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Persephone - 29.07.2007 - 21:09

Ja... ein wunderbares diskussions Thema, wie ich finde. In wie weit sollten andere Menschen über uns bestimmen dürfen - wenn wir es nicht (mehr) können?
Darf ein Psychiater/Allgemeinarzt entscheiden, wann jemand eingewiesen wird? Oder, ob jemand leben oder sterben muss? Wie ein behinderter Mensch zu leben hat? Wer wann wie welche Medikamente bekommt?
Wer hat überhaupt eher das Recht, über ein fremdes Leben zu entscheiden, wenn der Mensch, dem es gehört, keine Entscheidungen mehr treffen kann - jene, die fachlich kompetent (oder auch nicht) sind, jene, die dem Menschen Freunde waren (sind)/ die Bezugspersonen oder die rechtliche/blutsgebundene Familie?
Dämonenherz - 30.07.2007 - 20:26

Das ist wahrlich ein Thema, über das wir vermutlich endlos diskutieren können. So viele Seiten hat die Sache.

Da ich nicht viel von Blutsverwandschaft halte, bezweifele ich übrigens stark, ob das gut ist, solche Dinge den Blutsverwandten zu überlassen. Auf jeden Fall sollten wir die Möglichkeiten der Patientenverfügung nutzen. Was ich bisher allerdings auch noch nicht bewerkstelligt habe. Ob die Mediziner und Angehörigen sich daran halten und in wie weit und wer das kontrolliert, weiß ich momentan jedoch gar nicht.

So weit das möglich ist, könnte man mit dieser Patientenverfügung jetzt - solange noch alle glauben, man sei zurechnungsfähig - festlegen, wann z.B. die Beatmungsmaschinen abgestellt werden sollten etc.

Wer hat das Recht über Menschenleben zu entscheiden. Meiner Ansicht nach, niemand! Nur man selbst über das eigene, aber das ist ja in den Fällen, die du ansprichst nicht mehr möglich. Deshalb muss es wohl in manchen Fällen jemand übernehmen, ob es mir/uns nun gefällt oder nicht.

Fachliche Kompetenz ist in medizinischen Dinge schon ein Vorteil, am nützlichsten wäre diese Fähigkeit, wenn sie dann auch mit Menschlichkeit gepaart ist. Und das nutzt auch nur dann, wenn derjenige, der Entscheidungen treffen muss, nicht auf gesetzmäßige Grenzen stößt. Ganz, ganz schwieriges Thema.

Zum Beispiel mussten ich und meine Schwester letztes Jahr entscheiden, ob mein Vater noch länger "künstlich" am Leben erhalten werden soll, oder nicht. Ich denke natürlich irgendwie, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, aber wer weiß das schon genau...Denn ich habe so entschieden, wie ich es von anderen erwartet hätte, wenn ich dagelegen hätte, nur noch die Atmung von allein funktionieren würde und ich sonst nichts mehr selbständig wahrnehmen könnte, nicht mehr essen und nichts ausscheiden könnte, ohne maschinelle Hilfe (Magensonde etc). Böse Zungen hätten uns aber ebenso gut vorwerfen können, weil wir die letzten 15 Jahre keinen Kontakt zu ihm hatten, dass wir aus Gefühllosigkeit gehandelt haben. So hat es, glaube ich, seine Lebenspartnerin empfunden, die mit Leib und Seele an ihm hing, und gern den unvermeidlichen Tod oder schlimmer noch das Dahinsiechen hinausgezögert hätte, aus welchem zweifelfhaften Grund auch immer.

Das ist so das erste, was mir dazu eingefallen ist.

Persephone - 30.07.2007 - 22:09

*fröstel*
Ich hoffe, so eine Entscheidung niemals treffen zu müssen...

Habt ihr euch also über die Lebensgefährtin hinweggesetzt? (den Entscheidungsdruck sozusagen als Chance gesehen?)

Dämonenherz - 31.07.2007 - 18:09

Die Lebensgefährtin hat ja offiziell keine Befugnisse. Es blieb ihr nur, uns so zu beeinflussen, dass wir anders entschieden hätten. Da aber einige Zeichen darauf hindeuteten, dass sie auch selbst nicht mehr alles im rechten Licht betrachtete, waren ihre Möglichkeiten da recht eher eingeschränkt. Klingt schrecklich hart, aber so war es.

Was mich viel eher laufend Zweifeln ließ, war, woher sollten wir nun so genau wissen, ob das, was die Ärzte sagen, wirklich zutraf. Wir konnten nicht testen, ob die Informationen stimmen. Wir sahen nur diesen zwar atmenden, aber sonst zerfallenen Körper dort liegen, der nach Aussage aller Ärzte nie wieder selbständig denken und handeln würde können. Aber geschahen nicht immer wieder wundern? Totgesagte leben länger, würde die Gruppe Megaherz dazu sagen...

Wenn die Entscheidung getroffen ist, wird man nie erfahren, ob es vielleicht doch eine 0,01prozentige Chance gegeben hätte, das ein kleines Wunder geschieht. Und wenn man ihn hätte vegetieren lassen, er gefüttert und gedreht worden wäre, die vorausgesehenen Lungenentzündungen und andere Komplikationen eingetreten wären, hätte man wohl auch die Entschlusslosigkeit bereut, obwohl der Patient, in diesem Fall mein Vater, angeblich nichts davon merkt. Aber wir sehen dabei zu und müssten den Anblick ertragen...

Persephone - 31.07.2007 - 21:56

Ja, das ist genau das... woher will man wissen, was stimmt, wem man vertrauen kann?
Ich bin ja auch ein kleines 'Ärzte-Opfer' - in der Hochzeit geboren, wo es hieß, dass alle Babys sterben, die nicht ausschließlich auf dem Bauch liegen... und davon hab ich immernoch ne leichte Fehlstellung meiner Füße.

Sicher, das ist nur ein kleines Beispiel, nichts dramatisches... aber ich habe so das Gefühl, dass man, je weniger man sich auf seine innere Stimme verlässt, immer weiter vom Weg abkommt. Fachwissen hin oder her. Ich kenne eine Ärztin, die vor wenigen Wochen ihr Staatsexsamen geschafft hat - und zwar ganz knapp mit etwas über der Häfte, und als sie mir die Prüfung zwei Wochen später nochmal zeigte, hatte sie da auch schon wieder eine weitere Hälfte vergessen...

Negativ - 27.01.2008 - 07:37

Einziger Leitsatz hierzu:
Meine eigene Freiheit geht bis zu dem Punkt an dem die Freheit des Nächsten beginnt.

(Ich rede im Folgenden nur von Menschen, die man fragen kann, was sie sich wünschen)
heißt, solange ich niemandem schade ist es meine Entscheidung, was ich tun, lassen oder vermeiden soll und möchte.
Kein Arzt und kein anderer Mensch hat das Recht jemandem eine Vorschrift bezüglich seines Lebens zu machen. Selbst wenn dieser Jemand geistig gehandycapt sein sollte, so ist es doch im Endeffekt dieser Jemand der mit diesem handycap leben muss. Somit sollte auch er entscheiden können, ob ihm in einer Anstalt "geholfen" werden sollte oder er lieber so leben möchte wie er ist.
Selbiges gilt auch für körperlich Kranke. Jeder sollte zumindest über sein eigenes Leben frei entscheiden können - man hat ja sonst nicht viel anderes.
(Natürlich insofern derjenige dazu in der Lage ist. Ich schließe hiermit komatöse Menschen aus. Jedoch sollte man bei Entscheidungen über besagte Personen immer berücksichtigen und befolgen, was sie sich gewünscht hätten, und nicht was man selbst für richtig halten würde. Ich spreche hiermit mein Beileid zu den Vorpostern aus, die in der misslichen Lage waren eine solche Entscheidung treffen zu müssen. Ich würde wirklich nicht tauschen wollen... )

Ich hasse es, dass so viel Mediziner immer nur "das Beste" für einen wollen. Leider weiß 99% dieser Leute nicht im Geringsten was "das Beste" für einen anderen Menschen sein könnte. "das Beste" wird meist nach gängigen Gesellschaftlichen Normen bestimmt.

Kleines Beispiel meinerseits:
Seit ich denken kann habe ich panische Angst davor, irgendwann Kinder zu haben. Diese Angst ist größtenteils irrational aber sie ist nichts desto trotz sehr stark. Als ich also 18 wurde hatte ich die irrige Annahme, dass ich nunmehr alt genug sei um selbst über mich bestimmen zu können. Ich machte mich also auf den Weg zu einem Arzt und bat darum dass dieser mich doch sterilisieren möge, auf dass das leidige Thema endlich vom Tisch sei.
Nun, schöne Vorstellung, doch sämtliche Mediziner die ich seither konsultierte sagten mir, dass ich es ja irgendwann bereuen könnte.... das ich aber bis zu jenem fernen zeitpunkt der eventuellen Reue in Panik leben muss lassen diese selbst ernannten Retter der Menschheit gerne einfach unter den Tisch fallen.

Und warum? Weil es in unserer Gesellschaft immernoch als Norm gilt, irgendwann Kinder zu haben.
Und somit ist es sehr wohl erlaubt, unerwünschte Kinder zu töten --> abzutreiben und mit dieser Methode den hahn für eventuelle spätere Kinder nicht zuzudrehen, allerdings nicht dem Kinderkriegen vorzubeugen, da dies ja endgültig wäre und somit aus der Norm fallen würde.
Bitte verzeiht die nun folgende Ausdrucksweise, doch bei dieser Doppelmoral könnte ich kotzen.
Falle ich somit also auch schon unter einen "unzurechnungsfähigen" Anteil der Bevölkerung - weil mein Wunsch nicht dem gängigen Norm entspricht?
Wer zieht da die Grenze - und wer bestimmt wer zu entmündigen ist?
Ich finde, solche Diskussionen dürfen erst garkein Land gewinnen. Jeder, der einen ernsthaften Wunsch äußern kann ist meines Erachtens mündig.

Niemand sollte über mein Leben entscheiden. Wieviel Ahnung er auch immer haben möge. Wenn ich falsche Entscheidungen treffe muss ich nun eben damit leben, so einfach ist das. Und sogenannte Fachkräfte können ja gerne beraten, doch die Endgültige Entscheidung muss immer beim Betroffenen liegen.

Persephone - 12.02.2008 - 19:40

@ Negativ

Was du schreibst, kann ich voll unterschreiben! Es ist einfach unverschämt, einem jungen Menschen vorschreiben zu wollen, welche Entscheidungen er treffen darf - und welche nicht.

Obwohl ich gestehen muss... manchmal wünschte ich, dass sämtliche Entscheidfungen aus meinen Händen genommen würden, denn es wäre.... einfacher. Man hätte jemanden, den man anschnauzen kan, wenn was falsch läuft... und müsste nicht auf sich selbst sauer sein.

Andererseits... gibt es keine Entscheidung, die ich wirklich bereue. Auch nicht, mit 19 schwanger geworden zu sein und jetzt die Verantwortung für mein Kind zu haben. In manchen Momenten, sicher... aber ich bin halt ich, und meine Persönlichkeit hat mich dahin geführt, wo ich jetzt stehe - ergo ist das, wo ich jetzt bin, richtig für mich, denn sonst... wenn ich anders wäre, etwas anderes besser wäre... dann wäre ich jetzt eben heute nicht hier...

verständlich?

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