Betzdorf (ots) - SES Astra, Infrastrukturanbieter im
Satellitenbereich, sowie die RTL-Gruppe und die Pro Sieben Sat 1
Media AG planen unter den Codenamen "Dolphin" und "Blue" den geheimen
Aufbau einer Sendeplattform. Hierüber soll die Verschlüsselung
bisheriger Free-TV-Programme auf dem deutschen Fernsehmarkt
eingeführt werden. Dies erklärt Markus Schmid, Chief Marketing &
Sales Officer von Premiere, in einem aktuellen Interview mit dem
Branchen-Newsdienst Digitalmagazin.
Premiere hatte seine Plattform DPC an SES Astra verkauft, ohne
über die Pläne für eine Dolphin-Plattform informiert worden zu sein.
"Uns liegen bis heute keine detaillierten Unterlagen von APS/SES
Astra vor", so der Premiere-Manager gegenüber Digitalmagazin. SES
Astra hatte sich hingegen verpflichtet, die Premiere-Plattform
bestmöglich zu vermarkten.
Mittlerweile hat sich das Bundeskartellamt eingeschaltet. Die
Behörde ermittelt wegen des Anfangsverdacht auf Missbrauch einer
marktbeherrschenden Stellung sowohl gegen die RTL-Gruppe, die Pro
Sieben Sat 1 Media AG als auch gegen SES Astra. Je nach Ausgang der
Ermittlungen erwäge Premiere die Kündigung der Verträge, erklärt
Markus Schmid.
Astra will über sein Tochterunternehmen APS (Astra Platform Services) in München technische Spezifikationen für die Digital-Reciever unter den Projektnahmen "Blue" und "Dolphin" festlegen. Darüber hatten sich Hersteller der sogenannten Set-Top-Boxen beschwert. Astra hatte das digitale Sendezentrum APS in München Ende 2004 vom Abo-Sender Premiere übernommen. Gegen die Kartellamts-Genehmigung dieser Übernahme klagt derzeit der Astra-Konkurrent Eutelsat. Eine Entscheidung steht noch aus.
Kritiker bemängeln die Einführung des Bezahlfernsehens durch die Hintertür: So können TV-Haushalte das neue digitale Angebot nutzen, wenn sie über eine Satellitenschüssel und einen geeigneten Satellitenreceiver besitzen – zusätzlich benötigen sie aber auch eine passende Smart Card, die über eine neue Tochterfirma von SES Astra zu beziehen sein wird. Für die Nutzung der Technik beabsichtigt diese Tochterfirma, von den Haushalten eine "niedrige Monatspauschale von bis zu 3,50 Euro" zu erheben. Statt Free-TV steht nun also "Fee-TV" ins Haus.
Astra argumentiert, dass die Sender ihre digitalen Programme mit einem kodierten Signal "vor Missbrauch schützen" könnten. Unklar ist bislang, ob damit gemeint ist, dass die Sender durch die kontrollierte Abgabe der Smartcards verhindern können, dass Zuschauer außerhalb ihres "Sendegebiets" das Programm verfolgen können.
Um einen "reibungslosen Übergang" zu ermöglichen, will Astra nach eigenen Angaben "bestimmte Sender" nach dem Start der Infrastruktur für eine Übergangszeit gleichzeitig verschlüsselt und unverschlüsselt ausstrahlen. Die Sender würden dabei selbst über die Dauer dieses Simulcast-Betriebs entscheiden. Diejenigen Sender, die über Satellit verbreitet werden, aber den neuen Service nicht nutzen, könnten unverändert von allen Astra-Satelliten-Haushalten empfangen werden. Marktbeobachter bringen indes vor, dass es sich kein werbefinanzierter Fernsehsender in absehbarer Zeit leisten könne, die unverschlüsselte Satellitenübertragung zu beenden
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet unter der Überschrift "Die zweite Fernsehgebühr ist da", dass über Satellit ausgestrahlte Free-TV-Programme kostenpflichtig werden. Grundlage für diesen Bericht ist die Mitteilung des Satellitenbetreibers SES Astra, mit einer neuen Plattform seine digitalen Dienstleistungen auszubauen und so eine Infrastruktur für Free-TV, Pay-TV und interaktive Zusatzdienste anzubieten.
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01. März 2006
Lange, lange wurden die entsprechenden Berichte der F.A.Z dementiert (Privatsender wollen Geld von den Zuschauern), doch jetzt ist es endgültig offiziell: Nach der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 hat nun der Satellitenbetreiber SES Astra bestätigt, daß es das digitale Fernsehen auch für Zuschauer, die ihr Programm über Satellit empfangen, kostenlos nicht mehr gibt.
Es fällt vielmehr eine monatliche Gebühr an, die nach den Worten des Astra-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Kayser „unter fünf Euro“ liegen soll. Die Zuschauer müssen jedoch nicht nur diese neue Gebühr bezahlen, viele müssen sich auch neue Decoder mit einer Zugangskarte anschaffen und darüber hinaus eine einmalige Freischaltgebühr zahlen.
Nicht mehr zum Nulltarif
Die Pläne werden offenbar von den beiden großen Privatfernsehkonzernen Pro Sieben Sat.1 und RTL unterstützt. Die Zeiten des sogenannten „freien Fernsehens“ oder „Free TV“ sind im Privatfernsehen damit bald endgültig vorbei. Die über Rundfunkgebühren finanzierten Sender ARD und ZDF lehnen dagegen ein zusätzliches Entgelt für den Empfang ihrer Programme ab. Zur Begründung für die Gebühr, die allgemein verbindlich ist, gibt Astra an, daß die Erweiterung der digitalen Satellitentechnik Investitionen erfordere. Das Satellitenfernsehen der Zukunft könne es deshalb nicht mehr zum Nulltarif geben. Zudem ermögliche die Gebühr den Sendern den Aufbau neuer interaktiver Anwendungen sowie die Verbreitung des hochauflösenden Fernsehens HDTV. Mit der Verschlüsselung könnten zudem Programmrechte wie etwa im Sport geographisch präzise abgegrenzt werden.
Für die Sendeabwicklung sei die Münchner Astra-Tochter APS zuständig. Die Infrastruktur sei offen, das Angebot wende sich an alle Sender. SES Astra übernehme die Codierung der Sendesignale, die Verbreitung von Zugangskarten sowie den Kundendienst. Astra verbreitet über dreizehn Satelliten mehr als 1500 analoge und digitale Fernseh- und Radiokanäle an etwa 130 Millionen Satelliten- und Kabelhaushalte in Europa. Zwei bis drei Jahre lang wird es einen „Simulcast“-Betrieb geben, das heißt, es werden die Programme zunächst parallel kostenfrei weiterverbreitet. Danach kommt die zweite Rundfunkgebühr.
Schützen kann die Zuschauer vor diesem Schritt, mit dem die Sender und Astra die Kosten der digitalen Revolution ganz allein auf die Nutzer abwälzen, zunächst das Bundeskartellamt. Die Behörde prüft die Verabredung zwischen Pro Sieben Sat.1, RTL und Astra bereits. Auch die Medienpolitik und die Landesmedienanstalten sollten sich aufgerufen sehen, die Entwicklung zu beobachten. An ihnen geht die Umwälzung des Mediensystems im Augenblick in jeder Hinsicht vorbei - sehenden Auges gewärtigen sie, daß sich heimische Unternehmen, die bereits auf dem Medienmarkt aktiv sind, nicht vergrößern können und der Weg frei ist vor allem für Finanzinvestoren aus aller Welt. Und nun kommt sogar eine lang geheimgehaltene Generalverabredung heraus, die bedeutet, daß wer Fernsehen und Radio empfangen will, gleich zwei- oder dreifach zur Kasse gebeten wird.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat Widerstand gegen die Pläne angekündigt, für Fernsehempfang über Satellit künftig Geld zu verlangen. «Das werden wir mit aller Entschiedenheit bekämpfen», sagte Beck, der auch Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist: «Eine Dauergebühr kommt nicht in Frage.»
Der Geschäftsführer von Europas größtem Satellitenbetreiber SES Astra, Ferdinand Kayser, hatte in einem Zeitungsinterview am Dienstag angekündigt, sein Unternehmen wolle ab Ende des Jahres bisher frei empfangbare Fernsehsender verschlüsseln. Für den digitalen Empfang werde SES Astra eine monatliche Gebühr von maximal fünf Euro verlangen. Er führe mit Fernsehkonzernen wie ProSiebenSat1 und RTL Gespräche über eine Verschlüsselung ihrer bisher gratis zu empfangenden Programme.
Zu Begründung hatte der Astra-Chef Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro für die Einführung des digitalen Satelliten-TV angeführt.
Beck sagte dazu, er halte die Erhebung einer einmaligen Gebühr für die Umstellung des Satellitenfernsehens auf digitalen Betrieb für denkbar. Es dürfe aber keine Dauergebühr für das bislang frei empfangbare Fernsehen geben.
Wie der Politiker weiter sagte, prüfe die rheinland-pfälzische Staatskanzlei derzeit, ob die Gebührenpläne rechtlich verhindert werden könnten. Er gehe davon aus, dass die Rundfunkkommission der Länder die Pläne wie schon in der Vergangenheit ablehnen werde.
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