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MiniMaus - 09.11.2004 - 22:34

das ist die Fortsetzung von Teil 1...wenn ihr den kommenden Text verstehen wollt müsst ihr erst Teil 1 lesen..

"Diese Soldaten sind keine toughen Männer", sagt Provance. Er sucht nach den Gründen. "Die meisten sind Kinder, die unvorbereitet totale Macht über ehemalige Generäle und andere hohe Tiere des Saddam-Regimes bekommen haben. Das ist denen völlig zu Kopf gestiegen." Er selbst hatte kaum mit Gefangenen zu tun, er ist Computerspezialist, deshalb hatte man ihn nach Bagdad versetzt. Er sollte das Computersystem warten und die Datenbank. Anfangs war er einfach nur verwundert, weil die Datensätze des Gefängnisses chaotisch waren, weil niemand wusste, wer hier einsitzt, wie viele es sind.

Nur ein einziges Mal sei er bei einem Verhör dabei gewesen - "als bewaffneter Wachmann", wie er sagt. Und dann erzählt Provance von dieser Nacht, wie er in ein Verhörzimmer gerufen wurde und plötzlich vor diesem 16-jährigen Jungen stand - nackt, zitternd und so dünn, dass die Handschellen nicht passten. Erst später erfuhr er, was passiert war. Dass ein ehemaliger Saddam-General nicht reden wollte. Dass sich die US-Soldaten darum seinen Jungen schnappten, ihn mit Wasser übergossen und mit Matsch beschmierten. Dass sie ihn auf einen Pick-up warfen und mit ihm Stunden durch die kalte Nacht fuhren. Dass sie den zitternden Jungen dann dem Vater präsentierten und der Vater dann gesprächsbereiter war - nach seinem Zusammenbruch.

Es gehe ihm nicht darum, seine Kameraden anzuschwärzen, erklärt Provance. Es gehe ihm um die Wahrheit, um nicht mehr und nicht weniger. "Ich bin schon immer auf der Suche nach der Wahrheit gewesen", erklärt er. "Auch wenn ich mir damit noch nie Freunde gemacht habe. Aber ich habe schon als Kind gelernt, nur mir selbst zu vertrauen, ich bin halt ein Einzelgänger."

Und er ist zäh. Provance will den biblischen Kampf von David gegen Goliath im 21. Jahrhundert noch einmal gewinnen. Die wahren Ausmaße des Abu-Ghraib-Skandals würden geleugnet und vertuscht, behauptet er kühn. Das US-Verteidigungsministerium versuche, die Rolle des Militärnachrichtendienstes bei den Misshandlungen herunterzuspielen und die Schuld auf einige unbedeutende Militärpolizisten abzuwälzen. Um dieses "Cover-up" aufzudecken, hat sich der Unteroffizier aus dem idyllischen Williamsburg in Virginia dem "Dont talk"-Befehl seiner Vorgesetzten widersetzt und als Verstärkung die Medien mit in den Kampf gebracht.

In den vergangenen Wochen hat Provance dem US-Nachrichtensender ABC News, der Washington Post, der New York Times und der Los Angeles Times mehrere Interviews zur Rolle des Militärischen Nachrichtendienstes bei den Folterungen in Abu Ghraib gegeben. Seine Vorwürfe werden in die ganze Welt getragen und in diverse Sprachen übersetzt. Man nennt ihn einen Whistle-Blower, einen, der in die Trillerpfeife bläst, bis ihn keiner überhören kann. Jetzt steht er im Rampenlicht und er scheint es zu genießen. Jeden Morgen googelt er seinen Namen im Internet und klickt sich durch die neuen Frontberichte.

Doch die mächtigste Armee der Welt lässt sich nicht ungestraft vorführen, schon gar nicht von einem Verräter aus den eigenen Reihen. Der Gegenschlag folgte umgehend. "Ich bin in eine andere Einheit versetzt worden und kann nicht mehr befördert werden", erzählt Provance. "Meine Kollegen schneiden mich und meine Rechtsanwälte befürchten, dass ich wegen Befehlsverweigerung vor ein Militärgericht geladen werde." Der massive Druck scheint Provance nicht sehr zu verstören. Er lächelt friedlich, bestellt sich noch einen Kaffee und wirkt, als würde ihn das alles in seinem moralischen Überlegenheitsgefühl geradezu bestärken.

Schon als Jugendlicher habe er sich mit seiner Umwelt angelegt, sagt er. Ohne Rücksicht auf Verluste, nur der inneren Stimme folgend. Mit 16 zog er von zu Hause aus, weil er sich von seiner Mutter vernachlässigt fühlte und sich mit ihrem Liebhaber prügelte. "Ich habe die High School abgebrochen und bei Dunkin Donuts gearbeitet", erzählt er. Dann kam seine religiöse Phase. Er trat der christlich-fundamentalistischen Green Springs Pentacostal Church bei und widmete sich ganz seinen Bibelstudien. Frauen waren tabu, er lebte zurückgezogen wie ein Mönch. Die Gemeindeobersten waren von seiner Frömmigkeit so entzückt, dass sie ihm ein Stipendium für das Holmes Bibel College in Greenville, South Carolina, andienten. Provance sollte Prediger werden.

"Das Problem war, dass ich zu viele Fragen stellte, je mehr ich über Gott lernte. Irgendwann hab ich selbst die Existenz Gottes in Frage gestellt. Das war der Anfang vom Ende meiner Gläubigkeit." Es war auch das Ende seines Studiums am Bibel College. Die Kommilitonen schnitten Provance, als sei er der Leibhaftige in Person, und nach drei Jahren verließ er die Uni ohne Abschluss.

Doch seine persönliche Mission, die Suche nach der guten, reinen, puren Wahrheit, habe ihn weiter get...

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