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Dursti - 14.05.2004 - 17:04

Lynndie England: "So war’s beim Foltern"
Zum ersten Mal hat sich die US-Soldatin im Zentrum des Entrüstungssturms über die Folterbilder aus dem Irak öffentlich zu Wort gemeldet. Sie habe auf Befehl gehandelt, wurde Lynndie England in einem Interview des Fernsehsenders KCNC-TV nicht müde zu behaupten. Derweil durften 300 Häftlinge am Freitag das berüchtigte Gefängnis Abu Ghureib in Bagdad verlassen - Teil der Goodwill-Maßnahmen des US-Militärs nach der Folteraffäre.

"Personen mit höherem Rang" hätten den 21-Jährigen etwa befohlen, eine Leine zu halten, die um den Hals eines nackten Gefangenen lag, und in die Kamera zu lächeln. Keiner der bereits Angeklagten habe das Gefühl, etwas Unrechtes getan zu haben, sagte England, schließlich seien nur Befehle befolgt worden. Es sei niemand auf die Idee gekommen, die Fotos nicht zu machen, schließlich sei alles befohlen gewesen.

Angeblich soll sie sogar mit mehreren Kollegen vor den Augen irakischer Gefangener Sex gehabt haben - als eine der Foltermethoden. Alles, was Nacktheit betrifft, sei für Männer aus der islamischen Kultur sehr erniedrigend, deshalb mussten sich die Gefangenen auch ausziehen.

Nach Angaben von England wurden die Aufnahmen im Gefängnis von Abu Ghoreib gemacht, um andere Gefangene damit einzuschüchtern. Das habe nach Angaben der Befehlsgeber auch funktioniert. Wer die Befehle erteilte, sagte England nicht.

Wer ist Lynndie England?
Lynndie England hat auf den ersten Blick keine einfache Biografie. Sie wird von Verwandten als starrköpfig und unabhängigkeitsliebend beschrieben. Mit 21 hat sie bereits ihre erste Ehe und Scheidung hinter sich.

US-Foltersoldat will sich schuldig bekennen
Ein anderer der sieben beschuldigten US-Soldaten will sich indessen schuldig bekennen und gegen seine mutmaßlichen Mittäter aussagen. Jeremy Sivits habe den Ermittlern darüber hinaus genau aufgelistet, wie die Gefangenen beispielsweise durch Schläge bis zur Bewusstlosigkeit gedemütigt und misshandelt worden seien, berichtete die Tageszeitung "Washington Post".

Ungekannte Foltermethoden
In einer eidesstattlichen Erklärung hat Sivits nach Angaben des Blattes auch andere bislang unbekannte Misshandlungsarten genannt. So hätten sich Gefangene gegenseitig schlagen müssen. In einem anderen Fall sei einem Iraker ein Sandsack über den Kopf gestülpt worden. Nach einem Schlag auf die Schläfe sei er dann zusammengebrochen.

Der 24-Jährige ist der erste US-Armeeangehörige, der sich im Zusammenhang mit den Misshandlungen im Gefängnis von Abu Ghoreib am Mittwoch kommender Woche vor Gericht verantworten muss.

US-Armee lässt Hunderte Iraker frei
Sie dankten Gott auf Knien für ihre Freilassung: 300 Häftlinge durften am Freitag das berüchtigte Gefängnis Abu Ghureib in Bagdad verlassen - Teil der Goodwill-Maßnahmen des US-Militärs nach der Folteraffäre.

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