Der Horizont verschwindet im flimmernden Chaos der brennenden Luft. Eine Hölle aus Sand und Staub erstreckt sich soweit das Auge sehen kann. Hier gibt es kein Leben mehr, die grausame Königin des Himmels hat alles Leben gefressen. Der Wüstenwind pflügt, gleich einer feurigen Walze, durch den Sand und legt die Gebeine der Geschöpfe frei, die sich hierher verirrten.
Doch liegt ganz tief im Sand versteckt ein Samen. Geduldig wartet er, verharrt in seiner Trostlosigkeit träumend vom Tag an dem er erwacht. Ein viertel Jahrhundert vergeht bis die Erlösung naht. Erste Wolken werfen ihren Schatten auf das verödete Land unter ihnen. Der Himmel verdunkelt sich, schwarz wie die Nacht wirft das Firmament einen schützenden Mantel über die Wüste. Regentropfen fallen hinab und umschlingen die Schale des Samens. Gierig saugt er das Leben in sich, quillt auf und sprengt sein Gefängnis. Voller Hoffnung und Liebe erblickt der Spross die Welt. Das dunkle Band aus Wolken bricht auseinander, erste Sonnenstrahlen kehren zurück und nähren den Keim mit ihrer Energie. Unschuldig und rein streckt er seine Blätter der Sonne entgegen, betet sie an, will sie berühren. Doch der gleißende Feuerball am Himmel ist so fern. Still und leise entfaltet die Sehnsucht ihre Blüte. Aber die Schönheit des Lebens bleibt vom ewigen Feuer unbemerkt. Die Kräfte beginnen zu schwinden, das letzte Wasser ist längst verbraucht und mit bereits welkenden Blättern bildet sich ein Tropfen süßen Nektars der die Sonnenstrahlen bricht. War alles nur Trug, nur fader Schein? Der Wüstenwind verweht den letzten Lebenshauch. Ein verdorrter Leib bleibt zurück, die Sonne ermahnend, dass dort wo kein Leben mehr ist auch nichts bleibt das sie liebt.
Es ist Sommer, die Luft schon ganz klebrig vom blumigen Duft. Im Glanze der Sonne hängen Früchte an Bäumen und reifen unter deren Strahlen heran. Süß und saftig ist ihr Fleisch. Betörend wiegen sie sich im warmen Sommerwind. Oh, welch' Versuchung sie zu pflücken, hinein zu beißen und sie zu verschlingen. Doch unter der schimmernden Haut liegt ein Herd der Fäulnis. Längst schon laben sich Maden am Mark und füllen es mit ihrem Kot.
Nun, sieh dort drüben, am Aste des Baumes hängt eine Nuß. Unscheinbar, im dichten Blätterwerk verborgen. Hart und unnachgiebig ist ihre Schale. Sie zu erreichen und zu öffnen ist eine Herausforderung, ein Wagnis. Im Innern ein reiner und kräftiger Kern. Köstlich und nahrhaft ohne Zweifel.
Siehst du die Vögel? Von ihren Trieben geleitet lechtzen sie nach dem gärenden Obst um sich daran die Mägen zu verderben. Lässt du dich von Vernunft leiten? Komm beiß dir die Zähne aus!
Ich bin ein sanfter Hauch
auf deinen Lippen, der ein Verlangen in dir weckt.
Ich bin ein brausender Luftzug,
der durch dein schwarzes Haar weht und es im Mondlicht erstrahlen lässt.
Ich bin ein heißer Sommerwind,
der dich umschlingt und dir den Schweiß aus jeder Pore treibt.
Ich bin ein eisiger Schneesturm
auf deinem Rücken, der dich bei jeder Berührung erzittern lässt.
Ich bin ein gieriger Orkan
zwischen deinen Schenkeln, der deinen Geist verwüstet und dich erbeben lässt.
Ich bin ein gewaltiger Tornado
in deiner Brust, der dich mit sich reißt und nie mehr loslässt.
Ich bin nur Luft
für dich, denn ich kann nicht bei dir sein.