Der massive Wettbewerbsdruck macht Unilever zu schaffen. Im dritten Quartal stieg zwar der Nettogewinn, der Umsatz aber sank. Mit seiner Geschäftsentwicklung zeigte sich der Konsumgüterkonzern "unzufrieden".
Rotterdam - Der Umsatz des britisch-niederländischen Konzerns sank im dritten Quartal um vier Prozent auf 10,6 Milliarden Euro, teilte Unilever mit. Der Gewinn vor Steuern sank um zwei Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Der Reingewinn vor Sonderposten kletterte dagegen um drei Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.
Das schwache Verbrauchervertrauen und das anhaltende Wachstum im Discount-Bereich habe den Preisdruck erhöht und den Absatz vor allem von Eis und Eistee sowie Hygieneartikeln gedrückt, so der Konzern.
Unilever kündigte Maßnahmen an, um das angestrebte Umsatzwachstum wieder zu erreichen. Der Konzern sei unzufrieden mit der eigenen Geschäftsentwicklung und wolle die Wettbewerbsfähigkeit seiner Produkte wiederherstellen, teilte Unilever mit. Das angekündigte Kosteneinsparprogramm soll noch verstärkt werden. Angedacht seien zudem höhere Werbeausgaben.
Der Hersteller von Marken wie Lipton-Eistee, Iglo oder Knorr bekräftigte seinen Ausblick für das Gesamtjahr, den er bereits im September gesenkt hatte. Demnach erwartet Unilever für 2004 einen Anstieg des Gewinns je Aktie (EPS) vor Sonderposten im niedrigen einstelligen Bereich.
Quelle: www.manager-magazin.de
Für das Gesamtjahr 2004 rechnet Unilever nur noch mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich. Noch im Juli hatte Konzernchef Antony Burgmans einen zweistelligen Gewinnzuwachs versprochen, schon Ende September musste er aber zurückrudern.
Jahrhundertsommer wiederholte sich nicht
Als Grund für den Umsatzeinbruch im dritten Quartal nennt Unilever Absatzeinbußen bei mehreren Produkten. So verkaufte das Unternehmen weniger Eis und Eistee als im Vorjahreszeitraum. Allerdings hatte Unilever 2003 vom Rekordsommer profitiert.
Bei Körperpflegeprodukten und Reinigungsmitteln für den Haushalt bekam Unilever den verschärften Wettbewerb mit den Discountern und die Konsumzurückhaltung zu spüren.
Deutscher Markt besonders schwierig
Beide Phänomene kommen besonders in Deutschland zum Tragen. Bei Gütern des täglichen Bedarfs haben die No-Names hier inzwischen einen Marktanteil von knapp 30 Prozent erobert. Vor fünf Jahren lag der Anteil noch bei 20 Prozent. Die Anzahl der Discount-Läden hat sich rapide erhöht. In Deutschland gibt es mittlerweile rund 11.000 Billig-Läden.
Unilever hat auf die Macht der Discounter reagiert und die Anzahl der eigenen Marken in den vergangenen Jahren von 1600 auf 400 reduziert. So gingen die Speiseöl-Marken Livio, Becht's, Biskin, Palmin und die Kindernahrungsmarke Pomps an das Nahrungsmittelunternehmen Peter Kölln. Alle neuen Unilever-Produkte müssen unter dem Dach der verbliebenen Markenfamilien antreten.
Das Beispiel von Unilever zeigt, dass sich die Marken-Multis wieder auf den tieferen Sinn der Marke besinnen. "Marken brauchen ein glaubwürdiges Profil und eine klare Produktdifferenzierung", betont Joann C. Lindenberg, Deutschlandchef von Unilever. Marken müssen sich von der Konkurrenz deutlich unterscheiden. Gelingt das, kann der Markenhersteller seine Waren um bis zu 40 Prozent teurer absetzen als vergleichbare No-Name-Produkte. Experten glauben allerdings, dass es Unilever bislang nicht gelungen ist, die Vorzüge der Marken klar darzustellen und dass die 400-Marken Strategie nicht aufgegangen ist.
Quelle: boerse.ard.de