dabei werden die Songs aus UK., Italien, USA, Deutschland oder den Niederlanden erstklassig zusammengemixt. Deshalb hat DJ Deep auch keine Probleme mit der Konkurrenz Mit Hilfe seines Equipments konnte er (sie) weit hinter sich lassen, schon allein weil der Deep einfach vielfältiger ist. Und damit ein viel größeres Spektrum an Zuhörerschaft abdeckt.
Ungefähr seit 1989 gibt es den Deep Dance und die Qualität der CD´s nimmt, durch das immer bessere Equipment stetig zu. In diesen Tagen wird von den Machern die 45. CD (März 1999, die 60.), mit einer Auflage von ca. 15000 Pressungen auf den deutschen Markt geworfen und der Boom nimmt kein Ende