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Yunsung - 23.02.2005 - 18:13

Seite 1

Niemand von uns lag gerne in einem Hinterhalt, vor allem weil wir niemals
vollkommen sicher sein konnten, dass nicht wir diejenigen waren, die in der
Falle saßen und auf ihre Verdampfung warteten. Die Invids - die Piratencrew
an Bord des ehemaligen imperialen Sternzerstörers In- vidious - waren
sämtlichen Anstrengungen der Neuen Republik, sie zu stellen, bisher
erfolgreich ausgewichen. Sie schienen stets zu wissen, wo, wann und in
welcher Stärke wir auftauchen würden, und planten ihre Überfälle entsprechend.
Mit dem Ergebnis, dass wir nach ihren Schlägen jede Menge Zeit damit zubringen
mussten, unsere Gefechtsschäden zu beheben. Sie gaben sich jede nur
erdenkliche Mühe, uns mit dieser Art Arbeit aufzuhalten.
Das Renegaten-Geschwader war abgetaucht und lauerte auf einigen der
größeren Asteroiden im K'vath-System. Dieser Standort brachte uns in die
nächste Nähe von Alakatha, dem ersten Mond von K'vath 5. Wir fuhren die
Maschinen runter und schalteten die Sensoren auf passiven Modus, um von den
Typen, denen wir eine Falle stellen wollten, nicht entdeckt zu werden. Gemäß
den Instruktionen vor unserer Mission hatte der Geheimdienst der Neuen
Republik einen angeblich verlässlichen Hinweis erhalten, dass zumindest ein
Teil von Leonia Taviras Piratenflotte einen Luxusliner angreifen würde, der
von den Urlaubsstränden des nördlichen alkathanischen Kontinents kam.
Mirax und ich hatten dort drei Jahre zuvor, bevor Thrawn die Republik auf
den Kopf stellte, unsere Flitterwochen verbracht; ich hegte daher ein
liebevolles Andenken an diesen Ort und erinnerte mich noch gut an den
Reichtum, der in Form von Juwelen und Edelsteinen von den Hälsen und
Armen der Oberschicht der Neuen Republik baumelte.
Ich warf einen Blick auf das Chrono meines X-Flüglers. »Startet die
Glitzerstern auch nach Plan?«
Whistler, der es sich hinter dem Cockpit bequem gemacht hatte, blökte. In
seiner Stimme lag ein Anflug von Spott.
»Ja, ich weiß, dass ich dir gesagt habe, du sollst dich melden, sobald sich
irgendwas tut, und nein, ich denke nicht, dass deinen Schaltkreisen etwas
entgangen ist.« Ich zwang mich, meine in Handschuhen steckenden Fäuste
zu öffnen und drehte die Handgelenke, um einen Teil der Anspannung

Yunsung - 23.02.2005 - 18:15

Seite 2

loszuwerden. »Ich mache mir nur Sorgen.«
Er gab nur einen knappen Kommentar dazu ab.
»He, wenn Geduld eine Tugend ist, heißt das noch lange nicht, dass
Ungeduld zum Laster wird.« Ich seufzte und verwandelte die zweite Hälfte
der Klage in eine Jedi-Atem- übung, die Luke Skywalker mir beigebracht
hatte, als er versuchte, mich als Jedi zu rekrutieren. Ich zählte bis vier und
atmete durch die Nase ein, hielt die Luft an, bis ich bis sieben gezählt hatte,
und atmete dann acht Sekunden lang aus. Mit jedem Atemzug entließ ich
mehr von der Anspannung, die mich beherrschte. Ich suchte nach der
Klarheit der Gedanken, die ich in der bevorstehenden Schlacht benötigen
würde - falls die Invids sich überhaupt blicken ließen -, doch sie verweigerte
sich mir mit der gleichen Leichtigkeit, mit der die Piraten sich dem Zugriff
der Neuen Republik entzogen.
Alles schien immer viel zu schnell zu passieren. Mirax und ich hatten
schnell geheiratet und obwohl ich nicht im Geringsten bereute, dies getan zu
haben, verschworen sich die Ereignisse, um unsere Ehe ausgesprochen
schwierig zu gestalten. Großadmiral Thrawn und seine Eskapaden hatten uns
den ersten Hochzeitstag verdorben und im Jahr darauf hatte die Befreiung von
Jan Dodonna und den anderen, die seinerzeit mit mir zusammen in der
Lusankya eingesperrt gewesen waren, für meine Abwesenheit gesorgt. Dann
ließ der Angriff des wieder geborenen Imperators auf Coruscant einen
Sternzerstörer auf unser Zuhause stürzen. Keiner von uns war zu diesem
Zeitpunkt dort - was im Übrigen viel zu häufig der Fall war.
Der einzige Vorteil, mit der Verfolgung der Invids betraut
zu sein, lag im Grunde darin, dass ihre Anführerin Leonia Tavira, die einst
das Amt eines Muftis bekleidet hatte, offenbar Geschmack am Müßiggang
fand. Wenn ihre Invidious zwischen zwei Überfällen untertauchte, hatten
wir, bevor wir uns um eine neue Attacke kümmern mussten, jedes Mal eine
Woche frei. Mirax und ich nutzten die freie Zeit und bauten unser Zuhause
und unsere Beziehung wieder auf; doch damit war auch eine Entwicklung in
Gang gekommen, die ich als ungemein belastend empfand.
Mirax war zu dem Schluss gelangt, dass sie Kinder haben wollte.
Ich habe überhaupt nichts gegen Kinder - so lange sie mit ihren Eltern am
Ende des Tages wieder nach Hause gehen. Als ich diese Auffassung in genau
diesen Worten Mirax gegenüber zu Ausdruck brachte, war das nicht

Yunsung - 23.02.2005 - 18:18

Seite 3

unbedingt das Klügste, was ich jemals getan hatte, sondern gehörte eher zu
den schmerzlicheren Erfahrungen. Die Kränkung und der Schmerz in ihren
Augen haben mich lange Zeit verfolgt. Tief im Innern war mir klar, dass ich sie
nicht von ihrer Idee würde abbringen können, und letzten Endes war ich mir
nicht mal sicher, ob ich das überhaupt wollte.
Ich habe es versucht und zu diesem Zweck die meisten der üblichen
Argumente ins Feld geführt. Die Das-sind- jetzt-unsichere-Zeiten-für-die-
Galaxis-Masche zog schon deshalb nicht, weil unsere Eltern vor einer
ähnlichen Entscheidung gestanden hatten und wir alles in allem recht wohl
geraten waren. Das Argument, das die Unsicherheit meines Jobs betonte,
welkte unter der Logik meiner Lebens- versicherung dahin und verdorrte
vollends, als Mirax mich einen Blick auf ihre Kontoauszüge (die wahren
Auszüge) ihres Im- und Exportgeschäfts werfen ließ. Sie wies darauf hin,
dass sie uns drei oder vier mit Leichtigkeit würde ernähren können und dass
ich, abgesehen von der Versorgung der Kinder, nicht eine einzige Sekunde
würde arbeiten müssen.
Aber vor allem und in erster Linie, so sagte sie, würde ich einen großartigen
Vater abgeben, und bemerkte, mein Vater habe bei mir fantastische Arbeit
geleistet. Und da ich seine
Fähigkeiten als Vater von ihm übernommen hatte, wüsste sie einfach, dass
auch ich ganz wunderbar mit Kindern würde umgehen können. Indem sie
dieses Argument zum Einsatz brachte, wandte sie das Gefühl der Liebe und
des Respekts, das ich für meinen Vater empfinde, gegen mich. Sie ließ es so
aussehen, als würde ich sein Andenken nicht in Ehren halten, wenn ich keine
Kinder in die Welt setzte. Wie sie ganz genau wüsste, war dies ihr
überzeugendstes Argument, mit dem sie mich stets am härtesten treffen
konnte.
Rückblickend hätte ich es gleich zu Beginn aufgeben und uns beiden damit eine
Menge Kummer ersparen sollen. Sie kommt selbst für ihr Leben auf - für ein
sehr gutes Leben, wie die Dinge liegen -, indem sie alle möglichen Leute davon
überzeugt, dass irgendwelcher Schrott, den niemand wirklich braucht, absolut
lebensnotwendig sei. Während sie mich in logische Dispute verwickelt hat, ist es
ihr gelungen, meine Wachsamkeit auf einer rein gefühlsmäßigen Ebene zu
unterlaufen. Einige wenige Bemerkungen darüber, was für ein Kind bei einer
genetischen Lotterie unsererseits herauskommen würde, genügten, um mich eine

Yunsung - 23.02.2005 - 18:38

Seite 4

Menge Hirnschmalz in die Lösung dieses Rätsels investieren zu lassen. Das
wiederum zielte auf meine Ausbildung als Ermittler, die mich einen Fall erst
dann niederlegen ließ, wenn ich die Antwort gefunden hatte.
Und in diesem Fall war die Antwort ein Kind.
Es gelang ihr auch immer, den HoloNet-Bildschirm genau dann
einzuschalten, wenn gerade mal wieder irgendwelche Neuigkeiten aus dem
Leben der drei Jahre alten Zwillinge von Leia Organa Solo verbreitet
wurden. Die Kleinen waren erschreckend niedlich und ihre bloße Existenz
hatte in der Neuen Republik eine wahre Säuglingsschwemme ausgelöst. Ich
wüsste, Mirax war nicht so oberflächlich, dass sie ein Kind haben wollte, weil
sie eifersüchtig war oder mit der Mode gehen wollte, aber sie merkte an, dass
sie in Leias Alter sei und dass dies ein gutes Zeitpunkt wäre, um ein oder zwei
Kinder zu haben.
Und der Niedlichkeitsfaktor kann einem wirklich auf die
Nerven gehen. Die Medien der Neuen Republik nahmen natürlich davon
Abstand, die Kinder sabbernd und triefend zu zeigen, und trieben stattdessen
die anziehenden Seiten der kleinen Racker auf die Spitze. Es kam so weit, dass
ich mich an gewisse Träume erinnerte, in denen ich ein schlummerndes
Kleinkind in den Armen wiegte. Komischerweise betrachtete ich diese Träume
nicht allzu lange als Alpträume und tat alles, um sie im Gedächtnis zu behalten.
Seit ich erkannt hatte, dass ich verloren hatte, spielte ich auf Zeit. Mirax
weigerte sich geradeheraus, irgendeinen festgesetzten Zeitpunkt zu
akzeptieren, was vor allem daran lag, dass ich in Jahren dachte, also machte ich
das Ganze von bestimmten Voraussetzungen abhängig. Ich sagte ihr, wir
könnten uns entscheiden, sobald das Problem mit den Invids gelöst sein
würde. Sie nahm meinen Beschluss ein wenig positiver auf, als ich erwartet
hatte, was sofort an mir zu nagen begann und mir Schuldgefühle bereitete. Ich
hätte annehmen können, dass es sich dabei nur um eine Taktik ihrerseits handelte,
mit der sie weiter vorzugehen beschlossen hatte, aber sie hielt Schuld für einen
Hammer und ich wusste, dass sie ein absoluter Fan von Vibroklingen war.
Ich atmete abermals langsam aus. »Whistler, wenn wir nach Hause
kommen, erinnere mich daran, dass Mirax und ich uns jetzt und nicht erst später
in dieser Babyangelegenheit entscheiden müssen. Tavira darf auf keinen Fall
über mein Leben bestimmen.«
Whistlers fröhliches hohes Stakkato sank im nächsten Moment zu einem

Yunsung - 23.02.2005 - 18:41

Seite 5

tiefen warnenden Ton herab.
Ich warf einen Blick auf meinen Hauptbildschirm. Die Glitzerstern hatte
Alakatha verlassen und inzwischen war ein weiteres Raumschiff im System
aufgetaucht. Whistler identifizierte das Schiff als einen umgebauten
schweren Kreuzer, der als die Booty Full registriert war. Im Unterschied zu
der schnittigen Bauart des Linienschiffs war der Kreuzer mit an Warzen
erinnernden Ausbuchtungen übersät, die sich jetzt in rascher Folge lösten und
auf das Linien-schiff zuhielten.
Ich aktivierte mein Kom. »Renegaten-Führer, Staffel Drei
hat Kontakt. Ein Kreuzer und achtzehn Missgeburten nähern sich der
Glitzerstern.«
Tychos Stimme kam cool und gelassen zu mir zurück. »Verstanden, Neun.
Greifen Sie die Jäger gemeinsam mit Staffel Zwei an. Eins nimmt sich den
Kreuzer vor.«
Ich schaltete auf den taktischen Kanal von Staffel Drei um. »Zündet die
Triebwerke, Renegaten, wir übernehmen die Jäger.«
Ich startete die Maschinen und leitete Energie in die Repulsoren. Der XFlügler
erhob sich wie ein Geist aus dem Grab und richtete seine Nase
langsam auf das Linienschiff. Als Ooryls X-Flügler links von mir hochzog
und meine beiden anderen Piloten, Vurrulf und Ghufran, auf der rechten Seite
in Sicht kamen, drückte ich den Regler für die Energiezufuhr nach vorne und
stürzte mich ins Kampfgetümmel.
Auf meinem Gesicht erblühte ein Lächeln. Jedes mit genügend Verstand
ausgestattete Lebewesen, das Wert auf seine Gesundheit legte, würde es für
dumm oder geradezu selbstmörderisch erachten, in einem zerbrechlichen
Fahrzeug aus Metall und Stahlkeramik durchs All zu sausen. Und mit
demselben Fahrzeug in eine Schlacht zu ziehen, machte das Ganze nur noch
schlimmer, was mir durchaus bewusst war. Andererseits können es nur sehr
wenige Dinge im Leben damit aufnehmen, Kampfeinsätze zu fliegen oder
überhaupt gegen einen Gegner anzutreten, weil dies der einzige Punkt ist, an
dem die Zivilisation von uns verlangt, Nutzen aus unserer animalischen Natur
zu ziehen und sie gegen einen äußerst gefährlichen Feind einzusetzen. Wenn
ich nicht physisch, psychisch und sogar technisch in Bestform war, würde ich
sterben und meine Freun- de womöglich mit mir.
Aber ich hatte nicht vor, es so weit kommen zu lassen.

Yunsung - 23.02.2005 - 18:43

Seite 6

Mit einer flüchtigen Daumenbewegung schaltete ich von den Lasern auf die
Protonentorpedos und auf Einzelfeuer um. Ich wählte mein erstes Ziel aus und
richtete das Fadenkreuz meiner Zielvorrichtung aus. Whistler zwitscherte ohne
Unterlass, während er an der Zielerfassung arbeitete,
dann wurde der Rahmen, der den Jäger umgab, rot und der Signalton summte
konstant.
Ich drückte den Auslöser und feuerte meinen ersten Protonentorpedo ab. Er
schoss wie ein glühender, rötlich-weißer Blitz ins All hinaus, verfolgt von
weiteren Torpedos, die meine Staffel abgefeuert hatte. Während manche Piloten
es als maßlose Übertreibung betrachten, Protonentorpedos gegen Jäger
einzusetzen, sahen wir vom Renegaten-Geschwader in diesem taktischen
Vorgehen seit jeher ein zweckdienliches Mittel, unsere Chancen zu verbessern -
Chancen, die in der Regel schlechter standen als ein Hutt lang ist und entschieden
unerfreulicher waren.
Die Invids benutzten einen nach individuellen Wünschen umgebauten
Jagdraumer namens Tri-Jäger. Das handelsübliche kugelförmige Cockpit und
die nach dem Muster des Standard-TIE-Jägers von Sienar Systems - einer
Handelsware, die nach Wasserstoff und Dummheit die in der ganzen Galaxis
am häufigsten vertreten ist - angeordneten Ionentriebwerke waren mit einem
Trio abgeschrägter Solarflügel kombiniert, die hundertzwanzig Grad
auseinander standen. Die beiden unteren dienten als Landevorrichtung,
während sich der dritte über dem Cockpit spreizte. Der Jäger besaß die unter
der Kanzel angebrachten Zwillingslaser der TIEs, während aus dem dritten
Flügel eine Ionenkanone ragte. Die Schiffe verfügten außerdem über
Basisschilde, was erklärte, weshalb sie erfolgreicher operierten als der
handelsübliche >Augapfel<; in die Seiten der Hülle geschnittene Sichtluken
gewährten dem Piloten ein größeres Sichtfeld. Da es den Anschein hatte, als
würden die drei Flügel nach der Kanzel greifen, hatten wir dieser
Konstruktion den Spitznamen Kralle verpasst.
Doch die Schutzschilde und die zusätzliche Sicht nutzten der Kralle, die ich
anvisiert hatte, gar nichts. Der Protonentorpedo bohrte sich direkt in die
Austrittsdüse des linken Triebwerks und durchschlug sogar noch die Kanzel,
bevor er explodierte. Der Jäger explodierte zu einem goldenen Feuerball und
löste sich in nichts auf. In der Nähe detonierten noch drei weitere Krallen und im
nächsten Moment gingen noch einmal drei an Steuerbord hoch, wo sich

Yunsung - 23.02.2005 - 18:46

Seite 7

Staffel Zwei näherte.
»Wählen Sie Ihre Ziele mit Bedacht aus, Staffel Drei. Ooryl, wir nehmen
die zwei an Backbord.«
»Zehn verstanden, Neun.«
Ich neigte meinen X-Flügler über die Stabilisatorfläche an Backbord und zog
den Steuerknüppel zurück. Dann gab ich Energie auf die Maschinen, beschrieb
einen engen Wendekreis und zog nach rechts, als die Piraten eine lang
gestreckte Serpentinenkehre ausführten. Ich schaltete von den Torpedos auf
die Doppellaser um und erhielt auf der Stelle einen gelben Rahmen um den
führenden Jäger. Ich stieß die Energiezufuhr wieder auf volle Kraft voraus, um
näher heranzukommen, und aktivierte das Kom. »Ich hab' ihren Führer im
Visier.«
Ooryl ließ mich ein zweifaches Klicken seines Koms hören, um mich wissen
zu lassen, dass er meine Nachricht verstanden hatte. Ich bewegte den
Steuerknüppel ein kleines Stück nach rechts, der Rahmen der Zielerfassung
wurde grün und ich drückte den Feuerknopf. Zwei rote Blitze schlugen in
das Ziel ein. Der erste verbrannte die Schilde. Die Kralle zog Funken aus
den Schildgeneratoren hinter sich her wie ein Komet Eispartikel. Der zweite
Blitz fuhr in die Kanzel und traf, obwohl der Schuss ein bisschen zu hoch lag,
mit voller Wucht ins Ziel. Aus dem Loch schlugen Flammen und die Kralle
setzte zu einer langsamen Spirale Richtung Alakatha an.
Als die andere Kralle ausscherte, ließ sich Ooryl nach Backbord fallen. Ich
brachte meinen X-Flügler hinter ihn, als er sein Ziel anvisierte. Die ersten
beiden Feuerstöße des Gand durchbrachen die Schilde und sengten Furchen in
den Rumpf des Schiffs. Die beiden nächsten fraßen sich in die Maschinen
und der in seine Bestandteile zerfallende Raumer machte auf einem goldenen
Flammenschweif einen gewaltigen Satz nach vorne. Plötzlich erlosch die
Flamme und der Tri-Jäger trudelte durch den Weltraum auf den
Asteroidengürtel zu.
Wenn ich nach oben durch das Kanzelfenster blickte,
konnte ich die grün-weiß gestreifte Kugel von Alakatha und die darüber
aufsteigende Glitzerstern sehen. An Steuerbord schien wie ein bösartiges Insekt
die Booty Full im Vakuum zu lauern. Die Turbolaser am Saum ihres Rückgrats
und in einem Geschützturm an der Unterseite feuerten in einem fort und
versuchten, die X-Flügler von Staffel Eins aufs Korn zu nehmen, doch die

Yunsung - 23.02.2005 - 18:48

Seite 8

Schüsse stellten keine wirkliche Gefahr für die Jäger dar. Colonel Celchu,
Hobbie, Janson und Gavin Darklighter waren alte Hasen, wenn es darum
ging, Piraten wie diesen die Zähne zu ziehen. So lange wir die Krallen
beschäftigen konnten, hatte die Booty Full keine Chance.
Die erste durchschlagende Attacke der X-Flügler ging von Tycho und
Hobbie aus. Sie tauchten unter dem Schiff durch und feuerten beide je einen
Protonentorpedo in die Achterschilde des Gegners. Gavin und Wes Janson
griffen im selben Moment von der anderen Seite an und belegten das
Raumschiff mit Laserfeuer. Gavins zweiter Feuerstoß schmolz den
Geschützturm am Bauch des Schiffs ein, während Jansons Garbe die hinteren
Steuerdüsen abrasierte. Die Booty Full war erledigt, obwohl ich keinen Zweifel
daran hatte, dass es noch ein paar weiterer Angriffe bedurfte, ehe die Besatzung
dies einsah und kapitulierte.
Ich folgte Ooryl, der hochzog und sich dem Kampfgeschehen von hinten
näherte. Das Gefecht war unterdessen zu einer bloßen Hetzjagd mit freiem
Abschuss ausgeartet. Der Verlust von sieben ihrer Schiffe, ehe sie den
Gegner überhaupt ausmachen konnten, hatte die Piraten eindeutig geschockt
und, was wichtiger war, ihre Zahl der unseren so gut wie angeglichen. Obwohl
die Krallen beweglicher waren als unsere X-Flügler - nicht sehr viel, aber es
genügte, um sie zu einem schwierigen Gegner zu machen -, konnten sie uns
unmöglich entkommen oder mit ihrer Feuerkraft ausstechen. Da es ihnen an
der Disziplin einer trainierten militärischen Einheit, wie des Renegaten-
Geschwaders mangelte, fielen sie, sobald Panik sie ergriff, auseinander und
erleichterten uns die Arbeit beträchtlich.
Ooryl hängte sich an eines ihrer Schiffe und setzte einen
Volltreffer mit seinem Vierlingslaser. Die Kralle explodierte. Da kam eine
weitere Kralle aus dem Feuerball geschossen und stürzte sich frontal auf
Ooryls Jäger. Die fremde Maschine gab einen Schuss aus ihrer lonenkanone
ab, der ein Blitzgewitter über Ooryls Schutzschilde hinwegfegen ließ, die
zusammenbrachen, noch ehe der lonensturm verging. Der Motivator der R5-
Einheit brannte durch und Whistler meldete, das Ooryls Triebwerke
ausgefallen waren.
»Ooryl, versuche einen Neustart!« Ich hatte keine Ahnung, ob die
Komverbindung zu ihm noch stand oder nicht, doch ich gab ihm trotzdem
diesen bescheidenen Rat und schoss eine doppelte Garbe auf die Kralle ab.

Yunsung - 23.02.2005 - 18:50

Seite 9

Der hastig ausgerichtete Feuerstoß ging fehl, veranlasste die Kralle jedoch,
nach rechts abzudrehen. Ich nahm die Verfolgung auf. »Hier ist Neun. Ich
habe eine. Jemand muss mir Feuerschutz geben.«
Vurrulf, der Klatoonier von Staffel Drei, bellte rau »Verstanden!«, sodass ich
mich bei der Jagd auf die Kralle ein wenig sicherer fühlte. Das Schlimmste,
was ein Pilot machen kann, ist, sich so sehr auf ein Ziel zu konzentrieren,
dass er nicht mehr mitbekommt, was sonst noch um ihn herum geschieht.
Wenn die Aufmerksamkeit sich, durch die Lage bedingt, nur noch auf ein Ziel
richtet, wird der Jäger leicht zum Gejagten und weiß am Ende nicht mal, was
ihn getroffen hat. Ein Anfängerfehler, aber obwohl ich nicht mehr zu den
Anfängern gehöre, bin ich doch nicht immun dagegen.
Der Pilot der Kralle war gut und er hatte offensichtlich nicht den Wunsch
zu sterben, aber da Whistler mir nicht meldete, dass er seine Waffen
herunterfuhr, hatte er ebenso offensichtlich die Absicht, sich auf einen Kampf
einzulassen. Ich versuchte mich hinter ihn zu setzen, aber er handhabte seine
Energiezufuhr mit äußerstem Feingefühl und benutzte die Beweglichkeit
seines Raumers, um mir jedes Mal auszuweichen, bevor meine Zielerfassung
einrastete. Ich gab ein paar Schüsse auf ihn ab, doch sie verfehlten ihn
allesamt. Was ich auch anstellte, ich hatte alle Mühe, mit seinen Kehren und
Kurven mitzuhalten.
Ich drosselte die Energiezufuhr und ließ ihn einigen Vorsprung gewinnen. Er
spielte mir weiter seine Streiche, doch auf diese Entfernung berührten seine
Manöver, die ihn bei großer Nähe jedes Mal aus meinem Blickfeld befördert
hatten, kaum die Ränder meiner Zielerfassung. Ich drückte den Feuerknopf
und gab zwei Doppelschüsse auf meinen Gegner ab. Ein Paar durchbohrte
seine Achterschilde und beschädigte eine seiner Landeflossen. Die beiden
anderen Energieblitze verpassten den Austrittsmündungen seiner Steuerdüsen
an Backbord einen Schlag und beschnitten seine Manövrierfähigkeit.
Whistler fand eine Komfrequenz, die von den Krallen benutzt wurde, und
legte sie auf meine Komeinheit. »Hier spricht Captain Corran Hörn von den
Streitkräften der Neuen Republik. Ich erwarte Ihre Kapitulation.«
Eine Frau antwortete mir: »Wissen Sie nicht, dass die Invids sich niemals
ergeben?«
»Was im Fall der Booty Füll schon mal nicht stimmt.«
»Riizolo ist ein Idiot, aber auf seinen Kopf ist auch keine Belohnung

Yunsung - 23.02.2005 - 18:52

Seite 10

ausgesetzt - auf meinen schon.« Sie lachte. »Ich habe nichts zu verlieren,
außer meiner Ehre. Ein Duell, Horn. Nur Sie und ich.«
»Sie werden sterben.« Ein direkter Zweikampf würde den Vorteil größerer
Wendigkeit auf der Seite der Kralle zunichte machen. Sie musste das wissen.
»Aber vielleicht nicht allein.« Ihr Schiff stellte seine wilden Sprünge ein und
legte sich in eine lang gezogene Schleife. »Geben Sie mir die Ehre.« Die
Kralle wendete und startete ihren ersten Angriff gegen mich.
Ich wollte ihrem Wunsch nachkommen und hätte es auch getan, es gab da
nur einen Haken: Die Invids hatten wieder und wieder bewiesen, dass sie gar
keine Ehre besaßen.
Ich schaltete auf Protonentorpedos um, erhielt eine kurze akustische
Bestätigung von Whistler und betätigte den Auslöser. Der Torpedo schoss aus
meinem X-Flügler und raste genau auf das andere Schiff zu. So gut sie auch
sein mochte, die Pilotin der Kralle wusste sehr genau, dass sie unmöglich
ausweichen konnte. Sie feuerte ihre beiden Laser ab, doch
keiner der Schüsse traf. Dann schoss sie im letzten Augenblick ihre
Ionenkanone ab und traf meinen Torpedo. Blaue Blitze zuckten darüber hinweg
und ließen sämtliche Schaltkreise durchbrennen, die es dem Geschoss
erlaubten, ihr Schiff zu erfassen und zuverlässig anzusteuern.
Ich bin ziemlich sicher, dass sie einen Moment lang glaubte, gewonnen zu
haben.
Das Problem mit derartigen Projektilen ist jedoch, dass selbst dann, wenn
ihre ausgeklügelten Schaltkreise versagen, immer noch eine Menge kinetischer
Energie vorhanden ist. Sogar wenn der Torpedo die Nähe seines Ziels nicht
registriert und explodiert, wirkt sich eine derart große Masse bei diesem Tempo
auf die Kanzel einer Kralle fast genau so aus wie eine Nadel auf eine
Seifenblase. Der Torpedo trieb die Ionentriebwerke durch das Hinterteil der
Kralle, wo sie explodierten. Die ausgehöhlten Überreste des Jägers trudelten
durch den Weltraum davon. Sie würden sich schließlich durch die Lufthülle
von Alakatha brennen und unter den Urlaubsgästen für Aufregung sorgen.
Whistler zeigte mir einen vollkommen grünen Gefahrenmonitor, der mir sagte,
dass es in diesem Gebiet keinerlei feindliche Aktivitäten mehr gab. Staffel Drei
meldete sich, Ooryl hatte zu uns aufgeschlossen und setzte seinen Flug fort.
Sein vorderer Schutzschild war zusammengebrochen und wollte sich nicht
wieder aufbauen lassen, aber davon abgesehen war er in Ordnung. Auch

Yunsung - 23.02.2005 - 18:55

Seite 11

Vurrulf und Ghufran meldeten, dass sie keine Probleme mit ihren X-Flüglern
hatten. So wie es aussah, war nur Reme Pollar von Staffel Zwei so schwer
getroffen worden, dass sie ihren Flieger hatte verlassen müssen, doch sie gab
an, sich so lange halten zu können, bis das Skipray-Kanonenboot der Glitzerstern
sie aufnehmen würde.
Ich schaltete mein Kom auf den Kommandokanal um. »Alles im grünen
Bereich hier, Renegaten-Führer.«
»Verstanden, Neun. Sieht so aus, als wäre das hier nicht die Falle gewesen, die
wir erwartet hatten.«
»Nein, Sir, kann man nicht sagen.«
»Sind Ihre Leute bereit, zur Flotte zurückzukehren?«
»Wie befohlen, Colonel.«
Ich gab den Befehl an meine Leute weiter, doch ehe wir den vorgegebenen
Rendezvouspunkt erreichen konnten, führte die Flotte einen Mikrosprung
vom Rand des Systems durch. Ein Mon-Calamari-Kreuzer und zwei
Sternzerstörer der Sieges-Klasse bildeten im All über Alakatha ein Dreieck. Wir
waren an Bord der Heimat Eins in dieses System gekommen und hatten uns
mit MikroSprüngen bis hierher vorgetastet. Da die Informationen über die
Booty Full von der Norm abwichen, waren wir auf einen möglichen
Hinterhalt gefasst gewesen. Daher hatte die Flotte in einiger Entfernung
abgewartet, ob sich die Invids unversehens auf die Renegaten stürzen
würden.
Wenn es dazu gekommen wäre, hätten wir die Möglichkeit gehabt, sie ein
für alle Mal zu erledigen.
Ich aktivierte mein Kom. »Colonel, wenn wir damit gerechnet haben, dass
die Piraten über uns herfallen, und sie genau das nicht getan haben, war die
Mission dann überhaupt ein Erfolg?«
»Gute Frage, Neun. Dies ist eine von den Missionen, bei denen uns nur der
Geheimdienst sagen kann, wie wir abgeschnitten haben.« Tycho zögerte einen
Moment. »Aber andererseits haben wir bloß Material und keine Besatzung
verloren. Und das ist immer ein Sieg.«

Das hier ist die letzte Seite des ersten Kapitels wenn ihr das Buch haben wollt dann gebt mir eure E-m@il und ich schicks euch

schnibbel - 26.02.2005 - 17:56

~0 ~0 ~0 ~0 ~0 ~0 ~0 ~0 ~0 ~0 hast du das alles abgeschrieben??? cool, leider hab ich nicht besonders viel zeit das zu lesen, bin aber ein eingefleischter star wars fan. wir könnten das hier ja zum star wars thread machen.
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken
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