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Achim - 06.10.2007 - 22:00

Nach der "Achterbahnfahrt" wegen der Brems-Affäre hat Lewis Hamilton geradewegs Kurs auf seinen historischen WM-Triumph genommen. Der britische WM-Spitzenreiter startet an diesem Sonntag mit seinem McLaren-Mercedes von der Pole Position aus in den Großen Preis von China und kann mit einem Sieg in Shanghai vorzeitig jüngster Titelträger in der Formel-1-Geschichte werden.

Das ist der Platz, auf dem ich sein musste. Ich werde versuchen, das Rennen zu gewinnen. Das ist der beste Job, den ich tun kann", sagte er. "Ich bin absolut happy."
Mit 22 Jahren und 9 Monaten kann Hamilton, den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone am Samstag bereits im britischen "The Guardian" als neuen Helden nach Rekordchampion Michael Schumacher pries, jüngster Titelträger werden kann. Und der erste, dem sein Meisterstück im ersten Lehrjahr gelingt. "Er steht zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, und das nach all dem Druck", stellte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach Hamiltons rasanter Fahrt, die dem Silberpfeil-Piloten die sechste Pole in diesem Jahr bescherte, fest: "Ein klasse Job von Lewis."
Hamiltons ärgster Widersacher, Teamkollege und Titelverteidiger Fernando Alonso, kam nicht über den vierten Startrang hinter dem Ferrari-Duo mit Kimi Räikkönen und Felipe Massa hinaus. "Es ist frustrierend", meinte der Spanier, der über seinen Zeitrückstand von über einer halben Sekunde gegenüber rätselte. Nun müsse er drei Autos überholen. Und mindestens zwei Punkte muss Alonso aufholen, um weiter im Rennen zu bleiben. "Ein harter Job", so der zweimalige Weltmeister.
Allerdings könnte der 16. von 17 WM-Läufen wieder zu einem witterungsbedingten Vabanquespiel werden. Die Vorhersagen verheißen wenig Gutes. Neben einer Regenwahrscheinlichkeit zwischen 70 und 90 Prozent drohen schlimmstenfalls auch noch Ausläufer des Taifuns Korsa. Bereits am Samstagabend Ortszeit herrschte ein frischer, jedoch nicht heftiger Wind. "Ich will aber fahren", stellte Hamilton schon klar.

Zudem ist er als Führender im Regen (leid-)geprüft. In Japan hatte er vor einer Woche ebenfalls die Pole inne, sein Verhalten auf der Strecke hinter dem Safety Car bei einem Bremsmanöver wurde am Freitag neu untersucht. Das Verfahren endete mit einem Freispruch. "Es war ein emotionaler Trip", konstatierte der Pilot und sprach von einer "Achterbahnfahrt". Sein Rivale Alonso kritisierte die Entscheidung der Rennkommissare. "Wenn ich das gemacht hätte, dann wäre ich sicher bestraft worden", sagte er sky.tv. Hamiltons entscheidende Runde in 1:35,908 Minuten in der Qualifikation am Samstag auf dem 5,451 Kilometer langen Shanghai International bezeichnete Teamchef Ron Dennis unterdessen als "außergewöhnlich" und ?unglaublich".
Über den möglichen Titel für seinen Vorzeigeschüler wollte er noch nicht reden. Daran, dass er zwei Rennen vor dem Saisonende und überhaupt Weltmeister in werden könne, hatte auch Hamilton vor dem Beginn seiner Premierensaison "defintiv nicht" gedacht, konstatierte der Pilot.
Über ein kleines Erfolgserlebnis durfte sich aus deutscher Sicht Ralf Schumacher freuen. Nachdem er zu Wochenbeginn seinen Weggang nach der Saison von Toyota verkündete hatte, kam er in der Qualifikation auf den sechsten Rang. "Ich bin glücklich, dass ich es in die Top sechs geschafft habe", meinte der 32-Jährige, der aus der dritten Reihe aussichtsreich ins Rennen starten kann. Weniger glücklich war Landsmann Nick Heidfeld. Nach der unfreiwilligen Kurzarbeit wegen zweimaligen Getriebewechsels beim freitäglichen Training fehlten wichtige Daten. Die Folge: Rang acht für den WM-Fünften aus Mönchengladbach im BMW-Sauber. "Hoffentlich kann ich mit einer guten Strategie das enttäuschende Resultat wieder wettmachen", meinte der 30-Jährige. Als 16. nach einer verkorksten Qualifikation bleibt Nico Rosberg im Williams-Toyota "nur noch vollzutanken und dann zu hoffen. Es soll es ja stürmen und regnen", sagte der Wiesbadener.
Immerhin rückte er zum Leidwesen seines Landsmanns Sebastian Vettel einen Startplatz vor. Der Toro-Rosso-Pilot wurde nachträglich auf dem sogenannten Grid um fünf Plätze auf Rang 17 versetzt. Die Rennkommissare des Internationalen Automobilverbandes kamen zu dem Ergebnis, dass er einen anderen Fahrer behindert hatte. Auf Adrian Sutils (Gräfelfing) 21. Startrang im Spyker hatte die Entscheidung keinen Einfluss.
1Hamilton, Lewis
1:35.908
2Räikkönen, Kimi
+ 0.136
3Massa, Felipe
+ 0.313
4Alonso, Fernando
+ 0.668
5Coulthard, David
+ 1.711
6Schumacher, Ralf
+ 2.105
7Webber, Mark
+ 2.245
8Heidfeld, Nick
+ 2.547
9Kubica, Robert
+ 2.564
10Button, Jenson
+ 3.377
11Liuzzi, Vitantonio
+ 0.954
12Vettel, Sebastian
+ 0.983
13Trulli, Jarno
+ 1.051
14Kovalainen, Heikki
+ 1.083
15Davidson, Anthony
+ 1.339
16Rosberg, Nico
+ 1.575
17Barrichello, Rubens
+ 1.343
18Fisichella, Giancarlo
+ 1.382
19Wurz, Alexander
+ 1.548
20Sato, Takuma
+ 2.310
21Sutil, Adrian
+ 2.760
22Yamamoto, Sakon
+ 3.428

Achim - 20.10.2007 - 23:42

Lewis Hamilton hat den vorzeitigen Titelgewinn weggeschmissen. Beim China-GP kam der Engländer nach Problemen am rechten Hinterreifen auf dem Weg in die Box in der 30. Runde von der Strecke ab und blieb im Kies stecken. Auch der Einsatz mehrerer chinesischer Helfer nutzte nichts, der 22-Jährige stieg frustriert aus dem Cockpit und kam mit gesenktem Kopf zum Paddock zurück. Hilflos musste der McLaren-Mercedes-Pilot, der zu dem Zeitpunkt des Missgeschicks Zweiter war, mitansehen, wie Kimi Räikkönen den 200. Sieg für Ferrari einfuhr und in der WM-Wertung bis auf 7 Punkte an Hamilton herankam. Zweiter wurde Alonso, der damit seinen Rückstand auf seinen McLaren-Mercedes-Teamkollegen auf 4 Zähler verkürzte. Einen fantastischen 4. Platz erfuhr Sebastian Vettel, der als einziger Pilot in den Top Ten mit einer Ein-Stopp-Strategie unterwegs war. Nick Heidfeld kam nach einem unspektakulären Rennen auf den 7. Platz, Nico Rosberg wurde 16. Ralf Schumacher und Adrian Sutil schieden aus.

Hamilton wie der sichere Sieger

Beim Start verteidigte Hamilton ohne Probleme Platz 1. Bei feuchter Witterung - die befürchteten Ausläufer des Taifuns 'Krosa' waren allerdings nicht zu spüren - musste er sich zwar den Angriffen von Räikkönen erwehren, der Brite behielt dabei jedoch kühlen Kopf und blieb vorn. Eine Reihe dahinter lieferte sich Alonso mit Massa einen harten Fight um den 3. Platz, den der Brasilianer verteidigte. Schumacher, im Qualifying auf den 6. Rang gefahren, kam ganz schlecht weg, eckte zu allem Übel noch mit David Coulthard an und fiel auf den letzten Platz zurück. Auch Rosberg verpennte den Start und fand sich auf dem 19. Platz wieder. Dagegen zählte Sebastian Vettel zu den Gewinnern des Starts, er verbesserte sich von 17 auf 12.
Vorne flog Hamilton dem Feld davon, vergrößerte seinen Vorsprung auf Räikkönen stetig. Nach elf Runden lag der Brite schon 7 Sekunden vor dem Ferrari-Mann und gar 15 Sekunden vor seinem ärgsten WM-Rivalen Fernando Alonso. In der 15. Runde kam Hamilton als Erster aus der Spitzengruppe an die Box, ließ allerdings trotz unsicherer Wettervorhersage die angefahrenen Intermediates drauf und fiel auf den 4. Platz zurück. Vorne machte der neue Spitzenreiter Räikkönen richtig Druck und fuhr eine schnellste Runde nach der anderen. Als der Finne nach seinem Stopp aus der Box kam, betrug sein Rückstand auf Hamilton nur noch 4 Sekunden.
Bei abtrocknender Strecke zog Alexander Wurz als Erster die Trockenreifen auf - und wurde belohnt. Der Williams-Pilot fuhr sofort die schnellste Rennrunde. Für die anderen Teams war das das Zeichen, auch auf die Trockenreifen zu wechseln.
Nach 26 Runden bekam Hamilton Probleme mit seinen Reifen, der McLaren-Mercedes gehorchte nur sehr widerwillig den Lenkmanövern des Briten. Doch statt ihn in die Box zu holen, ließ die Crew den Briten weiter draußen. Räikkönen kam sehr schnell näher ran und zog nach 28 Runden vorbei. Als Hamilton endlich neue Reifen aufziehen wollte, passierte ihm in der Einfahrt zu Boxengasse der folgenschwere Fehler.
Vettel nur knapp am Podest vorbei

Damit war der Weg frei für Räikkönen, der nach 305,066 Kilometern in 1:37:58,359 Stunden als Erster über die Ziellinie raste und die meisten Saisonsiege aufweist. 9,806 Sekunden später folgte Alonso.Genauso sicher hielt Massa den 3. Platz. Dahinter machte einmal mehr Vettel auf sich aufmerksam. Nach einer vorzüglichen Leistung hatte er eine Woche nach dem Crash von Fuji einen Rückstand von 53,509 Sekunden und schrie über Boxenfunk seine Freude raus. "Das war das längste Rennen für mich. Ich war noch nie so glücklich über einen 4. Platz", meinte Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger.
Der Verlauf seines vorletzten Rennens für Toyota war symptomatisch für die drei Jahre, die Schumacher für die Japaner gefahren ist. Nach seinem besten Qualifikations-Ergebnis 2007 wurde er beim Start nach hinten durchgereicht und fiel nach einer Berührung mit David Coulthard gar auf den letzten Platz zurück. Zwar kämpfte sich Schumacher wieder heran, doch bei einem Duell mit Vitantonio Liuzzi in der 22. Runde zog der 32-Jährige zu schnell nach innen, kollidierte mit dem Italiener und fand sich abseits der Strecke wieder. Nach einem Dreher fünf Runden später war das Rennen für ihn beendet. Noch unerfreulicher endete der China-GP für Sutil, der in der 29. Runde auf der nassen Strecke in die Leitplanken knallte, seinem Spyker aber unverletzt entstieg.

POSITION FAHRER TEAM ZEIT
1 Kimi Räikkönen Ferrari 1:37.58,395

2 Fernando Alonso McLaren-Mercedes + 00.09,806

3 Felipe Massa Ferrari + 00.12,891

4 Sebastian Vettel Scuderia Toro Rosso + 00.53,509

5 Jenson Button Honda Racing F1 + 01.08,666

6 Vitantonio Liuzzi Scuderia Toro Rosso + 01.13,673

7 Nick Heidfeld BMW Sauber F1 + 01.14,224

8 David Coulthard Red Bull Racing + 01.20,750

9 Heikki Kovalainen Renault F1 + 01.21,186

10 Mark Webber Red Bull Racing + 01.24,685

11 Giancarlo Fisichella Renault F1 + 01.26,683

12 Alexander Wurz Williams F1 + 1

13 Jarno Trulli Toyota + 1

14 Takuma Sato Super Aguri F1 + 1

15 Rubens Barrichello Honda Racing F1 + 1

16 Nico Rosberg Williams F1 + 2

17 Sakon Yamamoto Spyker + 3

SCHNELLSTE RUNDE
Felipe Massa/Ferrari Zeit: 01.37,454 in Runde 56

AUSFÄLLE
RUNDE FAHRER TEAM AUSFALLGRUND
11 Anthony Davidson Super Aguri F1 Technischer Defekt

24 Adrian Sutil Spyker Dreher

25 Ralf Schumacher Toyota Dreher

30 Lewis Hamilton McLaren-Mercedes Reifenschaden

33 Robert Kubica BMW Sauber F1 Technischer Defekt

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