Da war plötzlich ein Geräusch das mich weckte. Ich öffnete langsam und ungläubig die Augen.
War das der Himmel oder die Hölle?
Ich war mir ziemlich sicher das ich noch vor einem Moment in meinem Zimmer lag und verblutete.
Hatten sie mich doch noch retten können?
Nein, das konnte einfach nicht sein. Ich hatte alles so perfekt geplant.
Aber das was ich über mir sah lies keinen anderen Schluss zu.
Ich konnte mir zumindest nicht vorstellen das im Jenseits so hässliche Decken mit Neonröhren existierten.
Ich richtete mich auf um mich weiter um zusehen, und stellte erstaunt fest das ich nicht ans Bett gefesselt war.
Mir wurde sehr schnell klar wo ich war. Ich konnte diesen Ort nur zu genau.
Aber irgend etwas war anders.
War es möglich das die Klapsmühle in Bonn in so kurzer Zeit so umgebaut wurde.
Außerdem wie zur Hölle kam ich nach Bonn.
Vor einem Augenblick war ich noch in Sondershausen und hatte mich versucht zu töten.
Da bemerkt ich es erst.
Die Schnitte an meinem Arm waren nicht da. Wie konnte das sein?
Nicht einmal eine Narbe war zu sehen und auch die anderen Narben wahren nicht zu erkennen.
Erst jetzt, als ich meinen Körper so betrachtete bemerkte ich was hier alles nicht stimmte.
Ich hatte blonde kurze Haare und war an einer Herzkreislaufmaschine angeschlossen. Ich musste sofort mit jemandem reden.
Da ich keine Taste zum rufen einer Schwester finden konnte beschloss ich aufzustehen.
Eine echt dumme Idee.
Meine Beinmuskeln wahren total atrophiert und ich knallte ohne mich nur eine Sekunde halten zu können auf den Boden.
Ich versuchte die Welt nicht mehr.
Dem Zustand meiner wund gelegenen Stellen und meiner Muskeln hätte ich mindestens 2 oder 3 Jahre dort liegen müssen, aber ich war nicht älter als zu meinem Selbstmord.
Da ich nicht wieder allein in das Bett kam, machte ich das einzige sichere was eine Krankenschwester anlocken würde.
Ich koppelte mich von dem EKG- Gerät ab und kam in den Genuss eines langen nervigen schrillen Tons.
Es dauerte erstaunlich lange bis endlich zwei Pfleger kamen.
Bevor die beiden verstummten, mich blöde ansahen und „Herr Doktor, Herr Doktor!“ schreiend raus rannten, hatte ich einen Teil ihres Gespräches mitbekommen.
Einer de beiden hatte gesagt: „Endlich hat er´s hinter sich. Echt schlimm 20 Jahre im Koma.“
Jetzt war ich noch verwirrter als vorher. Aber bevor ich mir über meine Verwirrung richtig im klaren war wurde es noch verrückter. Der Schauspieler Patrick Stewart stand in einem Doktorkittel vor mir und starte mich ungläubig an.
Bevor ich irgendetwas sagen konnte befahl er den beiden Pflegern mir wieder ins Bett zu helfen. Als ich die beiden aus der nähe sah bekam ich einen Schlag. Es wahren ,eine Freunde Julius und Manuel aber sie schienen mich nicht zu erkennen.
Als ich wieder im Bett sahs richtete der Arzt der sich mit Namen Brinkmann vorstellte das Wort an mich.
Erst fragte er mich ob ich ihn verstehen könnte und ob ich wüste wo ich währe.
Ich versuchte zu antworten aber es ging nicht.
Irgendwie wollten meine Stimmbänder nicht so wie ich fast so als ob ich sie noch nie benutzt hätte.
Ich nickte einfach zustimmend.
Er erwiderte nur erstaunlich.
Ich versuchte erneut zu sprechen aber es kam nichts sinnvolles dabei heraus.
Dr. Brinkmann sagte zu mir in einem ungewöhnlich ruhigen Ton: „Ganz ruhig, Papa und Mama sind gleich da!“
jetzt reite mir es und ich versuchte es erneut mit aller Kraft. Diesmal klappte es mehr oder weniger und ich sagte mit erstickter Stimme in einem unfreundlichem Ton: „Wollen sie mich eigentlich verarschen? Was zum Teufel ist hier los und wie komme ich hier her? Und wehe ihnen sie antworten mir so als ob sie mit einem Kleinkind sprechen!“
Die Gesichter der drei zeigten auf einmal die selbe Verwirrung die auch gerade in mir vor sich ging.
Einige Sekunden war es still bis Dr. Brinkmann plötzlich zu sprechen begann: „Okay ich werde ihnen versuchen alles in ruhe zu erklären aber zu erst muss ich dir... Entschuldigung ich meinte ihnen einige Fragen stellen. Ist das in Ordnung?“
Ich nickte wieder.
„Okay es ist wichtig das sie ruhig bleiben sonst müssen wir sie ruhig stellen und fixieren. Verstanden?“
ich antwortete: „Ja ich weiß, ich bin nicht das erste mal in dieser Einrichtung.“
Die beiden Pfleger sahen sich auf einmal komisch und ratlos an und blickten wieder zu mir mit dem selben seltsamen Blick.
Dr. Brinkmann fing wieder an zu sprächen: „Bitte versuchen sie zu verstehen aber sie wahren noch nie hier. Zumindest im selben sinne sie jetzt. Wann meinen sie den schon einmal hier gewesen zu sein?“
Ich sah ihn verdutzt an. „Ich befinde mich doch in den Rheinischen- Kliniken in Bonn, oder?“
Er nickte zustimmend obwohl sein Gesicht eine gewisse ungläubige Verwirrung ausstrahlte.
„Gut, ich bin am 29.05.2002 als Selbstmord gefährdet eingeliefert worden und wurde 5 Tagen später von einem Betreuer des Godesheim wieder abgeholt worden.“
Er schaute mich plötzlich mitleidig an. „Ich muss ihnen etwas sagen was sie mir wahrscheinlich nicht glauben werden. Anscheinend habe sie während ihres Komas eine irreale Welt in ihrem Geiste erschaffen. Sie befinden sich in Wirklichkeit seit 17 Jahren in unserer Einrichtung und wahren die 2 Jahre vorher im Stift- Krankenhaus in Koblenz.“
Mir wurde schlecht. Da ich mich an die Unterhaltung der beiden Pfleger erinnerte.
Ich fragte mit zitternder Stimme: „Soll das heißen das ich seit 19 Jahren im Koma liege?“
Er nickte verlegen. „Seit ihrem Unfall mit 2 Jahren. Sie fielen von einer 2 Meter hohen Kinderrutsche auf einen Kachelboden und...“
ich unterbrach ihn. „ich weiß, ich weiß meine Mutter hat mir die Geschichte mindestens schon 100 mal erzählt!“
Ich stockte. „Denke ich zumindest?“
Mir wurde genau in diesem Moment erst richtig klar worüber wie hier sprachen. Die letzten 19 Jahre an die ich mich erinnern konnte wahren in Wirklichkeit nie passiert.
Sie wahren nur ein Einziger nicht enden wollender Alptraum gewesen. Aber egal wie schlimm diese Zeit war, die Wahrheit war noch viel schlimmer.
All die Menschen die ich kannte hatten so wie ich sie in Erinnerung hatte nie existiert, nicht einmal die die ich mochte. Ich hatte einen Traum gelebt.
Auch wenn es kein angenehmer gewesen war jetzt vermisste ich ihn.
Ich muss durch den Schock das Bewusstsein verloren haben da ich plötzlich wieder zu mir kam und meine Eltern vor mir standen.
Leider wahren sie genau so wie ich sie in den letzten 19 Jahren und führten sich auch so auf.
Dr. Brinkmann erklärte uns nochmals ausführlich das meine „Traumwelt“ durch Einflüsse von meiner realen Umwelt beeinflusst worden war und da durch mir Personen bekannt vor kamen.
Als die Unterhaltung zu ende war musste meine Eltern beide wieder weg da sie arbeiten mussten.
Andere Komapazienten hätten sich wahrscheinlich darüber aufgeregt das ihre Familien sich nicht frei nimmt um mit ihnen zu reden. Aber ich war in diesem Fall froh das meine Eltern solche Arschlöcher wahren.
Es dauerte mehrere Wochen bis ich laufen konnte und als es soweit war stand ich auch immer noch ziemlich wacklig auf den Beinen.
In diesen Wochen lernte ich fast alle Menschen die ich dachte zu kennen in Realität kennen.
Ich meisten arbeiteten in der Psychiatrie oder wahren wie ich „Gäste“.
Es war unheimlich meine Freunde hier zu sehen, vor allem da sie mich nicht kannten.
Dr. Brinkmann hatte meine Eltern leider dazu überredeten mich fürs erste noch im Krankenhaus zu lassen da er meinte, meine Persönlichkeit währe genauso irreal wie das Leben durch das sie erschaffen wurde.
Außerdem wollte er mich erst entlassen wenn ich akzeptiert hatte das diese 19 Jahre nicht real waren.
Der hatte gut reden. Ich glaube er konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen was diese Klinik für eine Hölle für mich war.
Bis auf wenige Ausnahmen wahren alle meine Freunde in Wirklichkeit Autisten, leiteten unter Schizophren oder lagen ebenfalls im Koma.
Aber eine gute Sache gab es doch.
Mehr als 90 % der Namen stimmte mit meiner Erinnerung über ein.
Was die anderen 10 % anging gab es hin und wieder lustige Verwechslungen. Dr. Brinkmann z. B. sah mich immer wieder verwundert an wenn ich ihn mit Captain Picard ansprach.
Leider musste ich feststellen das es Star Trek in der Realität nicht gab.
Ja, leider kam mir diese Hölle inzwischen wirklich real vor.
Ich nutzte meine freie Zeit damit meine Geschichts- und Schulwissen mal auf den Stand der Wirklichkeit zu bringen.
Außerdem versuchte ich die Menschen zu finden die ich aus meinem Traum kannte und die nicht im Krankenhaus wahren.
Wie ich feststellen musste wahren die Personen die ich suchte alles Freunde und Verwandte der anderen Insassen bis auf eine.
Von meinen „Freunden“ waren in Wirklichkeit 3 Pfleger, 2 lagen im Koma und die Restlichen hielten sich für Gummibälle oder ähnliches.
Nur ein junge Dame die ich bisher unter dem Namen Jane gekannt hatte war nirgends aufzufinden.
Von Melanie einem Mädel das sich regelmäßig mit ihrem imaginären Freund Hugo unterhielt, erfuhr ich das es bis vor einem halben Jahr eine Krankenschwester gab auf die Janes Beschreibung passte.
Als ich Dr. Brinkmann auf sie ansprach wollte er mir nichts über Sabrina, wie sie in Realität hieß, erzählen.
Allerdings erfuhr ich von Pfleger Manuel das sie raus geflogen war weil sie sich an jemanden vergangen hatte.
Einige Tage später kam Dr. Brinkmann auf mich zu und meinte ich könnte in ein paar Wochen so weit das Krankenhaus zu verlassen.
Diesmal gelang es mir während unserer Unterhaltung im ein paar Informationen über Sabrina zu entlocken.
Am ende des Gespräches meinte er schweren Herzens. „Okay wenn dir soviel daran liegt erzähle ich dir was du wissen willst.“
„Ich glaube du bist inzwischen belastbar genug es zu erfahren. Die Schwester nach der du immer fragst ist raus geflogen weil sie einen der Komapatienten vergewaltigt hat und dabei erwischt wurde. Wie du dir sicher schon gedacht hast, ja du warst dieser Patient.“
Ich weiß nicht welche Reaktion Dr. Brinkmann erwartet hatte, aber diese anscheinend nicht.
„Sind sie noch ganz dicht? Ich habe diese, wie sie es nennen, Vergewaltigung mitbekommen und es war einer der schönsten Momente in meinem Leben!“
ich bin mir nicht ganz sicher woran es lag an meinem betteln nach der Unterhaltung oder an meinem an die Decke gehen aber Dr. Brinkmann erklärte sich tatsachlich bereit mir Sabrinas Adresse zu geben.
Ich musste ihm zwar versichern das mir bewusst ist das die Person die ich gekannt hatte eine andere war aber er löste sein versprechen ein.
Während der letzten Wochen in der Klinik erfuhr ich von einer der Persönlichkeiten Dianas das sich Sabrina in einen Patienten verliebt hatte aber sie wollte mir nicht sagen in wenn.
Zum Glück hatte ich mich in meiner Zeit hier mit dem total verschüchterten Locke angefreundet.
Er zuckte zwar schon zusammen wenn man nur in seine Richtung sah und er hatte den Horizont eines Achtjährigen aber er hatte nützliche Informationen. Da er immer nur in seiner Ecke saß und alles beobachtete bekam er alles mit.
Er erzählte mir das Sabrina während der Nachtschicht manchmal Stunden lang in meiner Zimmertür stand und mich beobachtete.
Jetzt hatte ich Gewissheit. Endlich gab es etwas oder besser gesagt jemanden auf den ich mich da draußen freute.
Ich spürte etwas was ich schon seit über einem Jahr nicht mehr Gespürt hatte. Hoffnung.
Als ich 2 Wochen später endlich entlassen wurde, machte ich mich natürlich erst einmal auf die Suche. Ich hatte Glück. Seltsamerweise sah Bonn fast so aus wie ich es kannte.
Außerdem war mir die Adresse ein Begriff. Ich nahm an das mir Sabrina sie mir irgendwann mal genannt hatte.
Annergraben 47! Lustig. Als ich vor 6 Monaten aus dem Koma erwachte war ich noch der festen Überzeugung ich hätte mal hier gewohnt.
Ich muss gestehen ich weiß nicht wie lange ich vor ihrer Tür stand, aber ich traute mich einfach nicht zu klingeln.
Was wenn sie einen Freund hatte oder nicht mehr wusste wer ich bin.
Ich gab mir einen Ruck und klingelte endlich.
Einen Moment später öffnete mich ein etwas älterer aber sehr freundlich aussehender Mann die Tür.
Noch bevor ich mich überhaupt vorstellen konnte bat er mich herrein.
Ich war etwas verwundert er und seine Frau schienen mich zu kennen.
Na ja, sah das mal als gutes Zeichen obwohl ich ein ungutes Gefühl verspürte.
Das ältere Ehepaar sagte zu mir sie würden nicht über die Situation sprechen oder sagen woher sie mich kannten. Sie wollten mich allerdings zu ihrer Tochter fahren.
Während der Fahrt stieg mein ungutes Gefühl noch an.
Als wir an unserm Ziel angekommen wahren war aus dem Gefühl Gewissheit geworden.
Nein das durfte einfach nicht sein. Das war nicht möglich.
Ich wollte es einfach nicht wahr haben. Selbst als ich es mit eigenen Augen sah.
Als sich plötzlich Steine in meine Knie bohrten wurde mir auf einmal alles wirklich bewusst.
Ich kniete wirklich vor ihrem Grab auf dem sogar ein Foto von ihr stand.
Als ihr Vater bemerkte das ich wieder mehr oder weniger ansprechbar war, erzählte er mir alles.
Nachdem sie erwischt wurde wie sie auf meinem Bett saß, wurde sie sofort gefeuert.
Da sie dank meiner Eltern auch noch Hausverbot bekam und nie wieder eine Gelegenheit gesehen hatte mich wieder zu sehen hatte sie kurz danach selbst Mord begangen.
Diese Welt war noch viel schlimmer als die letzte die ich verlassen hatte.
Ich wünschte es hätte eine Möglichkeit gegeben sie wieder zu sehen, egal ob hier oder in meiner Komapfantasie. Aber vielleicht gab es ja diese Möglichkeit.
Ich musste es einfach riskieren.
Wenige tage später schlich ich mich Nachts von zu hause weg.
Von „zu hause“. Der Witz war gut. Es war nie mein Zuhause gewesen und in dieser Welt hatte ich auch nichts mehr was mich noch hier hielt. Nicht einmal Freunde.
Wie schon beim letzten Mal setzte ich das Messer an und durchtrennte die Arterie.
Es war auch in der Realität ein schönes Gefühl wie diese warme Flüssigkeit den Arm hinunter lief.
Ich spürte ein zweites mal wie mich die Kräfte verließen.
Selbst wenn sie bemerken würden das ich nicht mehr in meinem Bett bin, wurde sie niemals rechtzeitig hier sein.
Außerdem wer würde schon im Wald bei solchem Wetter in einem alten Bombenkrater nachsehen.
Die Pfütze die sich langsam durch den Regen am Boden des Kraters bildete hatte eine schöne rote Farbe.
Ich genoss mit anzusehen wie unter mir dem prasselndem Regen impulsweise das Blut meinen Körper verließ und wieder die Müdigkeit auf kam. Diese angenehme warme Müdigkeit nach der ich mich so sehr sehnte.
Diesmal lies ich ohne zweifel zu das ich einschlief und hoffte nur, das ich diesmal an einem besseren Ort aufwachen würde.
Ach ja... ich hoffe wirklich, es stört dich nicht, dass ich deine Gedichte nicht nur gelesen, sondern wirklich auch alle beantwortet habe...
Meine Hochachtung für diese vielen, bezaubernden Werke!