Zeit: 15. Februar, in der frühen, stürmisch verschneiten Nacht
Ort: Renfrewshire, Rynedale Castle
Cast: Hanna Campbell, Blake Hawthorne
Hannas Schritte hallten auf den Hofsteinen, aber sie achtete nicht darauf.
In Eile rannte sie den Weg zur Hintertür, durch jene sie ins Haus zurück gelangte.
Ihr Haar war durchnässt von dem kurzen Aufenthalt draußen. Der Schnee fiel mittlerweile stärker, aber er schmolz zu unangenehm, kaltem Wasser, dass ihr den Mantelkragen hinunter in den Nacken rann.
Sie schüttelte kurz den Kopf in einer instinktiven Bewegung, um ihr Haar von der Nässe auf kürzestem Weg zu befreien, als ihre Nase Witterung aufnahmen von…
Aufsehend erkannte sie ihren Vater, der gerade die letzten Treppenstufen herunter geeilt kam.
Sie erkannte in der Art wie seine Augen ihren begegneten, dass er sie gesucht haben musste.
„Vater!“
Sie war froh Blake zu sehen.
Wie oft trieb sich dieser nicht des Nachts irgendwo in den Wäldern herum, ohne das jemand wusste wo sich Blake Hawthorne wieder hin verirrte.
In dieser Nacht wäre es eine Sorge gewesen, die Hanna kaum zu ertragen gewusst hätte.
Die Gefahr in die ihr Vater hätte geraten können, ohne von der Bedrohung zu wissen…
Hanna glaubte nicht, dass sie ohne ihn hätte fahren können, wenn sie nicht darum gewusst hätte, er war sicher.
Jetzt drückte sie ihren Vater kurz umarmend an sich.
Hanna wusste darum, Blake mochte weder all zu überschwänglich deutliche Zärtlichkeiten, dieser Art, noch, wenn man ihn Vater nannte.
Sie nahm sich heraus beides immer wieder dann zu tun, wenn sie es für notwendig erachtete.
Gerade war so ein Moment.
Als sie sich von ihm löste sah sie ihm kurz in die Augen, ahnte bereits welche Frage sie darin erkennen konnte.
„Keith ist sicher. Er ist schon im Wagen bei Elise. Ich habe ihm gesagt er soll dort auf mich warten.“
Ihre Ohren bebten empfindlich, als sie meinte nahende Geräusche zu hören, die ihr viel zu nah schienen.
„Ich muss in die Küche. Wir brauchen Lebensmittel, etwas zum Kochen, eine Lampe, Handtücher und noch Decken.“
Sie sah zu Blake.
„Kommst du mit, mir helfen?“
Stimmung: :hug:
Die Augen noch immer von der Überschwänglichkeit Hannas zusammengekniffen, betrachtete Blake skeptisch, inwiefern seine Tochter seine Gedanken zu deuten wusste.
Er gab keinen Hinweis darauf, dass er womöglich nach Keith gefragt hätte.
Der ältere Wolf lenkte dennoch nickend ein, während er auf ein Neues feststellte, wie unterschiedlich Hanna und ihr Mann waren.
Vollkommen verschieden. Er folgte Hanna in die Küche, dabei sah er James ohne Tom an seiner Seite und vermutete, der alte Wolf war ausgeritten, um Blakes Behauptungen zu prüfen.
Dass sein Cousin seinen Worten keinen Glauben schenkte, traf Blake schon ein bisschen, aber keinesfalls so sehr, dass man es ihm hätte in seinen Zügen angesehen. Viel eher sah er zu Hanna, die tiefer in die Küche getreten war und sich eifrig daran machte, vorhin Aufgezähltes zusammen zu packen.
Er stand für ein paar Momente im Eingang und wartete, dass Hanna ihm sagen würde, was sie für ihn zu tun hätte. Denn wenn etwas feststand, dann das Blake schon längst aus Rynedale verschwunden wäre, ginge es nur um ihn.
Stimmung: :shame2:
Cast-Erweiterung um: James Hawthorne, Tom Felton, Ryan Campbell
Hanna griff eilig nach zwei großen Säcken aus grob gewebtem Stoff.
In den einen beförderte sie klappernd, der Eile wegen, und dennoch so vorsichtig wie sie es vermochte Kochgeschirr und ein paar Schüsseln und Becher.
Einen Blick über die Schultern werfend, erkannte sie das Blake noch immer am Türrahmen stand.
Sie beobachtete ihren Vater für einen Moment und konnte deutlich spüren, was in dem Mann vorging.
Blake war gut darin sich oder seine Gedanken zu verbergen, aber als seine Tochter kannte sie ihn besser als er vermuten würde.
Ihr war durchaus bewusst, dass dies eine Situation wäre in der Blake längst über alle Berge wäre.
Das er es nicht war, zeugte letzen Endes nur davon, dass er sowohl seine Kinder als auch das Rudel mehr liebte, als der alte Wolf zugeben würde.
Hanna nahm an, dass sie nicht die Einzige war, die darum wusste, aber wahrscheinlich war sie die Einzige, die es auch laut dachte.
Lächelnd deutete Hanna auf ein Regal nahe der Tür.
„Da liegen Tücher und warme Decken. Du kannst sie zum Wagen bringen.“
Sie wartet nicht auf eine Antwort, widmete sich stattdessen der Vorratskammer. In einen kleineren Beutel fanden sowohl Kräuter für Tees, als auch Gewürze fürs Essen den Weg.
In den Größeren verstaute Hanna nur Lebensmittel, die sie auf der Fahrt benötigen konnten und an die sie nicht kommen würden.
Brot und Käse, Pökelfleisch ein wenig Gemüse. Mehl zum Backen und vor allem Hafer für Haferspeisen. Marmelade und eingekochtes Obst zum Abschmecken.
Das musste genügen.
Den Sack zubindend sah sie wie Blake wieder die Küche betrat.
Sie musste ihren Vater nicht fragen, um zu erkennen, dass er sie anmahnte sich zu beeilen.
Sie reichte ihm den Beutel mit dem Geschirr, nahm selbst den mit den Lebensmittel und band sich den Kleinen mit den Tees um den Gürtel ihres Mantels.
Als sie die Küche verließen, sah sie wie James, Tom und Ryan zusammen standen und sich unterhielten.
Sie sah an der Körperhaltung der Männer wie angespannt sie wirkten.
Hannas Blick glitt zur Treppe.
Charly und Robert kamen gerade am obersten Absatz an und begannen quälend langsam Stufe um Stufe zu nehmen.
Dabei versuchte Robert trotz der beiden Koffer seiner Frau zu helfen.
„Gib mir das.“
Sie nahm Blake den Sack aus der Hand und deutete zu Robert.
„Nimm Rob die Koffer ab, damit er Charly helfen kann und bring sie zum Wagen.“
Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, als etwas durch die Scheiben geflogen kam.
Das Fenster über der Treppe, das eingeschlagen worden war klirrte und Charlys Aufschrei mischte sich mit dem Zusammenzucken aller Anwesenden.
Bevor Hanna hätte nachfragen können, vernahm sie Ryans Stimme, der sie anwies endlich zum Wagen zu gehen.
Hanna sah nur kurz in die angespannten Züge ihres Mannes bevor sie zur Hintertür lief.
Stimmung: :scared:
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„James!“
Tom Felton rief den großen Mann, der über eine Schatulle gebeugt etwas zu suchen schien. James benötigte einen wichtigen Schlüssel für den versteckten Schrank, der in die Steinmauern eingelassen war. Die Atemlosigkeit Toms konnte er dennoch nicht überhören. Er ließ seine Hand ein letztes Mal bestimmt durch die Schatulle suchen und stieß auf den kleinen Messingschlüssel.
„Was hast du zu berichten?“, fragte er hastig im Vorbeigehen und widmete sich dem Abhängen eines großen Gemäldes, das seinen Urgroßvater zeigte.
„Sie kommen, James!“ Tom war neben seinen Herrn getreten. „Und sie sind nicht aufzuhalten….“ Er schüttelte den Kopf, als James einen fragenden Blick zu Tom warf, um herauszufinden, wie ernst es um sie stand.
„Nein, nicht… Wer immer sie gegen uns aufgebracht hat…“ Tom schnappte nach nötiger Luft, obwohl er nicht der Mann war, der schnell in Aufregung versetzt werden konnte. James widmete sich mit schnellen Griffen dem Öffnen des Vorhängeschlosses, das einen ausgeklügelten Verschlussmechanismus aus Italien besaß.
„Was immer diese Menschen treibt, James… Sie wollen uns tot sehen.“
Die Endgültigkeit, mit der sein Lehrer Tom das aussprach ließ James für einen Moment erstarren.
Soweit war es also gekommen.
Er atmete tief und hastig ein, unterdrückte damit menschliche Regungen, die ihm sagten, es war nicht die Zeit für Gedanken. Er könne sich jene später machen. Im Augenblick hieß es viel mehr, zu retten, was zu retten war.
Er griff beherzt nach den Samtbeuteln, die er vor seine Brust in das halboffene Hemd stopfte. Er band die obersten Schlaufen zusammen und nickte Tom zum Zeichen zu, er wäre fertig. Die beiden Männer verließen den Salon, indem sie sonst alle beisammen saßen, Portwein tranken, Pfeife rauchten und Karten spielten.
Bevor er den Raum verließ, griff er nach einem Wintermantel, streifte ihn im Gehen über.
„Tom, wie viele sind es? Können wir….“
Tom hielt inne, sah James eindringlich an. „James, du verstehst es nicht. Es wird keinen Zweck haben.“
Erst jetzt fiel ihm die Platzwunde an Tom Feltons hoher Stirn auf, aus der Blut seine Schläfe entlang auf seinen Morgenmantel tropfte.
“Tom?“, fragte James ernst und wollte beginnen sich die Wunde näher anzusehen. Tom, aber wehrte seinen Arm ab.
„Wir haben keine Zeit. Es ist nichts!“ Tom blieb ernst. „Aber beinah hätten sie mich erwischt.“
James nickte, als wolle er sagen, man sah es dem zähen Werwolf an, dass er mit dem Leben davon gekommen sei. Nicht mehr und nicht weniger. Beide Männer gingen die Treppe hinunter in die Eingangshalle, James hatte Robert zuvor die Hand auf die Schulter gelegt und ihm zugeflüstert, er solle sich beeilen. Seine Cousine musste unbedingt zum Wagen gelangen.
Das Geschrei der Menschen aus Inverton war deutlich zu hören. Sie waren vor den Toren Rynedales.
James und Tom sahen sich an, doch James musste nicht fragen, was sie jetzt tun würden. Tom ergriff das Wort.
“Wir werden sie nicht ablenken können James, dieses Mal nicht. Ich habe so etwas schon mitgemacht, aber noch nie waren die Menschen so überzeugt davon, uns tot sehen zu wollen.“
„Aber wer kann dafür verantwortlich sein?!’“ James Stimme schwoll ungehalten an. Er sah sich um.
„Wir schaffen vor allem die Frauen weg. Keith soll bei ihnen bleiben“
Tom nickte einverstanden. „Und was hast du vor, um Rynedale zu verteidigen?“
Er fragte, ohne dass James es zuvor so klar ausgesprochen hatte. Ablenkend trat Blake zu den beiden, nachdem er aus einem Fenster auf den Mob gespäht hatte. James nachdenkliche Mine wurde grimmig.
„Also, was hast du vor, Neffe?“ Blake lächelte, die Arme verschränkt und wartete auf James Antwort. Der wandte sich an Tom.
„Wir können die Burg nicht verteidigen, oder?“ Tom schüttelte vernichtend gewiss den Kopf.
Ohne dass James es bemerkte, trat auch Ryan zu ihnen. Er sah mit angespannter Mine in die Runde, nachdem er eine Holztruhe neben sich auf den Steinboden gestellt hatte. Die Arme auf dem Rücken verschränkt, wirkte seine Haltung ungebrochen. Die blauen Augen von James lagen für einen Moment erneut auf den drei Gesichtern der Männer, denen er vertraute, die er lange kannte, die sich seinem Respekt sicher wähnen durften.
„Wir wissen was zu tun ist.“, durchschnitt Ryan das Schweigen.
Tom stimmte ihm zu. „Wir haben es so besprochen.“ Beide Männer sahen zu James und der nickte nun ebenfalls zögernd. Die zerschlagenen Scheiben, durch die kalte Nachluft und Todesrufe drangen, waren das Signal.
Sie waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Ryan griff nach der Truhe, nickte verabschiedend zu jedem der drei Männer in der Runde. James hätte ihm gern gesagt, er solle auf Elise aufpassen. Jeder Gedanke an sie schmerzte in seinem Kopf. Es brannte, einen Abschied womöglich schon so nah zu wissen. James sah der groß gewachsenen Gestalt von Ryan Campbell nicht hinterher, die im Schatten des Hinterausganges verschwand.
Seine Augen lagen unter seinen zusammengezogenen Brauen im Dunkel der Nacht.
„Blake, du gehst in den Westflügel. Tom, positioniere dich auf dem Dach.“ Er visierte Blake an. „Ihr macht soviel Eindruck, wie möglich. Ich schinde die Zeit und versuche sie vom Hintereingang wegzulenken.“ James Atem klang schwer, dennoch auch entschlossen.
Er glaubte, ihr Blut wieder in seiner Kehle zu schmecken und schloss die Lider. Bevor die Farbe seiner Augen aber wechselte, spürte er einen festen Griff aus seiner Schulter.
Er öffnete die Augen irritiert.
“Geh schon.“, wies sein Onkel ihn an. „Mach, dass du verschwindest.“
James schüttelte überzeugt den Kopf. Seine Stimme war seinem Onkel gegenüber warm, wie es nicht immer der Fall war.
„Nein Blake! Auch wenn sie wegen dir kommen…“ Er legte seine Hand auf die schmale Schulter seines Onkels. „Wir stehen zusammen.“ James sah, sich vergewissernd nach Tom um. Der stand nahe den Fenstern und trat einen brennenden Pfeil aus, der durch ein gebrochene Scheibe geflogen war.
„Wir müssen uns beeilen.“, mahnte er und lief in die Waffenkammer, an James und Blake vorbei. Blake lachte unernst und schlug James Arm von der Schulter.
„Werd vernünftig, Junge.“
Diese Formulierung machte James in wenigen Sekunden erneut zornig und er glaubte daran, dass dies das verfolgte Ziel seines Onkels gewesen war.
Doch Blake schien anderes im Sinn.
„Hau endlich ab!“, befahl er schroff. „Versteh doch! Wir können dich hier nicht gebrauchen.“ Er stieß James in Richtung Ausgang. „Mach schon, bevor es zu spät ist. Das ist meine Sache! Tom ist hier.“
„Hör auf so einen Unsinn zu reden!“ Er schlug Blake gegen die Brust, so dass der hagere Wolf zwei Schritte rückwärts ging, um sein Gleichgewicht zu halten. Sofort lief er wieder auf James zu.
Er hielt so aufgebracht, wie James seinen Onkel noch nicht gesehen hatte, vor ihm inne und sah ihm eindringlich drohend in die Augen.
„Hier ist alles verloren, Junge! Kapier das endlich! ... “ Blake holte weit gefasst Luft, richtete seine Augen dann wieder auf ihn. „Geh und rette dich und unsere Familie oder bleib hier und opfere dich für meine Dummheit!“
James Augen weiteten sich, denn selbst das überzeugte ihn erst mit jeder weiteren verstreichenden Sekunde.
„Blake…“
Der schob ihn in Richtung Küche, redete auf ihn ein. „Lauf schon! Hier hat es keinen Zweck mehr. Geht nach London, zu John! Der weiß, was zu tun ist….“
„Nein, ich kann nicht.“
Blakes mahnender Blick traf auf James Augen. Und in dem Moment, in dem Tom Blake zu sich rief, nickte auch James verstehend.
Die alten Wölfe hatten alles von Anfang an geplant. James Abschiedsgruß war kurz und dennoch feierlich.
„Onkel.“
„Earl.“
Ohne ein weiteres Wort, eine weitere Geste kehrte James Rynedale den Rücken. Sein Schritt wurde immer schneller, schließlich empfing ihn die stürmisch kalte Februarnacht, der Heuwagen war nicht mehr auf dem Hof.
Seine Augen erkannten dessen Silhouette in der Dunkelheit. Er warf einen flüchtigen Blick über die Schulter, während seine Stiefel ihn weiter über die graue Schneedecke, den schmalen Feldweg entlang führten, auf dem der Radstand des Wagens nur mit genauer Führung platz fand.
James Hawthorne zwang sich, nicht genauer hinzusehen, womöglich Tom oder Blake erkennen zu wollen. Erste Flammen, die an den Außenmauern ihres Zuhauses empor leckten, sollten nicht das Bild prägen, das er von Rynedale in Erinnerung behalten würde.
Stimmung: :whiteflag:
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