VfB holt "Wunschkandidaten"
"Es ging alles sehr schnell in den letzten Tagen. Ich werde versuchen, die sehr gute Arbeit von Magath in Stuttgart fortzusetzen. Die Perspektive ist mit einem jungen und hungrigen Team mit älteren Leitwölfen gegeben", erklärte Sammer, nachdem er sich einen Tag zuvor mit Dortmund auf eine vorzeitige Auflösung des bis 2006 datierten Kontraktes geeinigt hatte.
Erleichtert zeigte sich nach dem erfolgreichen Abschluss der erst Montagfrüh beendeten Verhandlungen mit seinem "Wunschkandidaten" auch VfB-Präsident Erwin Staudt. "Wir wollten für einen besonderen Verein einen besonderen Trainer, der den Verein, die Liga und den europäischen Fußball kennt. Die jungen Wilden sollen ausgebaut werden", betonte Staudt, der sich auf der Suche nach einem Magath-Nachfolger unter anderem Rat bei DFB-Teamchef Rudi Völler geholt hatte.
Finanzielle Abstriche
Nachdem Sammer in Dortmund bislang knapp drei Millionen Euro pro Jahr verdient hat, wird er bei seinem neuen Arbeitgeber allerdings große finanzielle Abstriche machen müssen. "Aber Geld spielt im Leben nicht immer eine Rolle. Auch beim BVB habe ich mich bereit erklärt, künftig auf 40 Prozent meines Gehaltes zu verzichten", erläuterte der 51-malige Nationalspieler.
Im Gegensatz zu Magath wird Sammer, der zwischen 1990 und 1992 in 63 Partien für den VfB 20 Tore erzielte und dessen Ehefrau aus Schwaben stammt, in Stuttgart allerdings nicht als Teammanager fungieren, sondern sich auf die sportlichen Belange konzentrieren. Für die künftigen Manager-Aufgaben sind Jochen Schneider, Assistent der Geschäftsleitung, sowie "Scout" Herbert Triem vorgesehen. Staudt: "Mit diesen beiden erfahrenen Mitarbeitern können wir beste Klasse in Deutschland aufbieten."
Auch Völler erfreut
Auch Völler zeigte sich erfreut über das Engagement seines "Kumpels" Sammer. "Matthias hat einen Verein gefunden, mit dem er weiter erfolgreich arbeiten kann. Es ist vor allen Dingen positiv für die jungen Stuttgarter Nationalspieler. Ich werde mit ihm weiter eng zusammenarbeiten", kündigte Völler an, nachdem er am Sonntag noch lange mit Sammer telefoniert hatte.
An gute Voraussetzungen für den "Roten Baron" glaubt darüber hinaus VfB-Profi und Nationalspieler Andreas Hinkel: "Er kennt das Umfeld und die Strukturen des Klubs und ist ehrgeizig wie wir. Wir können mit Sammer große Erfolge haben", erklärte Hinkel am Rande des EM-Trainingslagers der DFB-Auswahl in Winden.
Anfang vom Ende in Stuttgart
Ausgerechnet in Stuttgart hatte für Sammer am 20. September letzten Jahres der Anfang vom Ende begonnen, als die BVB-Fans nach der 0:1-Pleite beim VfB - dem elften Auswärtsspiel ohne Sieg - auf die Barrikaden gingen und auch den Coach verbal angriffen. Die triste Saison endete vor einer Woche mit dem Verpassen des UEFA-Cups und der Ankündigung einer genauen Analyse.
Das Ergebnis: Am Pfingstsonntag ging die "Ära Sammer" bei Borussia Dortmund nach vier Jahren vorzeitig zu Ende. "Wir sind gemeinsam und einvernehmlich zu der Meinung gelangt, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt die beste Lösung ist", meinte Präsident Dr. Niebaum, während BVB-Manager Michael Meier betonte: "Aufgrund des medialen Drucks war eine Entscheidung fällig."
Van Marwijk Favorit auf BVB-Job
Auch Teile der Mannschaft bedauerten die Entscheidung, "aber der Druck auf Sammer ist immer mehr gewachsen", sagte Nationalspieler Sebastian Kehl. Der Coach soll auf die Bezüge seines noch zwei Jahre lang laufenden Vertrages verzichtet haben. Sammer: "Ich denke, dass eine Veränderung zu neuer Aufbruchstimmung führen wird und dass der Verein wieder in ruhigeres sportliches Fahrwasser gelangt."
Bereits in dieser Woche wollen die Dortmunder einen Nachfolger vorstellen. Heißester Anwärter auf den Trainerjob ist der 52 Jahre alte Niederländer Bert van Marwijk, dessen Vertrag bei Feyenoord Rotterdam zum Saisonende ausläuft. Van Marwijk hat bereits Gespräche mit der BVB-Führung geführt.