Seine frühe musikalische Prägung erfolgt durch Kassetten mit dem Discosound der frühen 80er, auf den seine Schwestern stehen. Stevie Wonder, Michael Jackson, Madonna, der ganze Popkram der etwas biederen, aber relativ sorgenfreien Epoche eben. Durch seine Familie bekommt er natürlich auch viel türkische Musik mit. Irgendwann fällt ihm Ice Cubes „AmeriKKKas Most Wanted“ in die Hände, andere übliche Verdächtige wie Public Enemy, 2Pac und die Geto Boys folgen.
Die ersten Versuche auf Deutsch zu rappen lassen Ercan ziemlich kalt. Er ist weder im Besitz eines grünen Passes mit goldenem Adler drauf noch durch ‘Wildstyle’ und ‘Beatstreet’ zum Breaken inspiriert worden - von einer eventuellen Mitgliedschaft in der Zulunation ganz zu schweigen.
Daß er dennoch seit 1993 auf den verschiedensten Jams unterwegs ist, hat einen anderen Grund: Das Graffitifieber hat ihn gepackt. Seine Helden heißen Mode2, Can2 oder Atom. Es ist die Zeit, als Writer wie Atom und Chintz Dortmund zur Hochburg des Hardcore- Bombings machen. Die Stadt glänzt vor Silberpieces, glüht vor Hitzerotoutlines, überall fahren Wholecars, erstrecken sich E-2-Es, ragen Rooftops in den Himmel und verzieren Tags, Tags und nochmals Tags die Wände. Zusammen mit zwei Freunden startet Ercan richtig durch, zunächst in Wesel, dann in den umliegenden Städten. Obwohl man es nicht gerade zum deutschlandweiten Fame bringt, sind Ercan und seine Freunde äußerst zielstrebig und fanatisch bei der Sache.
Zwischen 93 und 95 wendet sich Ercan von der Graffitisache ab und verstärkt dem Rappen zu. Mit seinem besten Freund Sedat gründet er eine Rapcrew, die heute allseits bekannten ABS. Über den Bruder des DJs Salicious lernt man das damalige Management von Too Strong kennen, das die Lage sofort erkennt: Da sitzen ein paar unerfahrene Schüler, die einfach nur Sound machen wollen. Für damalige Verhältnisse verdammt guten Sound nebenbei bemerkt, immerhin wurden die ersten beiden Singles jeweils zur „Maxi des Monats“ in der Juice gekürt. ABS bekommen einen Deal, sind im Game, geben Autogramme, kriegen Klamotten geschenkt und lernen viele Leute kennen.
Die Debüt- LP von ABS „Kinderspiel…leichter getan als gesagt“ erscheint 2000 über BMG Köln und chartet auf Platz 46. Alles in Butter, könnte man meinen. Ist es aber nicht. Aufgrund ihrer Blau-
äugigkeit haben die Jungs einen unvorteilhaften Vertrag unter-
schrieben, es folgt die Trennung von Uprock Records, letztlich auch von BMG, Anwälte, Stress - das Business in seiner unschönsten Form.
Als Konsequenz daraus wird ABS erst mal auf Eis gelegt wird und Ercan zieht sein Ding alleine durch. Er ist oft in Frankfurt und recorded mit Leuten wie Roey Marquis, Jonesmann, Illmatic, DJ Release etc.
1998 hört Ercan zum ersten Mal von Savas. Begegnet sind sich die beiden immer wieder mal, sei es in Frankfurt (in Zusammenhang mit den Aufnahmen für Roey Marquis) oder bei Auftritten von Savas im Ruhrpott. Der kompromisslose Style spricht Ercan nicht so recht an, ebenso denkt er, dass der ABS- Sound wohl eher nicht nach dem Geschmack des Berliners wäre. Die Kontaktaufnahme erfolgt nichts-
destotrotz im Winter 2001 über Eko, der Ercan anruft und ihn zum Videodreh nach Gladbach einlädt. Auch Savas ist vor Ort und Ercan gibt ihm einige neue Tracks mit. Wie das so ist, passiert zunächst gar nichts. Über ein Jahr später meldet sich Savas bei Ercan und will neue Rhymes von ihm hören. Zu seinem Interesse beigetragen hat auch die massive Mundpropaganda von Eko und Illmatic. Ercan fährt nach Berlin und, was sagt man dazu, die Chemie stimmt eben einfach. Ein paar Sachen werden aufgenommen und die Ercandize EP auf Optik ist nur die logische Konsequenz der fruchtbaren Zusammenarbeit. Der Ruhrpott ist eben nicht nur unendlich, sondern in seiner Zielstrebigkeit auch sehr schwer aufzuhalten.