Jetzt hast Du mich am philosophischen Kragen gepackt. Denn bei diesem Thema werde ich ganz schnell sehr ehrgeizig. Was nicht heißen soll, dass ich die Oberahnung von Philosophie habe. !@#$
Um nun auf Deinen Beitrag zu antworten, führe ich das Thema hier weiter.
Ich habe mir die Freiheit genommen (ich handelte nicht ohne Ursache :D ), Deinen Text hierher zu kopieren:
Erstellt von Eve
Warum ich das jetzt anmerke? "Willensfreiheit ist undenkbar: Menschen handeln nicht ohne Ursachen." (Schopenhauer)
Ohne hier ein Philosophieseminar eröffnen zu wollen. Das Zitat unterstreicht lediglich Schopenhauers pessimistitisches Menschenbild:
Es ist ja bekannt, dass wo immer er auch hinblickt – er überall Kampf, Zusammenprall der Egoismen, Leid, Schmerz, Krankheit und Tod sah. „Die Welt“, so schreibt er, „ist eben die Hölle, und die Menschen sind einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin.“
Kurz und gut: Für Schopenhauer ist alles Leben wesentlich Leiden und der Pessimismus die einzig angemessene Perspektive auf Welt und Leben. Aus dieser Grundeinstellung kommt er wohl auch zu dem von dir gewählten Zitat. Sicher kommt dies auch in dem von mir gewählten Zitat zum Ausdruck. Ich habe also über deinen dezenten Hinweis noch einmal nachgedacht und werde diesen Teil aus meiner Signatur wieder entfernen, aber nur vor dem Hintergrund, dass der Pessimismus Schopenhauers Philosophie nicht die Triebfeder derer ist, die hier ihre Beiträge posten, oder ? Ehrlich gesagt, habe ich auch nicht damit gerechnet, dass meine Signatur irgendjemanden hier ins Auge springt
Dass Menschen nicht ohne Ursache handeln, sehen wir heute sicher aus aus einem anderen Blickwinkel. Das hat was mit verändertem Zeitgeist und unterschiedlicher Erfahrungen zu tun, die die Menschen heute machen. Schopenhauer wird sicher sagen, dass die Menschen zu seiner Zeit eben diesem Bild entsprachen, andere werden sagen, sie sind heute egoistischer den je, weil sie nicht nur die gedankliche Freiheit dazu haben, sondern, weil ihnen die vermeintliche Härte der Zeit keine andere Wahl lasse. Beide Ansätze stimmen wahrscheinlich irgendwie.
Ja, das Werk Schopenhauer ist geprägt von einem durch und durch pessimistischen Weltbild. Dennoch würde ich nicht unbedingt behaupten, dass das oben genannte Zitat dieses grundsätzlich unterstreicht. Es mag auf den ersten Blick eine pessimistische Aussage sein (je nach Blickwinkel). Aber ich versuche solche Aussagen stets, als erstes frei vom Verfasser zu sehen. Auf diese Weise finden sich zu allen Texten zahlreiche unterschiedliche Interpretationen, welche durchaus vom eigentlich gemeinten abrücken können.
Aber um zurück zum Zitat zu kommen: Die Aussage ist doch, dass Willensfreiheit nicht vorstellbar sei, da es zum eigenen Handeln immer einen vorausgehenden Anlass gäbe.
Wenn ich dieses Posting hier schreibe (Wille), dann tue ich dies, um auf Deines zu antworten (Ursache).
Wenn ich morgen zum Bäcker gehe (Wille), dann tue ich dies, weil ich Hunger habe (Ursache).
Wenn ich übermorgen zum Tanzen gehe (Wille), dann tue ich dies, weil es mir Spaß macht (Ursache).
Eigentlich ist diese Aussage so simpel, dass sie im "Normalfall" keinerlei weiterer Überlegungen Wert sein müsste. Aber wir sind ja Menschen und in unserer humanitären Weltanschauung steht der Gedanke der Willensfreiheit ganz oben. "Freie Entfaltung der Persönlichkeit" steht in unserem Grundgesetz. Damit legitimiert sich offiziell und ganz legal, dass wir das tun können, was wir wollen (sofern wir anderen keinen Schaden zufügen). Und nun? Wir denken, dass wir unser Wollen umsetzen, frei von jeglichen Belangen. Doch vergessen wir allzu leicht, dass ALLES, was wir tun, ob es unser Wille ist (ich trinke Milch im Kaffee), oder ob wir montags ins Büro gehen (Unwille), eine Ursache hat. Ich denke, es ist mein Wille, Milch im Kaffee zu trinken. Aber letztlich ist es doch so, dass er mir ohne nicht schmeckt. Wenn keine Milch da ist, trinke ich also auch keinen Kaffee (Konsequenz). Und wenn ich nicht ins Büro gehe, verliere ich meine Arbeit (Konsequenz).
Ich nehme die Konsequenz hinzu, weil sie, meiner Meinung nach, stark an das Modell Wille - Ursache gekoppelt ist. Während wir nun denken, wir tun etwas aus "freiem" Willen heraus, läuft in unserem Unterbewußtsein ein Prozess ab, der uns die Ursache dazu vorgibt und der auch gleich die Konsequenz mitliefert.
Und das von Dir gewählte Zitat: "Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt..."
Es ist nicht wichtig, mit welcher Intention solch ein Zitat in die Welt gesetzt wird. Es zählt, was der Leser darin sieht. (Wie gesagt, solange man nicht den Anspruch erhebt, eine wissenschaftliche Abhandlung darüber zu halten.)
Ich halte solche Zitate für gut und wichtig, weil man immer mal wieder zum Nachdenken angeregt wird und dazu, sich selbst zu überprüfen: Was mache ich mit meinem Leben. Stimmt meine Denkweise noch. Habe ich eine zufriedene Grundstimmung. Wenn nein, warum...
ich finde es sehr spannend, mit Dir über dieses Thema zu diskutieren.
Beim Lesen Deiner Darstellung ist mir jedoch aufgefallen, dass Du einen Großteil des Textes aus Originalquellen übernommen hast.
Um nun besser zwischen bestehenden Definitionen und Deiner Sicht der Dinge unterscheiden zu können, möchte ich Dich bitten, die übernommenen Stellen doch als Zitate kenntlich zu machen.
Sonst müssen wir noch eine neue Diskussion über Bert Brecht und seine Einstellung zum geistigen Eigentum des geschriebenen Wortes beginnen. (@)
Vielen Dank ~0
1088273532]
Die Freiheit uns für den ein oder anderen Weg oder für die eine oder andere Sache zu entscheiden ist das , was uns von Pflanzen und Tieren unterscheidet. und zwar dadurch, dass wir mit einem -mehr oder weniger- freiem Willen ausgestattet sind . Du kannst heute sagen, dass Du deinen Kaffee mit Milch trinkst und morgen gänzlich drauf verzichten, wenn Du es für richtig hälst. Die Freiheit, heute dies oder jenes tun zu können, veranlasst heute viele sich nicht die Zeit zunehmen darüber nachzudenken, ob das begonnene Vorhaben auf gleichem Pfad nur mit anderer Schrittfolge weiterverfolgt werden könnte. Zauderer oder Menschen, die sich zu sehr auf die Urtelisfähigkeit andere verlassen, werden als schwach dargestellt. Die Politik ist dafür ein gutes Beispiel. Es werden Entwürfe erstellt und tagsdrauf wieder verworfen. Aber mit Lebensentwürfen, sofern man (frau) welche hat, wird in ähnlicher Weise verfahren. Aber scheinbar sind wir (Menschen) auch mit dem Überprüfen von Konzepten und Lebensentwürfen- und deren ständiger Überarbeitung- überfordert. Warum ich das so sehe, will ich im nächsten Abschnitt kurz erläutern.
Der Mensch ist, wie Sartre sagt, ‚zur Freiheit verdammt‘. Dies ist bisweilen schwierig, da sie ihren eigenen Weg frei wählen können, müssen sie auch das Risiko und die Verantwortung eingehen, Sie sind dazu gezwungen die Konsequenzen für ihre Entscheidungen zu treffen. Denke nur an die vielen, die wegen Überforderung hinten herunter falllen, weil sie diesem zur "Freiheit verdammt sein" nicht gewachsen sind. Es scheint paradox, aber im Moment dieser Überforderung haben sie sich scheinbar von der Freiheit des Handelns verabschiedet. Es folgt Resignation und Stagnation. Das "Kaffeebeispiel" verharmlost etwas die Dimension, in welchen Entscheidungsnotständen sich Menschen häufig befinden, weil ihnen nach Satre, Freiheit als Verdammnis vorkommt. Möglicherweise ist das der Grund, warum viele sich nicht an politischen Wahlen beteilligen, sich nicht für die ein oder andere Sache engagieren oder sich auch völlig zurück ziehen, weil ihnen die Geschwindigkeit, in der sich unsere Gesellschaft fortbewegt, einfach zu hoch erscheint. Andere hingegegen verpüren nahezu eine große Lust, dieser Geschwindigkeit nachzugeben, weil sie der Auffassung sind, nur so ihren unbedingten Willen nach Freiheit zu dokumentieren. Jemand der nach außen zum Ausdruck bringt: "Schaut her, ich bin frei, ich mache, wonach mir Sinn steht", hat ein größeres Ansehen als derjenige, von dem geglaubt wird, er/sie ist unfrei und fremdbestimmt.
Aber ich will hier nicht verhelen, dass "Freiheit" überwiegend positiv zu sehen ist. Nehmen wir, um noch mal das Forumsthema aufzugreifen, das Tanzen. Tanzen ist auch ein Stück Freiheit leben. Selbst wenn Schritte und Bewegungen einstudiert sind, bleibt dem Tänzer/der Tänzerin noch genügend Freiraum, diese Freiheit auszudrücken. Das ist durchaus positiv. Möglicherweise reagieren viele Menschen auch deshalb so extrem unterschiedlich, wenn sie tanzende Menschen beobachten. Einige verspotten sie, finden diesen Drang nach Bewegung albern. Haben diese Leute Angst, Freiheit zu leben? Andere hingegen finden nur Worte der Bewunderung. Sie genießen es, den Tänzerinnen und Tänzern zu zuschauen. Ist das nur Bewunderung vor der Leistung oder ebenso die Sehnsucht nach der absoluten Freiheit? Ulrike Fahlbusch, Tanztherapeutin aus Freiburg beschreibt das in ihrem Artikel “Tanzen Sie sich frei” erschienen in der Ausgabe Dez 00/ Jan 01 der Zeitschrift “ Bio ” so: "Mit Leib und Seele zu tanzen kann uns aus den Zwängen angelernter Muster und Gewohnheiten befreien. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir den aufrichtigen Wunsch und die Bereitschaft nach Veränderung mitbringen“.
1089373995]
Der Artikel 4 der "Erklärung der Menschenrechte" von 1971 drückt es so aus: "Die Freiheit besteht darin, alles tun zu können, was keinem anderen schadet."
Zu keiner anderen Zeit hat Wahlfreiheit des eigenen Handels so eine große Bedeutung gehabt wie es heute der Fall ist. Obgleich wir durrch die in Artikel 4 formulierte Einschränkung zahllosen Zwängen unterlegen sind, kann gleichzeitig behauptet werden, dass es kaum eine Zeit gab, wo der Einzelne/die Einzelne soviel Möglichkeiten hatte, sich frei zu entfalten. Aber es sind vielleicht auch die Zwänge, die Menschen fast manisch dazu drängt, ihre eigenen Freiheiten zu leben. Ohne über eigene aber auch die Kosequenzen für andere nachzudenken, die ihr handeln haben könnte.
Sehen wir uns die Werbung an oder auch die Angebote, die es im Internet zu finden gibt. Die Gesellschaft scheint uns geradezu aufzufordern, an uns selbst zu denken, dass zu tun, woran wir Spass haben. Konventionsbrüche werden gar belächelt und Menschen, die dabei auf der Strecke bleiben, bekommen ein wohlwollendes Betreuungsprogramm angeboten (sozial, psychisch, physisch).
Es gibt dafür zahlreiche Belege. Solche Tendenzen finden sich hauptsächlich im Berufsleben wieder. Politik wird heute nur noch danach bewertet, was sie dem Einzelnen/der Einzelnen bringen kann. Aber auch im privaten schaut der/die Schlaue, wie er/sie seine Belange durchsetzt. Wir halten dies auch für legitim. Ist es wahrscheinlich auch, schon vor dem Hintergrund, dass wir realistisch betrachtet, nur dieses eine Leben zur Verfügung haben. Das schreit eigentlich nach der Pflicht, dass beste für sich selbst daraus zu machen. Es schliesst ja nicht aus, dass man Teile seines Schaffens damit verbringt, Engagement, Verständnis oder gar Liebe, Zuneigung Freundschaft für andere aufzubringen. Aber es gibt eben nur ein hier und jetzt. Der - für mich- große Philosoph Søren Kirkegaard beschrieb das so "Das Gegenwärtige ist das Ewige, oder richtiger, das Ewige ist das Gegenwärtige,
und das Gegenwärtige ist das Erfüllte. "
1088527685]
Das gleichzeitige Bedürfnis nach Führung hindert unseren Drang Freiheit wirklich zu leben und entbindet uns scheinbar von unsere Pflicht für uns selbst Verantwortung zu übernehmen. Eine mögliche Verantwortung gegenüber anderen, spielt bei dieser Betrachtungsweise keine Rolle. Weil ich hier den Freiheitsbegriff nur als Größe definiere, die nur mit uns selbst zu tun hat, die wir nur für uns zu eigen machen. Und defacto haben wir ohnehin keine Verantwortung für den anderen. Darauf zu achten, dass ich dem anderen mit meinem Tun nicht Schade, ist lediglich der Hinweis darauf, dass ich bei meinem Vorhaben, den anderen zumindest im Augenwinkel haben sollte.
Aber wie aus diesem Zwiesplalt des geführt werdens und dem Drang nach unbedingter Freiheit herauskommen. Das ist, nach meiner Auffassung einer der größten Herausforderungen für die Menschen des 21. Jahrhunderts. Alles ist in den letzten Jahrhunderten erkämpft worden: Die Knetschaft wurde besiegt. Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Soziale Unterschiede werden nach gegebenen Möglichkeiten durch ein- zwar marodes- aber dennoch vorhandenes Sozialsystem ausgeglichen. Ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen geführt werden wollen und möglicher Weise auch müssen. Aristoteles drückt es anderes aus: "Zur Freiheit gehört es, abwechselnd zu regieren und regiert zu werden. " Er sieht darin also keinen Widerspruch, sondern ist der Auffassung, dass diese beiden Pole zusammen gehören. Um das zu widerlegen und auf die Bedingungen unserer Zeit hin zu überprüfen, müsste ich einen Ausflug in die Kommunikationswissenschaft wagen, die eindeutige Erkenntnisse darüber hat. dass diese Idealvorstellung von Aristotels mit unserer heutigen Form der Kommunikation, nur sehr schwer umzusetzen ist.
Bei schwierigen Entscheidungen suchen wir Rat, bei denen, von denen wir glauben, dass sie in der Lage sind, uns einen Teil der "Last" abzunehmen. Aber unsere Erziehung, unsere Kultur und alles , was an Freiheitswillen erkämpft wurde, stellt uns immer wieder vor die quälende Wahl: Unsere Freiheit zu leben, mit all den Fehlerquellen, die damit behaftet sein können oder dem Inneren Drängen des Geführt werdens nachzugeben.Dazu noch ein Zitat von Schopenhauer: "Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt."
Mit deinem Beispiel von Ursache und Wirkung beziehst Du dich auf Weber. Ich denke die Philosophie geht da ein Stück weiter als die Soziologie, was Weber in seinen Schriften ja auch zu belegen versucht. So zum Beispiel " Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus von 1905"
"Soziologie ist die Wissenschaft vom Sozialen. Sie dient der Erforschung des Zusammenlebens in Gemeinschaften und Gesellschaften...". "Philosophie heißt wörtlich aus dem Griechischen übersetzt: "Liebe zur Weisheit". (beide Deifinitionen Quelle: NetLexikon). Beides gehört sicher zusammen. Die Soziologie zeigt uns wie Gesellschaften gestrikt sind, aber die Philosophie deutet uns, wie die Menschen in ihr "ticken" und besonders warum sie so funktionieren.
Es ist einfach ein weites Feld, Philosophie, , aber auch Psychologie, Politik und Soziologie greifen ineinander. Aber es sind auch die Hauptbestandteile, die auf der einen Seite, eine Gesellschaft zusammenhalten - im großen wie im kleinen-, die aber auch den täglichen Kampf des Individuums bestimmen, ohne hier das Klagelied anzustimmen, dass wir uns alle in einem Haifischbecken bewegen.
1089376744]
will Dir nur eben mitteilen, dass ich im Augenblick sehr viel zu tun habe und daher noch nicht geantwortet habe. Sobald ich dazu komme, werde ich eine Antwort schreiben.
Das Thema kann man nicht in drei Minuten beantworten.
Gruß
Sobald ich dazu komme, werde ich eine Antwort schreiben.
Das Thema kann man nicht in drei Minuten beantworten.
Ich warte mit Spannung auf deine Antwort :( ): (@)
die Situation hat sich noch nicht geändert. Wenn ich einen anderen Beitrag hier schreibe, braucht das gerade mal zwei Minuten. Ich denke, dass ich für diesen Text etwa 'ne halbe Stunde brauche (wenn ich ihn ernst nehme und nicht einfach was hinschreibe, um etwas geschrieben zu haben).
In diesem Sinne...
1089374207]
Dein Text hat inzwischen Speicherplatz auf meiner Festplatte belegt. Hoffentlich benimmt er sich!
Vielleicht drucke ich ihn später aus und "genieße" die schwere Kost als Gute-Nacht-Lektüre #lesen# :D
1089380378]
Fortschritt:
Dein Text hat inzwischen Speicherplatz auf meiner Festplatte belegt. Hoffentlich benimmt er sich!
Das tut mir leid ~z~ , aber nach deiner kleinen Kritik, hab ich ich mir eben besonders viel Mühe gegeben #klsch# :D