ad 1) Vor 17 Jahren scheiterte ein ähnliches Projekt an der "fehlenden Verläßlichkeit" (der Bevölkerung? Ihrer gewählten politischen Vertreter?). Ein Investor, der mit dieser bodenlosen Arroganz auftritt, hat vermutlich nicht das Wohl der angesprochenen Gemeinde im Sinn und gehört vor die Tür gesetzt. Das gebietet allein schon die Selbstachtung.
ad 2) Ja, Hanstedt liegt in einer reizvollen Landschaft und ist prädestiniert für eine Art Tourismus, die von der GSP offenbar als minderwertig deklassiert wird (vgl. Punkt 17).
ad 3) Ja, Hanstedt liegt verkehrsgünstig. Von Nürnberg bin ich mit dem ICE in knapp 4 Stunden hier. Sogar Wien ist von Hanstedt aus (über HH Fuhlsbüttel) nur 2 Stunden entfernt! Und erst Paris!
ad 4) Was braucht "modernes Tourismusgewerbe", das im Einklang mit der Landschaft steht, mehr als Hotels, Restaurants, Wander- und Reitwege etc., die alle bereits in Hanstedt vorhanden sind?
ad 5) Lüneburg und Bispinger Centerpark - welch ein ungleiches Paar! Auch die Hervorhebung durch Kursivschrift der Hamburger Vorzüge Hafen, Reeperbahn, Einkaufswelt spricht Bände über die Visionswelt der GSP.
ad 6) Ja, die einschneidenden Veränderungen in der Landwirtschaft machen den Bauern schwer zu schaffen. Bekämen die Bauern einen adäquaten Lohn für ihre Arbeit, lägen die Felder nicht brach. Dieses Problem kann Hanstedt nicht allein, vor allem aber auch nicht durch ein Golfzentrum lösen. Die Hoffnung, ein GSZ sei eine langfristig erfolgreiche Strukturmaßnahme, wird durch nichts gestärkt (gerade zu wesentlichen Punkten fehlen verläßliche Daten in der "vollständigen Fassung"). Golf ist hierzulande nur in Gestalt eines Automobils erfolgreich, weil für die "Massen" erschwinglich.
ad 7) Von einer "einmaligen Gelegenheit" für 5 zusammenhängende 18-Loch-Plätze "aneinandergereiht" ist die Rede: auch die Wüste strebt nach "aneinandergereihtem" Zusammenhang. Auch von einer "Symbiose zwischen Golfcenter und Ortsmitte" liest man. Es wird wohl ein "Golfcenter mit Ort" werden!
ad 8) "Hochbauten" sollen entstehen. Vermutlich will man eine "Skyline" für Hanstedt und Quarrendorf! Eine "öffentliche Zugänglichkeit und Nutzung gegen Gebühr" schwächt die Kaufkraft der Anwohner. Der Sonntagsspaziergang muß kostenlos bleiben! Eben, das Projekt ist "rein kommerzell". Wenn es nicht läuft, bleibt eine Geisterstadt zurück. Ist das die langfristige Perspektive?
ad 9) "Hecken", die den "Schwierigkeitsgrad beim Golfen erhöhen": Ja, so soll es sein! Die Natur im Dienste des Golfsports! Ein völlig neues und innovative Konzept! Die Schaffung von "Naturbiotopen" sollte man besser der Natur selbst überlassen.
ad 10) Als "Ausgleich" für die Wasserlieferung an Hamburg hat man sich wohl die zahlenden Hamburger Golfer gedacht? Wäre es nicht sinnvoller, im Rahmen von Verhandlungen zwischen Niedersachsen und der Hansestadt einen direkteren Weg der Remuneration zu suchen?
ad 11) Die Angabe von Prozentwerten (hier zu Pestiziden) ist ohne gleichzeitige Angabe von Bezugsgrößen wertlos und irreführend.
ad 12) Offenbar entscheidet künftig die GSP, wo gejagt wird und wo nicht. Zur Verringerung von Schäden durch Schwarzwild hat sich dessen Bejagung seit Jahrtausenden bewährt und nicht die Errichtung eines Wildzaunes um einen Golfplatz. Wildschweinbraten kann man übrigens essen, Golfbälle hingegen nicht. Dieser Umstand sollte einer innovationsbereiten lokalen Gastronomie Flügel verleihen! Originell ist übrigens die Idee, die "roughs" als Maulwurfparadies zu empfehlen!
ad 13) Wozu müssen Wege in einer nahezu unberührten Landschaft "ausgebaut" werden? Ein örtsansässiges Schuhgeschäft mit festen Wanderschuhen (neudeutsch: 'trekking boots') im Angebot würde dem Touristen das gefahrlose Begehen der unzähligen bestehenden Wege ermöglichen und das lokale Gewerbe stärken.
ad 14) Wer finanziert den Ausbau der Zufahrtsstraßen? Wer erträgt den zusätzlichen Autolärm und die Schadstoffbelastung, auch wenn der Zubringerverkehr "um die Ortskerne herumgeleitet werden soll"? Wie lange wird Hanstedt da ein "Staatlich anerkannter Luftkurort" bleiben?
ad 15) Ob Hanstedt den "bedeutsamen Flugverkehr von Bremen, Hannover und Hamburg" schätzen wird, ist mehr als fraglich. Denn jeder Jet bringt nicht nur Lärm (wie jetzt schon), sondern auch mehr Menschengedränge in die Ruhe der Nordheide.
ad 16) Was die heutigen Bewohner von Hanstedt schätzen, ist das ruhige Wohnen ohne GSZ. Zur "Sicherung" von Betrieb und Pacht des GSZ neue Wohungen zu bauen ist kompletter Unsinn. Man braucht das GSZ nicht, also auch keine neuen Wohungen. Diese Wohungen würden auch bald leerstehen, wenn das GSZ nicht floriert.
ad 17) Wie sicher ist Golf als zukunftsweisender Wirtschaftszweig? Soll denn unsere Zukunft darin bestehen, Bälle in Löcher zu schieben? Offebar setzt man auf den "hochwertigen" Golftourismus, womit alles Bisherige als "minderwertiger" Tourismus deklassiert wird.
ad 18) Im Absatz über Golf und Hanstedter Wirtschaft offenbart sich der ganze lächerliche Größenwahn der Initiatoren. Welches der anderen ähnlich dimensionierten Golfzentren Deutschlands (z. B. Wiesensee, Wallgau) hat den Sprung in die internationale Liga der Austragungsorte für Golfturniere geschafft? Man vermißt Daten dazu.
ad 19) Beim Golf offenbare sich, vermittelt durch positive und negative Adrenalinwirkung, das "Streben nach Glücksmomenten und Präzision": solch euphorische Darstellung, die für die meisten menschlichen Tätigkeiten gelten, die mit Anstrengung bzw. Arbeit verknüpft sind, sind wohl nur der Minderheit von 400.000 Golfern in diesem Land verständlich. Die Frage "Wer spielt Golf?" kann man mit der Gegenfrage beantworten "Wer kann 500 EUR pro Wochenende und Person aufbringen?" (Vodafone-gesponserte Super-Sparpreise z. B. in Wiesensee).
ad 20) Gottseidank gibt es wegen der "Enge in Deutschland" noch nicht "überall Golfplätze"! Das "große wirtschaftliche Potenzial" käme in der Tat erst zum Tragen, wenn es für "die Masse der Bevölkerung" genügend Plätze gäbe. Allerdings steht eine andere "Enge in Deutschland" dem Golf als Massensport entgegen, nämlich eine finanzielle (s. zu Punkt 19, "500 EUR"). Oder plant man für Hanstedt eine ALDI-Version der 4 und 5 Sterne-Hotels? Hat man sich überhaupt über die Lage der anderen Golfzentren in diesem Land kundig gemacht? Leider wird dazu in der "Vollständigen Fassung" kein Wort verloren.
ad 21) Von ca 1100 neuen Arbeitsplätzen ist hier die Rede. Am Ende der "Vollständigen Fassung" sind es nur mehr 850. Offenbar gingen im Laufe der folgenden 22 Punkte bereits 250 Arbeitsplätze verloren. Soll man einem solch wirren Konzept überhaupt nur eine Minute Aufmerksamkeit schenken?
ad 22) Die Überalterung ist ein sattsam bekanntes Problem nicht nur von Hanstedt, sondern von ganz Deutschland (s. FAZ v. 23.4.04, S. 39) und den Nachbarländern, für das noch keine Lösung gefunden wurde. Eine oft vorgeschlagene ist, den Zuzug junger Migranten aus nicht-europäischen Ländern zu erleichtern. Hat man bedacht, daß diese Menschen dem Golfsport vielleicht völlig verständnislos oder gar ablehnend gegenüberstehen werden? Wer belegt dann die Betten in den 4/5 Sternehotels? Und eine grundsätzliche Frage: Müssen unsere Städte, muß Hanstedt überhaupt wachsen?
ad 23) Klar: der Investor gewinnt, nicht Hanstedt!
ad 24) Richtig: die Verhandlung über "Restflächen" bietet gottseidank noch Korrekturmöglichkeiten!
ad 25) Willkommen in der "Parkplatzwüste Nordheide"!
ad 26) Die Zustimmung zum Konzept als "hohes Ziel" für Hanstedt und Hanstedt's Bevölkerung auszuweisen, entspricht dem Weltbild der GSP und dient einzig ihren Gewinninteressen. Vgl. dazu Kommentar zu Punkt 1.
ad 27) Formulierungen wie "notwendige Beschlußfassung" durch die Gemeinde und "benötigte Verträge" zeigen, daß sich die Menschen in Hanstedt zur Zeit als Statisten in einem Lehrstück Investor-gesteuerter Nick-Demokratie befinden. Volksvertreter, die dies zulassen, gehören abgewählt.
ad 28) Auch dort wo auf "Anlagen" verwiesen wird, wie etwa zum Zeitplan, finden sich keine solchen. Bei anderen Punkten, z.B. projektierte Auslastung, zu denen quantitative Vergleichsdaten dringend nötig wäre, um sich ein Bild zu machen, wird gar nicht erst auf "Anlagen" verwiesen. Wir leben schließlich in einer "Informationsgesellschaft"!
ad 29) Wer bringt die Erschließungskosten auf?
ad 30 und 31) Sind die 5-Sternehotels für die "hochwertigen Golftouristen" und die 4-Sternehotels für die "Masse der Bevölkerung" vorgesehen? (vgl. auch Punkt 20)
ad 32) Welche Golfenthusiasten sollen sich im GSZ Hanstedt wohnend niederlassen? Gibt es dazu quantitative Daten?
ad 33) Ja! Betreutes Wohnen wird sicher von zentraler Wichtigkeit sein! Die Überalterung der Bevölkerung (vgl. Punkt 22) wird zu einer beklemmenden Zunahme verwirrter Altgolfer führen.
ad 34) 22 Stellen für Greenkeeper sind geplant. Sind die in den 250 bereits weggefallenen Stellen (vgl. Punkt 21) enthalten?
ad 35) Was soll eigentlich der Schwachsinn des Golfodroms, wo doch die Stärke des GSZ Hanstedt die freie Natur ist? Wieviele Regentage gibt es in Hanstedt pro Jahr? Ich weiß, es sind sehr viele. Werden die "hochwertigen Golftouristen" in Scharen ins Golfodrom streben?
ad 36) Wo werden die Golflehrer ausgebildet? Was machen die Golflehrer, wenn die Golfer ausbleiben?
ad 37) Hanstedt soll offenbar auch Wellness- und Fitnesszentrum der Republik werden? Ein innovatives Konzept!
ad 38) Woher nimmt die GSP diese euphorische Einschätzung zur Auslastung? Aus welcher Luft sind diese Prozentzahlen gegriffen? Leider wird auf keine "Anlage" verwiesen!
ad 39) Ja! Alle Kongresse und Arbeitsbesprechungen und Workshops nach Hanstedt! Aber warum ausgerechnet in ein GSZ? Gibt es denn einen Mangel an ländlichen Kongreßhotels in diesem Lande? Leider erfahren wir nichts darüber.
ad 40) Was verspricht sich Hanstedt und die lokale Gastronomie von den 4-10-Tage-Verweilern im perfekt ausgestatteten Golfhotel?
ad 41) Ist denn das Fehlen großer zusammenhängender Golfplatzwüsten der Hauptgrund für die "nur" 400.000 Golfer in Deutschland? Welche "breite Masse" will Golf? Auch hier vermissen wir Daten, die sicherlich verfügbar wären, in einer "Anlage".
ad 42) Der Auftraggeber "verpflichtet" sich zur "Einbindung der heimischen Wirtschaft mit den üblichen Einschränkungen". Gibt es etwa in der näheren und weiteren Umgebung Erfahrungen der "heimischen Wirtschaft" mit derlei "Investoren" wie der flotten GSP?
ad 43) Warum sollen Weidezäune durch Wildzäune ersetzt werden? Warum Brach- und Ödland durch Golfwüsteneien? Die Touristen kommen, um das Land mit den Augen und der Seele zu nutzen. Dem sind 4-stöckige Golfhotels hinderlich. Die objektive Urteilskraft der Menschen hier darf nicht verblendet werden durch unsinnige Gegenüberstellungen wie etwa "Golfplatz versus Kernkraftwerk/Stahlwerk", wie sie die GSP zur Besänftigung der Gemüter anbietet. Welche "ausgedienten Konzepte" sollen durch die Gigantomanie ("größtes Golfsportzentrum Europas" etc.), die als "neu" ausgegeben wird, ersetzt werden?
Winfried Neuhuber, Erlangen, "minderwertiger" Nordheidetourist