Noctor - 05.09.2005 - 18:35
Teil 1 - Die Jagd
Silbernes Mondlicht drang auf die Ebene und ließ den dort entlang wabernden Nebel zu gespenstischen Formen verschwimmen. Man hörte kein einziges Geräusch, bis auf das Schlagen der Hufe eines schnell näherkommenden Pferdes. Diese Hufe gehörten dem braunen Hengst, der in wilder Flucht durch die Nacht preschte. Auf ihm saß eine vermummte Gestalt. Ihr gesamter Körper war in schwarze Tücher gehüllt und sie lehnte sich weit über den Hals des Tieres. Kurz schaute sie nach oben, wie als erwarte sie einen Angriff aus dem klaren Sternenhimmel. Doch nichts geschah. Das Fell des mittellreichischen Pferdes war schweißnass, doch durch das Licht des großen Nachtgestirnes erschien es wie eine heilige Aura, die das Pferd umgab, wäre da nicht der Schaum gewesen, der ihm in immer mehr werdenden Blasen aus dem Maul trat.
Doch plötzlich passierte es tatsächlich! Eine riesenhafte Kratur schoss aus den Wolke auf Reiter und Reittier hinab. Sie war vorher nicht zu sehen gewesen, kein Wunder, denn es war einer der Dunkeldrachen. Sie jagten nachts und waren in der Dunkelheit fast nicht zu erkennen. Im letzten Augenblick riss der Reiter sein Pferd herum und entging nur haarscharf den Klauen dieser Bestie. Sie blickte hinter sich, doch nicht der Drache war das Ziel ihres Blickes, sondern sein Rücken. Dort konnte er zwar nichts ausmachen, doch er wusste, das er dort saß und den Drachen unter seiner Kontrolle hatte!
Mit einer Eleganz, die man diesem riesigen Wesen gar nicht zutrauen würde, schoss es herum und öffnete sein Maul um den todbringenden Feueratem auszustoßen. Wieder riss die Gestalt das Pferd herum und sprang über den Pferdekopf ab und rollte sich auf dem Boden ab. Keine Sekunde zu früh, denn nur kurz nach dem der Flammenstrahl den Boden hinter ihr versengt hatte und die Hitze noch immer stechend heiß zu spüren war, rissen die Klauen des Monstrums das Pferd mit sich in die Höhe. Weit entfernt hörte die am Boden liegende Gestalt ein angstvolles Wiehern, das jedoch abrupt durch das Geräusch reißenden Fleisches unterbrochen wurde. Kurz darauf erschall ein donnerndes Brüllen. Die Bestie schraubte sich in einer fast senkrechten Spirale auf den Gestürzten zu! Und doch bekam sie die Gestalt nicht zu fassen, stattdessen sprang diese mit einem gewaltigen Satz hoch und klammerte sich an den langen, schuppigen Hals des Nachtdrachen! Behände schwang sie auf den Hals und rutschte auf dessen Rücken. Wütend kreischte der Nachtjäger und versuchte sie mit seinen Klauen zu fangen, doch war schon auf dem Rücken des Drachen und sah nun auch endlich dessen Lenker. Er saß auf dem Rücken und hatte Zügel in der Hand, die zweifellos zum Kopf des Leviathan führten.
„Xartes! Warum jagst du mich mit einem Drachen? Lass uns den Kampf fair entscheiden – auf festem Boden, als Zweikampf!“ Die Stimme des Sprechers klang stark und entschlossen, dennoch konnte man deutlich hören, dass es sich um eine Frau handelte. Die sah man erst recht als sie die Kapuze nach unten schlug und ein weibliches, trotz allem aber sehr kriegerisches Gesicht zu Vorschein. Die Haare waren zu einem kurzen Zopf geflochten, der ihr gerade bis kurz über die Schulter reichte.
Ihr Gegenüber wollte zu einer Antwort ansetzen, die jedoch vom Brüllen des Drachen verschluckt wurde. Gleichzeitig legt sich der Drache, der bis eben nahezu waagerecht durch die Nachtluft geflogen war, in eine Schräglage, sodass die Kriegerin sich wieder an seinem Hals festhalten musste. Als sie sich jetzt wieder auf den Rücken dieses riesenhaften Tieres schob, war sie vorsichtig genug, sich weiterhin am Hals der Bestie festzuhalten. Diese jedoch hielt schon auf den Boden zu und war kurz darauf gelandet. Schnell sprang die Frau von dessen Rücken und trat ein paar Schritte zurück. Auch der Drachenreiter stieg ab. Er trug eine beschlagen Lederrüstung und zog nun noch zwei Valdris. Er ließ die Halbmondklingen spielerisch durch die Luft kreisen und ging in Kampfstellung.
„Nun mach schon, Iriande! Du wolltest einen fairen Zweikampf am Boden? Du sollst ihn bekommen!“ Iriande streifte sich ihre schwarzen Kleider vom Leib, worunter ein beschlagener Lederharnisch zum Vorschein kam. Ihre Füße steckten in weichen Stiefeln, die bis über zu den Knien gingen. Sie zog das Schwert aus Askit, einem seltenen, gast unzerstörbaren, magischen Kristall und ließ es mit einem zischen durch die Luft sausen. „Fangen wir an!“
Eine starke Böe ging über die beiden hinweg, als sich der Drache erhob, um davonzufliegen. Sobald er außer Reichweite war, stürmten die Gegner aufeinander zu und ihre Waffen prallten aufeinander...
Werde das auf jeden Fall fortsetzen...
Noctor - 06.09.2005 - 22:42
Teil 2 - Rückkehr
Es wurde bereits morgen, doch noch immer war kein Sieger zu ermitteln. Beide Kämpfer standen sich erschöpft gegenüber und jeder wies mehr oder weniger schwere Verletzungen auf. Blitzschnell stürzte Iriande nach vorne, ihr Schwert an der Seite, wie zum Stoß erhoben. Doch kurz bevor sie ihren Widersacher erreichte duckte sie sich um schlug in einem Bogen auf sein Bein zu. Im letzten Moment gelang es Xartes ihre Klinge mit der seinen zu parieren und hastig zurück zu springen. Noch während dies geschah hob er sein Valdris und stieß auf seine Gegnerin am Boden ein. Diese jedoch rollte geschickt zur Seit und sprang auf. Wieder kreuzten sich die Klingen der Kämpfer.
Keuchend umkreisten sie sich. Iriandes Zopf war im Laufe des Kampfes halb aufgegangen und ein Teil ihrer Haare kräuselte sich nun wild um ihr Gesicht. Ihr Gegenüber dagegen hatte eine Glatze mit einem tätowierten, roten Pentagramm auf ihr und starrte sie aus hellgrünen Augen finster an. Seine Brust bebte und die Halbmondklingen an seinen Händen hingen nur lose herunter. Davon sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Als erfahrene Kämpferin sah Iriande, dass sein gesamter Körper angespannt war und er seine Klingen blitzschnell nach oben reißen konnte um zu parieren! Auch Iriandes Brust bebte. Sie jedoch hatte ihr Schwert leicht erhoben, da ihr Gegner mit zwei Klingen zuschlagen konnte. Aus ihrem wolfsgrauen Augen fixierte sie die Klingen in seiner Hand, ohne jedoch den Rest seines Körpers außer Acht zu lassen. Im Laufe der Nacht hatte sie mehrmals versucht, ihm eine der Klingen aus der Hand zu schlagen, es war ihr jedoch nicht gelungen. Diesmal setzte Xartes zum Angriff an, doch darauf hatte Iriande gewartet. Auch sie stürmte nach vorne, ließ sich vor seine Füße fallen und tauchte somit auch unter den Valdris des Angreifers hinweg, nur eine Klinge schnitt ihr leicht in die Haut am Rücken, doch davon ließ sie sich nicht beirren. Im Sturz noch riss sie ihr Kristallschwert nach oben und riss dem noch immer nach vorne torkelnden Xartes eine tiefe Fleischwunde im Oberschenkel, schmiss sich mit ihrem Schwung gegen sein anderes, unverletztes Bein und riss ihn somit von den Füßen.
Der Niedergeworfene schrie auf, sowohl aus Wut als auch aus Schmerz. Schnell war Iriande wieder über ihm und hielt ihn mit ihren Stiefeln auf dem Boden. Über seinen Nacken hatte sie ihre Schwertspitze. „So geht es zu Ende, Xartes! Jahrelang haben wir uns gejagt, du hast mich gejagt, weil ich deinen Vater getötet habe und ich dich, weil du ein Jäger bist, der niemals aufgibt und eine Gefahr für mich und meinen Clan darstelltest. Doch nun hast nicht du deine Rache bekommen, sondern den Tod gefunden! Euer gesamter, dämonischer Clan wird dein Schicksal teilen, dessen sei dir sicher!“ Mit diesen Worten hob sie ihr Schwert und rammte es ihm durch den Hinterkopf mit solcher Wucht in den Schädel, dass es vorne wieder austrat und bis zum Schaft darin steckte. Der Kriegerprinz war sofort tot!
Langsam zog sie ihr Schwert wider aus dem blutigen Schädel und wischte es an seiner Weichlederhose ab. Erschöpft ließ sie sich neben die Leiche ihres Erzfeindes fallen. Das Gras war ein wenig feucht vom Morgentau, doch das störte sie wenig, sie begrüßte die wohlige Frische des kühlen Taus sogar. Erst nachdem sie eine Weile so dagesessen und verschnauft hatte, machte sie sich auf den Weg. Der Drache hatte sie wieder ein wenig in die Richtung getragen aus der sie gekommen war und so musste sie nicht die gesamte Strecke bis zur nächsten Stadt zurück legen, doch auch so war es eine gewaltige Strecke. Erst in etwa fünfzehn Meilen würde sie das Gebirge erreichen, in welchem die gewaltige Zwergenzitadelle Aar-Tack lag.
Dort hatte sie Verbündete, die ebenfalls zu ihrem Zusammenschluss gehörten. Dieser Zusammenschluss war dafür verantwortlich, dass die vielen fanatischen Sekten oder gar die dunklen Hohepriester der Untoten nicht die Existenz der Allianz bedrohten. Vom uneingeweihten Volk wurden sie nur wispernd Schattenkämpfer genannt und die Schlachten und Kämpfe die sie schon seit Jahren kämpften waren mittlerweile zu einer Legende geworden, den Schattenkämpfen...