Heute kam ich morgens früh zum Hof... heute wollte ich das letzte Mal meinen Zorro reiten. Er würde mir irgendwie fehlen, aber ich hoffe, dass ich wenigstens eines der beiden Fohlen aufnehmen kann, die bald kommen werden! Denn so habe ich immer noch ein Stück Zorro bei mir. Heute nahm ich mir Zorro vor. Ich holte ihn aus der box und ließ sanft die Kardätsche über seinen Körper fahren. Immer wieder. Er fehlte mir schon jetzt. Ich war mir unklar, ob ich das richtige getan hatte. Aber es gab kein zurück mehr! Der Kaufvertrag war aufgesetzt, es fehlte nur noch Minellis Unterschrift. Und dann würde mein dicker mich verlassen. Ich sattelte Zorro und legte ihm das Gebiss ins Maul. Dann streifte ich das Genickstück über seine Ohren und machte alle Riemen sorgfältig fest. Ich legte meine Kappe an und schwang mich auf Zorros Rücken. Weich fühlte ich mich in die Bewegung meines Hengstes ein. Wie er unter mir einher schritt, als ob er wüsste, dass es um etwas ging. Denn heute war unser letzter Tag. Es war ja nicht so, dass ich ihn nie mehr sehen würde, aber es ist schon was anderes. „Keine Traurigkeit jetzt!“, mahnte ich mich und trieb den Hengst in den Trab. Mit nach vorn gerecktem Hals trabte er einen weichen Trampelpfad entlang, der auf einen Feldweg mündete. Hier galoppierte er von allein an. Mit großen Sätzen sprang er vorwärts und ich ließ ihn laufen. Im leichten Sitz schwang ich mit und wie bescheuert jagten wir rum. Immer schneller trieb ich ihn, weit über den Hals gebeugt. Er kam zum Trab. Sein Hals war feucht, aber er prustete zufrieden. „Feiner Junge!“, ich klopfte ihn und schlang meine Arme um ihn. Da entdeckte ich ein Schild: „Gestüt Steinhof!“ „Cool!“, dachte ich und lenkte auf den Pfad. Das war das Gestüt wo die beiden Stuten standen, welche die Früchte meines Zorros in sich trugen, und war das nicht auch der Hof, von dem Sim kam? „Ja“, dachte ich, „genau der!“ Ich konnte mich noch allzu gut daran erinnern, wie Sim neulich mit mir einen trinken gewesen war. Er war nett und lustig, das konnte ich jetzt brauchen! Und wie er Punkt acht auf dem Hof gestanden war, um ja nicht zu spät zu kommen. Er war schon lustig. Im Trab folgte ich den Wegweisern bis ich an ein weißes Fachwerkhaus kam. Es war neu gebaut, aber im alten, deutsch-traditionellen Stil. Ich fand es lustig. In großen braunen Buchstaben war Gestüt Steinhof auf die Hausfront geschrieben. Zorro reckte sich. Es roch gut hier. Nach Stuten. Er flehmte und blubberte. „Ja Dicker, das ist ein richtiges El Dorado für dich!“, lachte ich und glitt von seinem Rücken. Auf einmal hörte ich Schreie aus einem der Ställe. „Markus, ein Tierarzt, schnell ein Tierarzt, es kommt schon wieder eins!“ Ich schlang die Zügel meines Hengstes um einen Baum und rannte in den Stall. In der weit aufgerissenen Boxentür stand ein Mann um die vierzig. Er guckte ein bisschen geschockt. „Ich glaube es kommt nicht raus, es kommt nicht raus!“, schrie er. Ich erkannte eine etwas füllige Fuchsponystute, die auf dem Boden lag und ich erkannte, dass es Maya war. Aus ihrer Geburtsöffnung schauten schon zwei kleine Hufe heraus. Ich war genau zur rechten Zeit gekommen. Das Baby war da! Beziehungsweise würde es bald da sein! Ich lachte. „Kene Sorge, es kommt schon von allein raus!“ ich klopfte dem Mann auf die Schulter. „wer sind sie?“, er guckte mich komisch an! „Ich bin die Mutter des Fohlens, nein, eher gesagt ist mein Hengst der Vater!“, sagte ich und fügte hinzu, „Ich dachte Silver wäre vor Maya dran!“ „Jaja keuchte er... die war gestern an der Reihe, ein kleines freches hat sie geboren! Ach ja, darf ich mich vorstellen, Steinhof mein Name, ich bin der Leiter des Ferienbetriebs!“, und dann schrie er in die stallgasse, „Mark, Sim, Beeilung !!!“ Nervös wischte Herr Steinhof sich den Schweiß von der Strin. „Das macht mich so hibbelig“, fuhr er an mich gewandt fort! Ich konnte es nicht mit ansehen. Ich holte einen Strick knotete ihn um die Vorderhufe des kleinen Ponyfohlens und zog gemeinsam mit Steinhof bis das kleine im Stroh lag. Endlich kam auch der Tierarzt und untersuchte es. Ich jedoch schwang mich wieder auf Zorro und ritt heim, das war wenigstens ein schönes letztes Erlebnis gewesen. Ich war kaum 5 Minuten vom Hof weg, als ich Hufgetrappel hörte. Sim kam auf einem muskülösen braunen Wallach an und stellte sich vor mich. „wann“, keuchte er, „sehe ich dich wieder?“ „Komm heute Abend vorbei!“, lachte ich und schon war ich wieder weg. Er stand verblüfft in meiner Staubwolke. Als ich ihn fertig abgesattelt und wieder in Bandagen gepackt hatte bekam er ein großes Abschiedsmash und viele Möhrchen, dann durfte er auf die Koppel.
Reka