Zeit: 15. Februar des Jahres 1613 in den späten Abendstunden.
Ort: Grafschaft Renfrewshire, Castle Rynedale.
Cast: Keith Hawthorne Millham
Dabei begegnete ihm James, aber sie wechselten kein Wort, denn er schien ihm eilig entgegen nach oben zu gehen. Auf den kleineren Hof tretend, den man aus einem schmalen Flur nach hinten heraus erreichen konnte, deckte er den Wagen, über den Planen zum Schutz gelegt waren, ab und verstaute die Koffer. Er eilte über den Hof in den Stall und begrüßte die Pferde mit beruhigenden Worten, die aus seinem Mund dennoch gehetzt klangen. Zwei der Tiere würden sie mitnehmen, ob sie die anderen frei ließen, lag im ermessen seines Cousins. Keith hoffte es für die Tiere, bevor sie im schlimmsten Fall verbrennen würden.
Da sie auf Rynedale von umliegenden Höfen direkt versorgt wurden, gab es hier keine weiteren Tiere außer Reit- und Kutschpferde. Keith beeilte sich im Anspannen der kräftigsten und dennoch schnellsten Tiere, die sie im Stall hatten und als er damit fertig war, kehrte er zu seiner Schwester und seiner neu gewonnenen Cousine, die er nicht gekannt hatte, zurück.
Stimmung: :help:
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Keith trug Elise so vorsichtig er konnte nach unten, und legte sie in den Wagen. Dann nahm er eine Decke aus dem Stall und breitete sie sie in einer Ecke nahe dem Kutschbock aus. Er legte ihren leblosen Körper darauf und deckte sie mit einer weiteren Decke aus dem Stall zu. Es hatte leicht begonnen zu schneien, der Wind schnitt scharf in die Haut und riss an jedem sicheren Stand. Er hörte kaum, bemerkte aber, dass Elise etwas sagte. Sie so gut wie möglich in Decken gehüllt wissend, lehnte er sich zu ihr. Sein Ohr war nahe ihrem Mund.
„James…“, vernahm er flüsternd. Sie sagte es einige Male und Keith ergriff ihre Hand.
„Ich bin da.“, versuchte er möglichst tief seinen Cousin zu adaptieren. „Keine Sorge, Elise.“
So sehr sie seine Hand gedrückt hatte, so sehr ließ ihr Druck nach diesen Worten glücklicher Weise nach. Leider wusste Keith nicht, ob seine Hilfe nicht gebraucht würde und ob Elise mitten in ihrer Verwandlung nicht vielleicht sein Genick brechen wollte, solange er ihr so nah war. Im Wagen liegend, dicht zu ihr gebeugt, schielten seine Augen immer wieder nach Hanna, damit sie seinen Platz übernehmen würde können.
Frauen vermochten so etwas weit besser zu tun.
Stimmung: :öhm:
Sie fand den Wagen angespannt vor und sah schon im näher kommen die Erleichterung in Keiths Miene.
Während sie Keith die Koffer in den Wagen reichte, damit dieser sie verstauen konnte, fragte sie ihren Halbbruder angespannt: „Was ist los?“
Hanna konnte Elise Herz nicht schlagen hören, aber das musste noch nichts bedeuten.
„Sie verlangt nach James!“, rief Keith ihr aufgebracht im Sturm entgegen. Er stellte die Koffer zu den anderen und drehte sich wieder zu Hanna. „Sie hat unglaubliche Schmerzen.“
Auch gegen den Wind konnte Hanna noch die ehrliche Besorgnis in Keith Stimme hören.
Sie beugte sich soweit wie möglich in den Wagen, damit sie ihre Worte nicht so schreien musste.
Der Wind war eisig und schnitt in der Haut, wenn er ungeschützt ihr Gesicht traf.
„Ich weiß, dass lässt sich nicht ändern Keith.“ Sie visierte ihren Cousin an.
„Ich muss noch einmal ins Haus.“ Sie hörte wie Elise Herzschlag unregelmäßig wieder einsetzte und sah wie die schmalen Hände sich in den Decken verkrampften. Das Wimmern ging im tosen des Windes beinah unter.
„Ich werde mich beeilen. Du schaffst das Keith. Rede mit ihr, streiche ihr über den Kopf, aber nimm nicht ihre Hände, sie wird sie dir sonst brechen.“
Hanna sah zu ihrem Bruder, sie erinnerte sich gut an die Nächte und Tage mit Ryan, an die vielen Stunden der Qual, bei denen sie nicht gewusst hatte für wen von ihnen beiden es gerade schlimmer war zu ertragen.
„Sie hat nicht die Kraft dir zu schaden, aber sie braucht jetzt jemanden, der sie in dieser Welt hält und James kann gerade nicht hier sein. Es wäre natürlich besser, aber wir beide schaffen das. Du schaffst das!“, wiederholte Hanna eindringlich und ruhig.
Sie ignorierte jeden Widerspruch bewusst.
„Ich werde schnell wieder hier sein.“
Der Wind trug deutlich die nahende Ankunft einer großen Menschengruppe mit sich. Hanna konnte es klar wittern.
Sie würde wahrlich schnell sein müssen.
Sie alle.
Sie sah ein letztes Mal zu Keith, dann lief sie zurück ins Haus.
Stimmung: :hug:
Keith wirkte nervös und unruhig, er hatte Mühe die Pferde zu beruhigen.
Hanna reichte ihm die beiden Säcke und sah dann Blake.
Sie nahm ihm die Koffer ab, reichte auch die zu Keith in den Wagen.
Als sie sah wie Blake umdrehen wollte, hielt sie ihren Vater am Arm fest.
„Was hast du vor?“
Stimmung: :angespannt:
Nachdem die Pferde das aufgebrachte Tier von Tom gespürt hatten, der auf diesem gehetzt zurück auf den Hof geritten kam, waren sie so nervös, dass Keith Elise hatte allein lassen müssen. Damit die Kutschpferde nicht durchgehen würden, musste Keith alles aufbringen, was er in dieser stürmischen Nacht an Überredungskunst entbehren konnte.
Seine Wolfssinne vernahmen die Geräusche von der Front des Hauses. Er glaubte auch das Klirren von Glas zu hören und sah unsicher zum Hinterausgang der Burg.
Er konnte unmöglich allein mit Elise davon reiten, wenn die anderen aber nicht bald kämen, wüsste er nicht, was er sonst tun sollte.
Erleichtert lächelte er, als Hanna und Blake aus der Tür auftauchten. Er verstaute, was ihm gereicht wurde, nachdem er schon im Näher kommen der beiden auf den Wagen gesprungen war.
Doch bevor er hatte fragen können, was nun geschehen würde, wandte Hanna sich an Blake, der scheinbar zurück wollte.
Diese Frage hätte Keith sich ebenfalls gestellt und auch er wartete die Antwort ab, die Blake ihnen geben würde.
Der aber sah nur abwechselnd zwischen seinen beiden Kindern hin und her, befreite seinen Arm aus Hannas Griff.
„Ich werde sehen, wo der Rest bleibt.“, antwortet er auf eine, für ihn typisch, störrische Weise.
Keith sah zu Hanna. Aber als er ansetzen wollte, zu rufen, Blake solle hier bleiben, war dieser schon im Haus verschwunden.
„Wo sind die anderen?!“, fragte er in einer alarmierender Dringlichkeit, abgelenkt davon, wieder den Pferden zuzureden.
„Wir müssen los! Wir sind schon viel zu lange hier!“
Stimmung:
Hanna ließ Blakes Arm nur ungern los, aber sie ließ zu dass sich der Wolf ihrem Griff entzog.
Während sie ihm hinterher sah, hatte sie kein gutes Gefühl.
Der Wind war wieder stärker geworden und auch wenn es der Schnee nachgelassen hatte, war es immer noch eisig kalt.
Sie bemerkte wie ihre Hände schon jetzt nach wenigen Minuten hier draußen steif wurden.
Hanna sah auf, als sie Keith Stimme vernahm, die eindringlich wirkte.
Er hatte Recht. Sie waren schon viel zu lange hier. Wenn sie nicht bald aufgebrochen wären, dann gebe es keinen Grund mehr fliehen zu wollen.
Die Bedrohung schien so nah über ihnen zu schweben und wie die unbarmherzige Kälte der Winternacht nach Ihnen zu greifen.
Hanna musste diesen Gedanken bewusst abschütteln.
Sie sah zu Keith und visierte dessen blauen Augen an, versuchte ruhig und zuversichtlich zu klingen.
„Keine Sorge, sie sind auf dem Weg. Wir brechen gleich auf, Keith.“
Der Zuspruch alles werde gut, verkniff sie sich. Hanna tat nichts gegen Überzeugungen und sie hielt nichts davon Dinge zu sagen, die sie nicht meinte.
Sie meinte sie könnten es schaffen, aber ein können es schaffen war nicht gleich ein alles wird gut.
Wer wusste das schon?
Sie wusste nur, dass sie hoffte endlich Ryans Gestalt auszumachen.
Doch anstatt ihrem Mann waren es Charly und Robert die sie auf den Wagen zukommen sah.
Erleichtert lief sie den beiden entgegen.
„Warum dauerte das so lange, wir müssen uns beeilen.“
„Hört auf mich zu hetzen, Hanna. Ich kann nicht schneller.“
Sie erkannte an Charlys gepresst klingender Antwort bereits den nörgelnden Unterton, der bedeutete sie nicht weiter zu reizen, weil der Hochschwangeren ansonsten zuzutrauen wäre, sie kehrte auf der Stelle um.
Hanna nickte nachsichtig.
„Natürlich. Jetzt seid ihr ja hier.“
Versuchte sie versöhnlicher anzubringen und übernahm Roberts Platz an Charlys Seite.
„Geh schon mal in den Wagen zu Keith Robert, ich glaube du kannst Charly von dort oben aus besser helfen.“
Hanna wartete bis Robert in den Wagen geklettert war.
Sie mussten Elise, die auf den Decken gebettet war, auf denen Keith sie niedergelegt hatte, nach hinten schieben.
Dann half Hanna Charly von unten leicht hoch drückend in den Wagen.
Die Pferde wieherten leicht unruhig und sie erkannte wie Keith sich wieder nach vorne zum Kutschbock bewegte.
Wo blieb James, jemand sollte sich um seine Frau kümmern.
Hanna konnte deutlich Charlys Unruhe spüren, die sicher nicht nur in Elise Begründung fand, aber sie spürte deutlich, dass der fehlende Herzschlag, der von ihr ausging, Roberts Frau noch mehr beunruhigte.
Das alles war wie ein schlechtes Omen.
Sie spürte Keith Blick und nickte schnell, bevor ihr Bruder ihr sagen konnte, sie solle ebenfalls endlich in den Wagen steigen.
Drinnen war es eng, aber auch geschützter und beinah wärmer als draußen im eisigen Wind.
Hanna reichte Robert eine Decke, die dieser um sich und seine Frau schlingen konnte, die zitternd in der hinteren Wagenecke kauerten, gegenüber von Elise, die beinah so reglos dalag, dass sie wie tot wirkte.
Kein Atem, kein Herzschlag.
Hanna tastete sich vorsichtig durch den Wagen, begegnete Charlys Blick, als sie sich über Elise beugte und dem Mädchen die verkrampften Hände drückte und die rotblonden Locken aus dem Gesicht strich.
„Ist sie tot?“
Die Worte klangen panisch auf eine vollkommen verängstigte Art und Hanna schüttelte den Kopf.
„James hat sie gebissen, dass wird schon wieder Charly.“
Diese schien nicht glücklich, aber wie zur Unterstützung von Hannas Worten setze Elise Herzschlag unruhig und vollkommen ungleichmäßig und leise wieder ein und sie begann so leise zu wimmern das Hanna es ohne ihre Wolfssinne nicht gehört hätte.
James Frau war schwach und Hanna konnte nur hoffen nicht zu schwach.
Keith riss sie aus den Gedanken, er hatte Mühe die Pferde zu kontrollieren, der Wagen ruckelte unheilvoll.
„Wir müssen los, Hanna!“
Er klang nicht glücklich aber nun wirklich alarmiert und Hanna war klar, dass er die Wahrheit sprach.
„Nur noch ein paar Minuten Keith.“
Die Bitte stand nur in ihren Augen. Sie hoffte ihr Bruder sah es auch ohne, dass sie es aussprach.
Sie brauchte nur noch ein paar Minuten, um auf die anderen zu warten.
Ryan hatte es versprochen.
Sie setzte sich wieder hin und verkrampfte die Hände unruhig.
Sie bereute nicht sich nicht verabschiedet zu haben und dennoch massierte sie unruhig ihren Ehering.
Wenn sie ihn jetzt verlor, was war diese Flucht dann wert.
Komm schon Ryan. Ich bitte dich, Liebster. Komm endlich.
Stimmung: :hurt:
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Die große Truhe geschultert, lief Ryan Campbell bemessenen Schrittes den schmalen Gang entlang, der zur Hintertür hinaus führte. Er kam in die Kälte dieser Nacht und suchte den direkten Weg zu dem Heuwagen, vor den zwei Pferde gespannt waren.
Ryan konnte Hanna erkennen und die Erleichterung in ihrer Stimme, als sie seinen Namen rief, war ebenso nicht zu überhören. Aber er ignorierte dies, denn jetzt war nicht die Zeit für Erklärungen. Stattdessen stellte Ryan die Truhe ab und Robert nahm sie entgegen, während Keith auf dem Kutschbock versuchte die Pferde zu beruhigen. Der junge Mann wollte fragen, doch Ryan deutete ihm mit einem Nicken an, er solle nach hinten gehen.
Keith gab ihm die Zügel und mit leichtem Schlag und nachdrücklich gezischtem „Ho!“, setzten sich die nervösen Tiere unter Ryans Hand in Bewegung.
Ryan merkte, dass Keith die besten Pferde gewählt hatte, die den Weg bewältigen könnten. Konzentriert, redete Ryan nicht, sondern widmete sich vollends dem lenken des Wagens. Er versuchte, jeder Unebenheit auszuweichen und doch nicht zu lang zu brauchen, aus dem Sichtfeld von Rynedale zu verschwinden. Waren sie einmal weit genug weg, konnten sie darüber nachdenken, was sie tun würden.
Der unebene Weg führte das Gefährt möglichst leise in ein Waldstück. Keith traute sich endlich, die Totenstille zu durchbrechen.
„Wo sind die anderen?“, fragte er ernst und lehnte sich dafür nach vorn. Der ignorierte Keith Stimme und erst nach dem zweiten Mal, als die Stimme des jungen Mannes bedrohlich laut und ungehalten geworden war, antwortete Ryan knapp, den Blick auf die Herausforderung des Weges gelegt. „ Sie kommen nach.“
Keith runzelte verstört die Stirn und ließ sich zurücksinken.
„Wie geht es ihr?“, fragte Ryan stattdessen seine Frau, die sich der Aufgabe angenommen hatte, sich um Elise zu kümmern.
Stimmung: :ernst: