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Bass - 17.03.2004 - 08:58

Alles um die Roten:

Quelle: HAZ 17.03.04

Lienen setzt auf Ziegler

Torwartwechsel ist bei Hannover 96 kein Thema.

Hannover. Trainiert hat Marc Ziegler am Dienstag nicht – eine Magen-Darm-Grippe zwang den 27-Jährigen zu einer unvorhergesehenen Pause. Trotzdem hat er einen kleinen Sieg davongetragen, und zwar in der Torwartdiskussion bei Hannover 96, die nach der ärgerlichen 0:1-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern losgetreten worden war. „Ein Torwartwechsel ist für mich kein Thema“, erklärte Trainer Ewald Lienen. Was nichts anderes bedeutet als dies: Sollte Ziegler rechtzeitig fit sein, wird er am Sonnabend im Punktspiel bei Schalke 04 zwischen den Pfosten stehen; Gerhard Tremmel muss sich weiter mit dem Platz auf der Bank abfinden.

Ins Rollen gekommen war der Ball durch die Art und Weise, wie der Treffer gegen Kaiserslautern zu Stande gekommen war. Unstrittig ist, dass Ziegler dabei keine gute Figur machte. Für Dieter Schatzschneider – der frühere 96-Mittelstürmer präsentiert sich als Kolumnist der „Bild“-Zeitung seit geraumer Zeit gern als Mann fürs Grobe – eine willkommene Vorlage. „Ziegler und Tremmel sind beide gute Ersatz-Torhüter. Aber leider muss einer spielen“, urteilte er.

Als hätte 96 nicht genug Sorgen: Dass Lienen das Thema vom Tisch gewischt hat, ist in der jetzigen Situation beim Tabellen-16. das einzig Vernünftige. „Ich halte nichts davon, Fehler zu individualisieren“, sagte er, „das bringt uns nicht weiter.“ Klare Worte gab es in Bezug auf Nebojsa Krupnikovic (zuletzt auf der Bank) und Thomas Brdaric (gegen den FCK eingewechselt). „Jeder muss sich im Training zeigen“, sagte Lienen. „Es geht nicht um einzelne Spieler, sondern um 96.“

Bass - 17.03.2004 - 11:24

Neue Presse
17.03.2004

Die 96-Stürmer unter Beschuss

Ex-Angreifer Lienen nimmt sich Idrissou vor

Die 96-Stürmer unter Beschuss – Trainer Ewald Lienen will die Torfabrik wieder in Schwung bringen.

VON ANDREAS WILLEKE

HANNOVER. Die Quote war miserabel. In den letzten beiden Spielen arbeitete die einst so zuverlässige Sturmabteilung nicht mehr effektiv. Null Tore in Gladbach und gegen Lautern, obwohl doch 96 am vergangenen Sonnabend „acht hätte machen können“, wie Ewald Lienen meinte. Der neue 96-Trainer will die nun stillgelegte Torfabrik schnell wieder in Schwung bringen. Lienen scheint dazu besonders geeignet, der frühere Stürmer schoss in seiner Karriere 49 Tore in der ersten und 27 in der zweiten Liga.
Er weiß also, wie es geht, und das zeigt er auch. Als Daniel Haas einen Lienen-Schuss aus dem Tordreieck faustete und 100 Trainingskiebitze daraufhin klatschten, scherzte der 50-Jährige: „Meint ihr meinen Schuss oder etwa den Torwart?“ Natürlich meinten sie Lienen, der seine Kompetenz so mal eben im Vorbeischießen bewies.
Der neue Chef begann dann mit intensiver Mitarbeiterschulung. Die Stürmer standen gestern unter Beschuss. Sie bekamen zu spüren – die Zeit des Disko-Trainings ist vorbei: Ein bisschen herumtänzeln und schauen, was so passiert – das geht nicht mehr. Lienen verlangt auch beim Üben „volle Konzentration“.
„Es kann nicht sein, dass man das leere Tor nicht trifft und dann einfach abdreht, als sei nichts gewesen“, schimpfte der Fußballlehrer. Beim Flanken- und Torschusstraining fiel der wenig treffsichere Mo Idrissou auf, aber auch Thomas Brdaric und Stanko Svitlica hatten eine miese Torquote. Wäre Idrissou ein Biathlet und hätte sich so viele Fehlversuche auf die Scheibe wie aufs Tor geleistet, dann müsste er noch morgen Nacht Strafrunden drehen.
Dabei hätte ihn der Coach gern öfter gelobt: „Gut Mo, endlich machst du mal wieder ein Tooor.“ Lienen steigerte dabei seine Stimme von Wort zu Wort. Auf den Tor-Höhepunkt musste Idrissou aber nicht nur im Training länger verzichten. Seinen letzten Treffer erzielte der 24-Jährige vor fünf Monaten gegen 1860. Drei Tore machte er in dieser Saison – in der letzten waren es neun.
Auch Ex-Linksaußen Lienen wird aber aus Idrissou keinen Ailton mehr machen können. Nach etlichen Fehlschüssen war vor allem der Pädagoge gefragt: „Los, Mo, jetzt mal ein sauberer Pass und dann ein vernünftiges Tor“, forderte Lienen zum Trainingsabschluss.
Doch obwohl Idrissou freie Bahn und keinen Abwehrspieler vor sich hatte, traf er erst bei der dritten Wiederholung. Wenn das so weitergeht, wird sich Lienen wohl doch noch selbst einwechseln müssen.


Bass - 18.03.2004 - 09:54


Neue Presse
18.03.2004

Lienen beordert Kleber nach vorne

HANNOVER. Es wird eng am Wochenende im 96-Kader. Zum Spiel bei Schalke wird wohl zumindest einer der Profis, die gegen Lautern dabei waren, gar nicht erst mitfahren. „Es wird immer den einen oder anderen Etablierten treffen“, warnt Ewald Lienen.

Für den 96-Trainer ist Rückkehrer Kleber nach drei Spielen Sperre „natürlich ein Thema“, er lobte den Brasilianer wiederholt beim Training. Kleber also wird einen 96-Spieler, möglicherweise Nebojsa Krupnikovic, aus dem Kader verdrängen. Dass er auf Anhieb den Sprung zurück in die Mannschaft schafft, ist allerdings nicht zu erwarten. „Wir haben auf seiner Position links ja ordentliche Leute“, gibt Lienen zu bedenken – und nennt Mo Idrissou als Konkurrenten.

Dass Kleber nun in den Wettstreit mit einem Flügelstürmer treten muss, überrascht nur vordergründig. Lienens Vorgänger Rangnick hatte ihn trotz eklatanter Schwächen im Defensivverhalten immer wieder als linken Außenverteidiger eingesetzt. Beim letzten Einsatz in Rostock (1:3) war Kleber an der Entwicklung von zwei Gegentoren beteiligt, sein folgender Faustschlag gegen Rene Rydlewicz war aus dem Frust geboren.

Fortan aber soll der Nationalspieler mehr seine kreativen Fähigkeiten ins Spiel bringen. Lienen sieht Kleber „eher im Offensiv-Bereich, weil er dort stärker zur Geltung kommt“. Schade, dass erst Lienen zu dieser Einsicht kommt. GN


Bass - 19.03.2004 - 12:26

Neue Presse

NP: Krupi darf es nicht noch einmal machen

19.03.2004

Morgen wieder kein Platz für ihn im 96-Team. Dabei hat er Schalke doch in so zauberhafter Erinnerung.

Der Fall Krupnikovic: Letzte Saison jubelte er auf Schalke über sein 1:0, morgen sitzt er dort vielleicht noch nicht einmal mehr auf der Bank.

VON SVEN HOLLE

HANNOVER. Hassliebe wäre vielleicht ein wenig tief aus dem Emotionstopf – aber es war auf jeden Fall ein besonderes Verhältnis, das Ralf Rangnick und Nebojsa Krupnikovic über fast drei Jahre bei 96 pflegten. „Ein Spielertyp, der vom Aussterben bedroht ist“, sagte der Trainer gerne über den Spieler. Aber auch wenn Rangnick die Overath-ähnliche Zweikampfscheu seines „Quarterbacks“ oft ärgerte, so fand er doch eigentlich immer ein Reservat für ihn. Krupnikovic war gesetzt im 96-System.
Und der Serbe zahlte zurück: Fünf Tore, acht Vorlagen – insbesondere seine beiden Zauberfreistöße bei den 96-Siegen gegen Kaiserslautern (29. Spieltag) und auf Schalke (32. Spieltag) waren mitentscheidend für den Klassenerhalt in der vergangenen Saison. Aber Rangnick ist 96-Geschichte, und so verhält es sich auch mit dem Artenschutz für den Aufstiegsspieler. Bei Ewald Lienens Suche nach der „Balance“ zwischen aggressiver Defensive und kreativer Offensive scheint Krupnikovic kein Lösungsansatz.
90 Minuten Bank gegen Lautern, kein A-Team-Leibchen im Training: „Im Moment bin ich raus aus der Mannschaft“, hat Krupnikovic registriert. Dabei hält sich der Feinfuß durchaus für abstiegskampfgeeignet: „Bei heißen Spielen war ich immer gut.“
Lienens Argument dagegen ist recht simpel: „Wir haben viele gute Offensivspieler, da kann ich nicht alle auf den Platz stellen.“ Dem neuen Trainer ist zwar „nicht verborgen geblieben, dass wir gegen Lautern ein bisschen zu wenig Kreativität hatten“. Aber Abhilfe schaffen soll eher Jaime. Den Spanier wechselte Lienen gegen Lautern ein, der Spanier trainierte gestern unter Lienens Aufsicht die Krupi-Spezialität – Freistöße. Es wird also wohl keine Wiederholung des magischen Schalke-Moments geben. Im Gegenteil: Sollte Lienen Wladimir But („ein fantastisches Talent“) den Vorzug geben, könnte Krupnikovic sogar von der Bank fliegen.
Der sensible Serbe (Vertrag bis 2005) ahnt sein 96-Aussterben: „Ich habe keine Lust, ein Jahr auf der Bank zu sitzen. Dann bin ich weg.“ Dabei hängt sein Herz an Hannover: „Ich will helfen. Aber das kann ich nur, wenn ich spiele.“


Bass - 21.03.2004 - 10:47

Neue Presse
2:2 auf Schalke: Da war mehr drin

Erster Punkt unter dem neuen Trainer Ewald Lienen: Nach vier Niederlagen in Folge holt 96 auf Schalke mal wieder einen Punkt. Thomas Brdaric traf zwei Mal. In der 90. Minute wurde Thomas Christiansen ein klarer Elfmeter verwehrt.

Hannover 96 hat seinen Abwärtstrend in der Fußball-Bundesliga gestoppt, doch der neue Trainer Ewald Lienen wartet nach zwei Spielen weiter auf den ersten Sieg mit den Niedersachsen.

Vor 61 266 Zuschauern brachte Thomas Brdaric Hannover 96 beim FC Schalke 04 zwei Mal in Führung (14./71.), dennoch reichte es nicht zum ersten Sieg nach sechs erfolglosen Spielen.

Ein Eigentor von Per Mertesacker (64.) sowie Ebbe Sand (84.) bescherten den „Königsblauen” beim 2:2 (0:1) am Samstag einen glücklichen Punktgewinn. Hannover bot eine überzeugende Leistung, während UEFA- Cup-Aspirant Schalke vor eigenem Publikum erneut einen kleinen Rückschlag erlitt.

Schalkes Trainer Jupp Heynckes vertraute im wesentlichen der Elf, die vor einer Woche 0:3 in Frankfurt verloren hatte. Lediglich Sergio Pinto kam für Tomasz Hajto. Bei den Niedersachsen gab es zwei Veränderungen.

Für Julian de Guzman und Thomas Christiansen erhielten der Spanier Jaime und Thomas Brdaric eine Chance von Beginn an.

Die Hereinnahme des Ex-Leverkuseners Brdaric machte sich bereits nach knapp einer Viertelstunde bezahlt, als er Hannover nach einem schönen Pass von Clint Mathis mit einem Flachschuss an den rechten Innenpfosten in Führung brachte.

Bis dahin hatten die „Königsblauen” wenig zu Stande gebracht, weil sie im Spielaufbau zu behäbig agierten. Lediglich Ebbe Sand hatte nach elf Minuten eine gute Tormöglichkeit, doch sein Kopfball nach einem Pass von Edi Glieder ging knapp neben das Tor.

Die Hannoveraner boten in der ersten Spielhälfte den technisch besseren Fußball und starteten einige gefährliche Konter aus einer gut gestaffelten Defensive. Schalke dagegen wirkte weitgehend ideen- und mutlos.

Dennoch hatte der Gastgeber durch einen Pfostenschuss von Pinto (31.) noch eine sehr gute Möglichkeit zum Ausgleich. Nur fünf Minuten später war Sand nach einer abgefälschten Hereingabe von Pinto zu überrascht, um daraus Kapital zu schlagen.

Nach dem Wechsel begann Schalke mit mehr Schwung, ohne jedoch spielerisch überzeugen zu können. Immerhin ergab sich eine Möglichkeit des stärker werdenden Jörg Böhme (57.), dessen Schussversuch fast von der Außenlinie jedoch das Tor knapp verfehlte.

Drei Minuten später bewahrte Schalkes Keeper Volkan Ünlü sein Team bei einem gefährlichen Freistoß des überragenden Mathis vor einem höheren Rückstand.

Nationalspieler Böhme war es dann, der den überraschenden Ausgleich der Gastgeber einleitete. Mit einer scharfen Hereingabe zwang er Per Mertesacker zum Eigentor.

Doch die Gäste, die zuletzt vor über 30 Jahren in Gelsenkirchen verloren hatten, zeigten sich keineswegs geschockt und kamen durch Brdaric‘ siebten Saisontreffer zur erneuten Führung. Ebbe Sand verhinderte sechs Minuten vor dem Abpfiff die dritte Schalker Heimpleite in dieser Saison. In der 88. Minute musste Mo Idrissou nach Foulspiel mit einer gelb-roten Karte vom Platz.

Pech hatte 96 in der letzten Minute, als Schiedsrichter Fandel ein klares Foul an Thomas Christiansen im Schalker Strafraum nicht ahndete. Ein Sieg für 96 wäre nicht unverdient gewesen.

Schalke: Ünlü - Lamotte, Kläsener, van Kerckhoven, Rodriguez (65. Seitz) - Pinto, Altintop, Vermant, Böhme (79. Hanke) - Sand, Glieder (65. Agali)

Hannover: Ziegler - Cherundolo, Zuraw, Mertesacker, Schuler - Lala (86. Kleber), Dabrowski - Jaime (75. de Guzman), Mathis, Idrissou - Brdaric (86. Christiansen)

Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)

Tore: 0:1 Brdaric (14.), 1:1 Mertesacker (63., Eigentor), 1:2 Brdaric (71.), 2:2 Sand (84.)

Zuschauer: 61.266 (ausverkauft)

Beste Spieler: Glieder - Brdaric, Lala, Jaime

Rote Karten: keine

Gelb-Rote Karte: Idrissou wegen wiederholten Foulspiels (88.)

Gelbe Karten: Rodriguez (5), Sand (3), Pinto (2) - Brdaric (5/1), Zuraw (3)


Bass - 22.03.2004 - 11:43

HAZ

HAZ: Ein Doppelpack mit stoischer Ruhe

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Ein Doppelpack mit stoischer Ruhe

Thomas Brdaric nimmt sich viel vor und setzt alles um.

Von Jörg Grußendorf

Gelsenkirchen. Er hat die passende Antwort gegeben. Er hat die Torflaute beendet und mit zwei triftigen Argumenten alle Kritiker zum Schweigen gebracht. Zumindest vorerst. Von einem Sturmproblem bei Hannover 96 wollte plötzlich niemand mehr etwas wissen. Thomas Brdaric ist in der Arena „Auf Schalke“ beherzt aufgetreten wie selten, vielleicht sogar wie noch nie im Trikot der „Roten“. Seine tolle Leistung beim 2:2 hat er dann auch noch selbst belohnt. Mit zwei blitzsauberen Toren. „Schade, dass es dennoch nicht zum Sieg gereicht hat“, sagte Brdaric.
Er freute sich dennoch spitzbübisch über seinen ersten Doppelpack für 96. Davon konnte ihn auch eine schmerzhafte Oberschenkelverletzung, die mit einer Spritze behandelt werden musste, nicht abhalten. Besonders die Art und Weise, wie er jeweils die Führung herausgeschossen hatte, bereitete ihm sichtlich Spaß. Routiniert, mit einer nicht vermuteten stoischen Ruhe. „Ich wollte abgebrühter, abgeklärter sein. Das hatte ich mir fest vorgenommen“, sagte er.
So etwas nehmen sich Woche für Woche alle Stürmer vor, es auch umzusetzen, das gelingt nur den wenigsten. Brdaric erklärte in seiner ihm eigenen Art, warum es gerade ihm gelungen ist. „Ich bin ein erfahrener Spieler“, sagte er, „irgendwann einmal checkt man es. Wenn nicht, dann sollte man die Stiefel an den Nagel hängen.“ So ganz oft scheint er sich die Abgeklärtheit noch nicht vorgenommen zu haben, oder er hatte es nur noch nicht gecheckt. Denn diese Sicherheit wie am Sonnabend, die hat ihm oft genug gefehlt. Da wirkte er eher zappelig und unentschlossen – siehe seine Chancen gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Vorwoche.
Das gestand Brdaric auch freimütig ein. „Ich hatte in den letzten Wochen sehr viel Pech. Ich habe Latte und Pfosten getroffen, aber eben nicht ins Tor“, sagte er. Und legte gleich noch einmal einen Satz nach, um ein wenig Werbung in eigener Sache zu machen: „Ich habe mir in den Spielen vieles auch sehr hart erarbeiten müssen.“
Darum hatte es ihm auch überhaupt nicht gefallen, dass der neue 96-Trainer Ewald Lienen ihn vor Wochenfrist gegen Kaiserslautern lange nur auf der Ersatzbank schmoren und stattdessen Thomas Christiansen angreifen ließ. Weil er ihn für den besseren Konterstürmer hält, hatte der 50-jährige Coach diesmal auf Brdaric gesetzt. Eine Maßnahme, die Lienen nach dem Auftritt der Leihgabe aus Leverkusen große Anerkennung (nach dem Motto: „Der Trainer hat alles richtig gemacht“) einbrachte .
Nicht aber die ungeteilte Zustimmung Brdaric’. „Herr Lienen ist knapp zwei Wochen bei uns und hat in dieser Zeit Eindrücke gesammelt. Anfangs war ich verletzt, konnte nicht das zeigen, was ich kann“, sagte er. „Jetzt weiß er, dass ich ein Mannschaftsspieler bin, der vorne spielen kann.“ Das Wort „muss“ hatte er schon auf der Zunge, schluckte es aber wieder herunter.
Ihm gelang es, auch beim folgenden Satz im letzten Moment noch einmal die Kurve zu bekommen. „Man hat heute gesehen, dass es auch ohne Christiansen passt“, meinte er, merkte plötzlich, was er gesagt hatte, stockte und führte nach längerem Überlegen an: „Natürlich kann es auch mit dem Thomas Christiansen passen. Es muss doch nicht heißen: Christiansen oder Brdaric, wir können doch auch beide spielen.“
Es ist möglich, dass sich Lienen schon am kommenden Sonnabend gegen Borussia Dortmund auf dieses Stürmerduo festlegt. Denn mit nur einem Stürmer wie „Auf Schalke“ wird der 96-Trainer kaum in ein derart wichtiges Heimspiel gehen. Wenn doch, ist es Brdaric auch egal. Zumindest dann, wenn der Stürmer wieder Brdaric heißt.


Bass - 23.03.2004 - 07:14

HAZ
Mathis immer mehr der Chef

Der Amerikaner ist nicht nur stark, wenn er Tore schießt.

Hannover. Nun ist es nicht so, dass man sich deshalb gleich in die Wolle kriegt. Aber so richtig gefallen hat es Jaime nicht, dass ihm da einer zweimal den Ball vor der Nase wegschnappte, um die Freistöße zu schießen. Ausgerechnet am 31. Geburtstag des Spaniers. Passiert ist das Ganze am Sonnabend beim 2:2 zwischen Schalke 04 und Hannover 96. Der da so frech war, sich die Kugel zu schnappen, heißt Clint Mathis. Und das war kein Zufall und keine böse Absicht: Der Amerikaner, in der Winterpause verpflichtet, schickt sich an, die Chefrolle für all das auszufüllen, was bei 96 im Spiel nach vorn passiert.

Kaum eine Standardsituation „Auf Schalke“ ohne sein Zutun, außerdem die (diesmal wenig genutzte) Fähigkeit, mit einer überraschenden Aktion selbst torgefährlich zu werden: Hier spielte jemand, der Verantwortung sucht und übernimmt. Wie weggewischt schien der Lapsus aus dem Auswärtsspiel in Mönchengladbach, als Mathis eine kurz gespielte Ecke über die Grundlinie ins Aus beförderte und er die Lacher auf seiner Seite hatte, als er am liebsten in der Erde versunken wäre.

Diesmal hatte der Amerikaner seine nachdrücklichste Szene, als er den Führungstreffer von Thomas Brdaric zum 1:0 mit einem präzisen Pass in die Wege leitete. Ansonsten agierte er unspektakulär, doch alles andere als unauffällig. Was der 27-Jährige macht, der ein Freund des direkten Spiels ist, hat Hand und Fuß. „So einer hat uns gefehlt“, sagt Steve Cherundolo, Landsmann und Kamerad von Mathis in der Nationalelf.

Beide sind zudem befreundet, und die Anwesenheit von Mathis auf dem Platz scheint Cherundolo besonders gut zu tun. Auffällig ist, dass der in der Hinrunde oft gescholtene Außenverteidiger aus dem Formtief herausgekommen ist, seit Mathis im Mittelfeld das Kommando hat. „Es funktioniert“, sagt Cherundolo, und Mathis darf sich bestätigt fühlen. „Meine Stärken sind Schnelligkeit und gute Pässe“, hatte er bei seinem Dienstantritt gesagt. Nach acht Spielen stehen für ihn vier Treffer zu Buche, dazu zwei Torvorlagen – eine gute, aber noch ausbaufähige Zwischenbilanz. Gerade weil jetzt im Abstiegskampf Siege gefragt sind.

Dass Mathis Fußball spielen kann, war bei seiner Verpflichtung kein Geheimnis. Dass er es nach wenigen Wochen geschafft hat, einer der Wortführer zu sein, obwohl er die deutsche Sprache nur brockenweise kennt, ist dagegen schon eine Überraschung. „Er ist akzeptiert im Team“, sagt Managerassistent Carsten Linke, „er lobt, er kritisiert. Und er ist gut drauf.“

Mathis kam im Januar nach Hannover, um die 1. Liga kennen zu lernen. Die Einseitigkeit dieser Beziehung geht mehr und mehr verloren. Und das liegt nicht unbedingt an der wechselnden Bartmode des Amerikaners, die ins Auge fällt: mal glatt rasiert, mal mit Vollbart, mal mit Koteletten wie von anno dunnemals. Mathis, immer für Überraschungen gut, macht lieber auf andere Weise auf sich aufmerksam.


Bass - 23.03.2004 - 07:15

Neue Presse
NP: Optimismus: Hannover glaubt wieder an 96

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Der Stimmungsumschwung ist 96 gelungen, das spürt auch Carsten Linke. Wenn der Assistent des Sportdirektors „in der Stadt angesprochen” wird, dann „glauben viele wieder daran, dass wir es schaffen.”

Der Klubchef hat die Wende bereits ausgerufen. „Der Turnaround ist geschafft”, sagt Martin Kind. Er bleibt Optimist: „Verglichen mit den Vereinen, die auch da unten stehen, haben wir eine der besten Mannschaften.”

Allerdings lässt sich die Wende noch nicht in der Tabelle ablesen, 96 steht auf einem Abstiegsplatz. „Gut für uns ist aber, dass andere auch schwächeln”, meint Kind.
So dürfte Köln als erster Absteiger feststehen. Hertha BSC kommt zwar nicht unten raus, hat aber das größte Potenzial. Frankfurt, das durch das Theater um Trainer Willi Reimann zusätzlich geschwächt wird, die Münchner Löwen, Gladbach und Kaiserslautern dürften die Hauptkonkurrenten von 96 sein.

40 Punkte gelten als Versicherung gegen den Abstieg, neun Spiele sind es bis zum Abpfiff der Saison. 27 Punkte wären maximal zu gewinnen, mit 15 käme 96 auf 40 Zähler. Also fehlen noch fünf Siege zum Happy End.
Reichen würde es, wenn 96 alle fünf Heimpartien gewinnt.

Allerdings ist 96 noch nicht als heimstark auffällig geworden – aber ab dem zweiten Spiel in der AWD-Arena unter dem neuen Trainer Ewald Lienen kann sich das ja ändern.

Mit Köln und Frankfurt treten zwei Mitbewerber in Hannover an. Beim Blick auf das Restprogramm (siehe unten) bleibt kein Spielraum – die beiden Partien sollte 96 gewinnen.

Gute Chancen auf drei Punkte gibt es zudem bei den Amigos von 1860 sowie im Heimspiel gegen die auswärtsschwachen Wolfsburger. Auch in Freiburg oder Bochum kann sich 96 Punkte ausrechnen.

Vielleicht gelingt auch schon am Sonnabend gegen Dortmund der erste Sieg unter Lienen. Das wäre ein Riesenschritt zum Klassenerhalt – und es würde die gute 96-Stimmung weiter anheizen.


Bass - 26.03.2004 - 17:18

HAZ
HAZ: Lienens Hilfe für Abel Xavier

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Lienens Hilfe für Abel Xavier

96-Trainer stellt sich vor den portugiesischen Abwehrmann.

Hannover (fe). Ein Bundesliga-Trainer muss sich nicht nur darüber Gedanken machen, dass seine Mannschaft körperlich so gut in Form ist, um in den Punktspielen bestehen zu können. Ergo muss er versuchen, all das von den Spielern fern zu halten, was dabei stören könnte. Zum Beispiel zu viel öffentliche Kritik, die sich darin zuspitzt, Sündenböcke dafür zu finden, wenn es – wie in den vergangenen Monaten bei Hannover 96 – nicht läuft.
Ewald Lienen hat jetzt die Hände über Abel Xavier ausgebreitet. Auch mit der erklärten Absicht, „uns gegenseitig schützen zu müssen“. Der Portugiese, in der Winterpause als vermeintlicher Heilsbringer für die Abwehr verpflichtet, ist für viele im 96-Umfeld die große Enttäuschung. „Es ist einfach zu sagen, es lag an Xavier“, sagt Lienen über jene Zeit, die vor seinem Amtsantritt in Hannover lag. „Aber woran hat es denn vorher gelegen?“ Für den 96-Coach, der seit zweieinhalb Wochen bei den „Roten“ tätig ist, stellt sich vielmehr die Frage, was die Mannschaft in die Abwehrarbeit investiert und mit welcher Leidenschaft dies geschieht.
Im Nachhinein erteilte Lienen dem 31-Jährigen, dem bei seinen vier Einsätzen im 96-Trikot das eine und andere Gegentor angekreidet worden ist, in einem Fall sogar Absolution: Das entscheidende 0:1 in Mönchengladbach gehe nicht auf das Konto von Xavier, er sei gegen den Torschützen Igor Demo gar nicht eingeteilt gewesen.
Bei diesem Spiel hatte noch Ralf Rangnick auf der 96-Bank gesessen; Xavier hat seitdem nicht mehr zum 96-Kader gehört, was nicht zuletzt mit einer Kapselverletzung zu tun hatte. Seit Mittwoch trainiert er wieder – und Lienen ist froh darüber, wie er sagt. Und dabei macht der Portugiese nicht den Eindruck, als sei er wegen der Medienschelte immer noch sauer und verbittert. Das Gegenteil ist der Fall – wohl auch, weil er seinen sportlichen Chef hinter sich weiß. „Ich erwarte, dass er alles versucht, im Training gute Leistungen zu bringen, um in die Mannschaft zu kommen“, sagt Lienen.


Bass - 29.03.2004 - 07:49

Neue Presse

NP: Ein Punkt, zum Sterben zu viel

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Ein Punkt, zum Sterben zu viel

Der Kapitän tat sich ein wenig schwer bei der Wertschätzung dieses einen Punktes im Abstiegskampf. „Das ist zum Sterben zu wenig“, zweifelte etwa Altin Lala, der doch meist die richtigen Worte findet, „oder wie heißt das?“

„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“ heißt die Redewendung, die wohl passt nach diesem Spiel, in dem sich 96 in der ersten Hälfte schon scheintot gestellt hatte.

Es regte sich kaum etwas nach dem frühen 0:1 (13. Minute). Thorsten Frings hatte Christoph Dabrowski robust abgeschüttelt und aus 25 Metern getroffen. Schwer zu halten schien dieser wuchtige Schuss, am Diskurs darüber wollte sich Ewald Lienen „gar nicht erst“ beteiligen.

Den 96-Trainer beschäftigte vielmehr „das Problem, dass Frings so viel Zeit hat, aufs Tor zu schießen“. Das defensive Mittelfeld war ausgeschaltet, und Dariusz Zuraw verharrte in einer Bloß-nicht-stören-Position vor dem eigenen Strafraum.

Das Abstandhalten identifizierte Lienen als Grundübel der ersten Hälfte: „Wir haben Dortmund zu viel Raum gegeben, vielleicht hatten wir zu viel Respekt.“ Seine Elf sei auch „meilenwert entfernt gewesen“ von der Leistung beim 2:2 gegen Schalke. „Wenn man als Trainer so ein zartes Pflänzchen sieht, das wächst und funktioniert“, bekannte Lienen nun, „dann tut man sich schwer, etwas daran zu ändern.“

Den gesperrten Idrissou jedoch hatte er ersetzen müssen. Mit Kleber ließ sich 96 nun vom millionenschweren, uninspirierten Dortmunder Rasenpersonal mit wenig Aufwand rupfen. Lienen sah allerdings, das fiel angenehm auf und ist neu bei 96, nicht lange tatenlos zu. Er tauschte den glück- und harmlosen Kleber in der 35. Minute gegen Thomas Christiansen aus.

Mit dem Torjäger auf dem rechten Flügel kam neuer Schwung in die Offensive. 96 aber hatte vor der Pause noch Glück, nicht vorentscheidend in Rückstand zu geraten. Marc Ziegler rettete mit dem Fuß gegen Ewerthon, ein abgefälschter Schuss von Dede landete auf der Latte.

Für Dortmunds Trainer Mathias Sammer war „klar, dass Hannover nicht noch so eine Halbzeit spielen konnte“, die Seinen aber schienen perplex ob der plötzlichen Entschlossenheit auf der Gegenseite.

96 attackierte früh und kombinierte gefällig –bis vor das Tor des starken Guillaume Warmuz, an dem 96 wiederholt scheiterte.
Je länger die Partie so einseitig, aber unergiebig für 96, lief, desto mehr beschlich die Fans das ungute Gefühl, dass an diesem Tag kein Tor ohne fremde Hilfe gelingen würde.

In Ahmed Madouni fand sich jedoch noch ein freundlicher Helfer, er legte Hand an den von Dabrowski vor das Tor getretenen Ball und hätte Rot statt Gelb sehen müssen. Christiansen traf beim Strafstoß zum finalen 1:1 (83.).

Was also bringt 96 das 1:1? „Moralisch gesehen ist es sehr wichtig“, befand Thomas Brdaric, seine Mannschaft ist nun punktgleich mit dem 15. Frankfurt. „Das Selbstvertrauen ist wieder da. Jetzt haben wir die Möglichkeit, gegen 1860 bei einem direkten Konkurrenten zu punkten.“


Bass - 31.03.2004 - 07:25

Neue Presse

NP: 96: Zwei Spitzen in der Startelf?

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96: Zwei Spitzen in der Startelf?

Drei Spiele, zwei Punkte. Drei Tore geschossen, vier kassiert. Ewald Lienen war zwar angetreten, eine „Balance” im 96-Spiel zu finden. Aber damit meinte er wohl eher die richtige Mischung zwischen Absicherung und Vorwärtsdrang.

„Am Ende des Tages”, wie der neue 96-Trainer gerne seine Resümees einleitet, hätte er sich schon ein Übergewicht in der Punkte-Schale gewünscht. Denn sollten sich die Ergebnisse auf Unentschieden einpendeln, dürfte der Klassenerhalt eine ganz wackelige Angelegenheit werden.

Ein Ansatz, um den ersten Dreier zu holen: Lienen könnte es am Sonnabend bei 1860 mit zwei Spitzen in der Startelf versuchen. Die Münchner verströmen nur wenig Heimstärke (fünf Siege, sechs Niederlagen, zwei Unentschieden).

Und: „Das Stadion ist meist halb leer, der Rasen weit weg von den Tribünen”, erwartet 96-Sportdirektor Ricardo Moar zudem eine wenig einschüchternde Atmosphäre.
Bisher hat er entweder auf Thomas

Christiansen (gegen Lautern) oder Thomas Brdaric vertraut. Wobei der 96-Trainer gegen Dortmund von der Solostürmer-Taktik schon nach 35 Minuten abrückte, was zu einer druckvolleren zweiten Hälfte und dem 1:1 durch Christiansen führte.

Die beiden Thommys hätten jedenfalls nichts gegen die Tandem-Variante einzuwenden: Christiansen „will immer von Anfang an spielen” und Brdaric erhofft sich mehr Unberechenbarkeit („dann können wir auch mal kreuzen und die Abwehr in Unordnung bringen”).

Lienen findet es zwar noch „ein bisschen früh”, über die 1860-Taktik zu sprechen. Aber er suche „natürlich” nach Wegen, Christiansen (acht Treffer) „dauerhaft zu integrieren”. Will er dabei den zuletzt starken Brdaric nicht auf die Bank setzen, kann die Lösung nur heißen: Großer Schluck aus der Sturm-Pulle, in München spielt 96 mit Doppelspitze.


Bass - 01.04.2004 - 08:49

Das-Fanmagzin

Nelson Mac Carthy

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Hannover 96 hat den südafrikanischen Mittelfeldstar, Nelson Mac Carthy von den Orlando Pirates, (Südafrikanische Premiership) verpflichtet. Der 22jährige Carthy, geb. am 12. Februar 1982 in Kapstadt, unterschrieb einen 2 Jahresvertrag für die nächste Saison und kommt ablösefrei an die Leine.
http://www.copamundial.de/stadion/liga.php?auswahl=68

In sechs Länderspielen schoss Nelson Mac Carthy für Südafrika bereits acht Tore und in seiner Heimat wird er von seinen Fans schon liebevoll, der afrikanische Ronaldo genannt. Bei der heutigen Pressekonferenz sagte Nelson Mac Carthy auf "Englisch": Ehrlich gesagt habe ich von Hannover 96 noch nicht sehr viel gehört, denn in Südafrika kennen die Leute nur Bayern München. In der Bundesliga zu spielen, sei für ihn aber eine große Herausforderung, denn der deutsche Fußball wird in seiner Heimat sehr hoch angesehen.

Durch 96 möchte er sich auch weiterhin für die südafrikanische Nationalmannschaft - auch Bafana Bafana genannt - empfehlen und sich mit seinem Team für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland qualifizieren. Auf die anschließende Frage, welche Ziele er sich mit den Roten gesetzt hat, antwortet Nelson Mac Carthy: Er glaubt sehr fest daran, das Hannover 96 für die ein oder andere positive Überraschung sorgen kann.

Die Journalisten waren von Mac Carthy sehr angetan und ob der in Deutschland noch sehr unbekannte Südafrikaner, auch die hannöverschen Fans begeistern kann, wird sich in der nächsten Saison zeigen.

Bass - 02.04.2004 - 07:41

Neue Presse

HAZ: Doppelspitze zum Glück

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Thomas Christiansen und Thomas Brdaric sollen Hannover 96 drei Punkte garantieren.

Hannover. So etwas darf man wohl als ein gutes Omen ansehen – auch wenn es an einem 1. April passiert ist. Dem Tag also, an dem einem so gerne ein X für ein U vorgemacht wird. Da hat also gestern beim Training von Hannover 96 die Mannschaft mit den grünen Leibchen mit 2:0 gegen den Rest der „Roten“ gewonnen, und Thomas Brdaric hat beide Tore erzielt – das zweite mit freundlicher Unterstützung von Sturmpartner Thomas Christiansen, der ihm den Ball wie auf dem Silbertablett servierte. Sollte 96 auf diese Weise den Ernstfall für Sonnabend geprobt haben, wenn es bei 1860 München um Bundesligapunkte geht, dann ist das Experiment voll aufgegangen.

Brdaric plus Christiansen in vorderster Reihe: Das könnte das Erfolgsrezept sein, um nach acht sieglosen Spielen endlich wieder drei Punkte auf einen Schlag einzufahren. Beide haben es in dieser Saison zusammen auf 15 Tore gebracht, und für Brdaric ist es irgendwie logisch, dass 96 morgen von Anfang an auf die Doppelspitze setzt. „Wir müssen nicht viel reden. Wir sehen uns an, und jeder weiß, was er zu tun und wohin er zu laufen hat“, sagt der frühere Leverkusener. Das hat etwas von blindem Verständnis, und mit Toren als zählbarem Resultat könnten morgen auch die „Löwen“ hinters Licht geführt werden. Für Christiansen ist die Zeit ohnehin reif für einen Sieg: „Wir müssen alles versuchen, gegen 1860 drei Punkte zu holen“, sagt er.

Einer wie Trainer Ewald Lienen hütet sich zwar, seine Aufstellung lange vor dem Anpfiff bekannt zu geben („Wenn das alle Bundesliga-Trainer vorher machen, dann bin ich dabei“), doch es ist bei ihm gängige Praxis, dass donnerstags die Karten auf den Tisch kommen. Wenn also Brdaric und Christiansen beim Training im grünen Leibchen stürmen, dann ist das ein gutes Indiz für die nächsten Absichten des Fußballlehrers. Auch wenn er es auf die Frage danach statt einer verbindlichen Antwort bei einem süffisanten Lächeln belässt.

Von Anfang an versucht hat es Lienen mit beiden Angreifern noch nie. Bei seinem Trainer-Einstand bei 96 gegen Kaiserslautern (0:1) gehörte Christiansen zur Startformation, gegen Schalke (2:2) wurde der zweifache Torschütze Brdaric in der Schlussphase gegen den früheren Bochumer ausgewechselt, gegen Dortmund (1:1) spielten beide von der 35. Minute an Seite an Seite. Wenn der Schein nicht trügt, kann es für 96 nur besser werden, sollten beide jetzt zusammen losgelassen werden, wie es am Donnerstag beim Training der Fall war.

Dass es einem wie Brdaric anscheinend nicht an Selbstvertrauen mangelt, könnte ein weiterer Pluspunkt sein. So macht er nach dem Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Belgien kein Hehl daraus, dass das Thema Nationalmannschaft für ihn mit 29 Jahren nach einem zehnminütigen Kurzeinsatz (beim 4:2 gegen die USA im März 2002) noch nicht erledigt sein soll. „Durch meine Leistungen habe ich mich ins Rampenlicht gespielt“, sagt Brdaric. „Ich würde mich nicht ärgern, wenn Rudi Völler mich anrufen würde. Er weiß, was ich kann.“

Wenn der Stürmer am Sonnabend in München ähnlich forsch auftritt und er seinen Worten Taten folgen lässt, dann muss einem um 96 eigentlich nicht bange sein. „Wir kämpfen um den Klassenerhalt und haben noch alle Chancen“, sagt Brdaric. Mit seinen Toren will er 96 „da unten rausschießen“. Was auch wichtig wäre für ein weiteres Jahr in Hannover, wo sich Brdaric nach eigenen Worten wohlfühlt.

Sollte in absehbarer Zeit sein Telefon klingeln und sich ein Mann namens Völler melden, hätte sich das Ganze also doppelt gelohnt.

Bass - 05.04.2004 - 07:28

Neue Presse
NP: Brdaric – bei 96 so gut wie nie

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Brdaric – bei 96 so gut wie nie

Thomas Brdaric bleibt eine Reizfigur, offenbar auch für den 96-Trainer. Der Torschütze war noch beim üblichen Medienmarathon im Bauch des Olympiastadions, als ihn Ewald Lienen anzischte: „Thomas, das ist hier keine Personality-Show. So gut warst du auch nicht.“
Brdaric brach mitten im Satz ab, drehte sich um und verschwand in der Kabine.

Der Stürmer wagte keine Widerworte, obwohl er Grund dazu gehabt hätte. Es dauert halt seine Zeit, bis alle TV-Sender und Journalisten ihre Antworten haben. Und es gab ja wieder viele Fragen an Brdaric.

Was war denn nun passiert, als sich der 96-Profi wie schwer verletzt am Boden wälzte? „Ich gehe ja nicht einfach zu Boden, weil mich eine Fliege gestochen hat“, erklärte Brdaric, „ich glaube schon, dass es eine Tätlichkeit war. Der hat mich voll am Kehlkopf erwischt.“

Rodrigo Costa hatte ihn am Hals berührt, was der Schiedsrichter nicht als rot-würdig beurteilte. Markus Merk glaubte an eine Schauspieleinlage, was nach Ansicht der TV-Bilder umstritten bleibt.

Unstrittig aber, dass der 29-Jährige bester Stürmer auf dem Platz war. Ein schönes Tor gelang ihm, „das zweite hätte ich auch gern gemacht“. Frei stehend traf er nur die Latte, „aber der Boden war katastrophal, du weißt nicht, wie er titscht“.

Mit einem zweiten Doppelpack nach dem vom Schalke-Spiel hätte er sich noch heftiger für die Nationalelf empfehlen können. Aber auch so bleibt er Kandidat bei Rudi Völler. Dies umso mehr, nachdem Martin Max nicht für Deutschland spielen will.

Hannover macht offenbar Nationalstürmer. Fredi Bobic rettete 96 vor dem Abstieg und schaffte das Comeback im Nationalteam. Brdaric erzielte im 96-Trikot acht Tore – so viele wie in den drei Jahren zuvor in Leverkusen zusammen. Brdaric so gut wie nie – da wird man doch mal drüber reden können.


Bass - 06.04.2004 - 07:44

Neue Presse
np: 96: Wann trennt sich Hannover von Xavier?

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Wenn alles gut geht, meldet sich Abel Xavier Dienstagnachmittag wieder zum Dienst bei 96. Trainer Ewald Lienen hatte ihm über das Wochenende frei gegeben, zur Frustbewältigung war der Reservist wider Willen heim nach Portugal geflogen. Denn Xavier war am Freitag aus dem Kader gefeuert worden.

Lienen will nun sehen, „wie Abel die letzten Tage verkraftet hat und in welcher mentalen Verfassung er erscheint”. Er könne „nur Spieler gebrauchen, die sich mit der Mannschaft, aber auch mit ihrer Situation identifizieren”, warnt der Rangnick-Nachfolger. „Aber das hat nichts speziell mit Abel zu tun, das gilt für alle Spieler.”

Bei Xavier jedoch gibt es ernste Zweifel an dem Willen, persönliche Eitelkeiten zu ignorieren und sein Schicksal dem des Klubs unterzuordnen. Das Empfinden, ihm werde in Hannover übel mitgespielt, nagt an dem früheren Nationalspieler Portugals. Schon vor dreieinhalb Wochen hatte Xavier beklagt, er werde nicht mit genügend Respekt behandelt.

Dabei war der Profi mit der auffälligsten Frisur der Liga anfangs hofiert worden, mit den ungenügenden Leistungen für 96 aber schwand die Zuneigung. „Vielleicht müssen wir uns den Vorwurf machen, bei diesem Spieler die sportliche Situation nicht von Anfang an richtig gekannt zu haben”, gesteht Klubchef Martin Kind den größten Irrtum des Winterschlussverkaufs.

Für 96 wird Xavier zunehmend zur Belastung. Lienen hat ihn am Freitag als Außenverteidiger klassifiziert und so deutlich gesagt, dass kein Platz für den Ex-Star in der Mannschaft ist. Als stiller Ersatzmann taugt Xavier allerdings nicht. Er wird weiter (auch laut) mit seinem Schicksal hadern. „Das Letzte, was wir jetzt brauchen können, ist Theater”, weiß Sportdirektor Ricardo Moar aber. 96 muss auf einen leisen Abschied hoffen.

Xavier will dieser Tage erneut mit Lienen reden. Ein Versprechen zu spielen, wird er nicht bekommen. Möglich, dass der Freund von Real-Star Luis Figo dann um eine Vertragsauflösung bittet, um sein Gesicht zu wahren.

„Wenn er möchte, können wir uns unterhalten”, sagt Kind. „Zeitdruck haben wir aber nicht.” Denn spätestens im Sommer kommt es ohnehin zur Trennung. Das war Anfang Februar bei der Einigung auf Xaviers Wunsch heimlich beschlossen worden.


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