Vereinzeltes Jubeln drang aus dem Publikum, während die letzten Nachzügler verzweifelt nach ihren Plätzen suchten, im Halbdunkel über Beine und Flossen der bereits Sitzenden stolpernd.
"Ihr werdet euch sicher fragen: geht es denn überhaupt noch besser? Sind die vorherigen Kämpfe noch zu toppen? Ja, das sind sie! Waren sie bisher fair und ausbalanciert, so sind die Zusammenstellungen der Kontrahenten jetzt unausgewogen - scheinbar stehen manche von vornherein chancenlos da!"
Die Zuschauer - nunmehr vollzählig - raunten untereinander; von den hinteren Rängen kam ein lauter, anhaltender Buh-Ruf.
"Ja, so ist das Leben eines Gladiators! Er kann nie wissen, was auf ihn zukommt, welcher Herausforderung er als nächstes begegnen muss! Doch gerade das macht den Nervenkitzel aus! Und nicht zuletzt werden so die Legenden geboren! Scharfer Verstand gegen brutale Stärke! Formvollendete Technik gegen schiere Muskelmasse! Schnelligkeit gegen Unerbittlichkeit!"
In den Rängen kehrte Totenstille ein, als alle Augen dem Scheinwerfer folgten, der sich langsam auf den Arenazugang richtete. Anstelle eines raschen Trommelwirbels begann eine dumpfe Pauke zu dröhnen.
"Hochverehrtes Publikum ... Er ist zwar noch ein Frischling im Rund, doch nichtsdestotrotz ein erfahrener Kämpfer und unübertroffener Taktiker ... Ich präsentiere euch ... Sched Malaasi!!"
Der Schlag der Pauke schien mit Scheds Puls zu verschmelzen ... Ruhig und gleichmäßig. Das begeisterte Geschrei der Menge trat zurück, bis es sich zu einem leisen Rauschen reduziert hatte. Das Biest richtete die volle Aufmerksamkeit auf seinen Atem. Wie er durch seine Nüstern ein- und ausströmte ... sich die breite Brust hob und senkte ... Mit einem Mal nahm er seine Umgebung und seinen Körper viel klarer und gleichzeitig eigenartig distanziert wahr.
Schritt für Schritt, voller Gelassenheit, brachte er den mit Holzspänen bestreuten Korridor hinter sich. Die Augen kurz gegen das blendende Licht schließend trat er auf den Kampfplatz hinaus, sog die mit tausenden Gerüchen geschwängerte Luft tief ein und fühlte sich eins mit dem weichen Sand unter seinen Pfoten, den schwach schimmernden Wänden aus Vulkangestein, den jubelnden Zuschauern und seinem Gegner, der ein paar Meter hinter ihm, noch im Gang, seiner Vorstellung harrte.
Langsam hob er Bluttrinker und Blutdürster - seine Zwillingsäxte - über den Kopf, um sie dem Publikum zu zeigen und damit vertraut zu machen. Sie wieder sinken lassend, drehte er sich zu Bram um und nahm seine Kampfpose ein. So erwartete er ihn.
"Nun denn ... Gegen ihn tritt ein Veteran an, einer, der nach langer Pause wieder in die Arena gefunden hat und erneut zum Champion gekürt werden will! Diejenigen unter euch, die schon länger dabei sind, werden ihn sofort wiedererkennen - es ist der Riese aus dem Norden, der schneeweiße Donnerhuf ... Bram Olesond!!"
Sein Name war ausgesprochen, die Massen aufgeheizt und der Gegner in Pose.
Das große Donnerhuf konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, die Freude kroch seinen Hals empor, wollte hinaus geschrieen werden und sprengte mit seiner Intensität fast seinen Brustkorb.
Einen kurzen Moment wartete er noch, bis er hörte das die Zuschauermassen leicht ungeduldig wurden, wie das anhaltendende Gegröle und klatschen, verwirrtem murmeln und leichten Buhrufen Platz machte.
Dann stürmte er hinaus, die Schwarzen Hufe trugen ihn in einem langgestreckten Gallopp, direkt an seinem Gegner vorbei, in die Arenamitte.
Als das grelle Licht seinen Körper traf, wurde aus dem im Nebenraum noch mattem grauweißen Fell ein strahlend Weiß, das ihn umgab wie ein leuchtender Kokon aus reiner Unschuld
Und in dem Augenblick, als die Zuschauer noch die Hände hoben, um dem gelungenen Auftritt zu würdigen, stieg Bram laut Brüllend auf die Hinterbeine, zog in einer schnellen Bewegung seine zwei Äxte und reckte sie hoch in die Luft.
Das Tosen auf den Rängen, die leicht staubige Luft, das künstliche Arenalicht, all das saugte er in dieser Minute in sich auf, wie ein Durstiger der nach langer, lange Zeit endlich einen Krug Wasser gereicht bekam.
Doch als er sich wenig später wieder fallen ließ, ruhig jetzt und so harmlos wie ein Donnerhuf mit zwei Äxten eben sein konnte, war all das vergessen, rückte in den Hintergrund, verdrängt von der Konzentration die er für diesen Kampf benötigen würde.
Langsam drehte er sich zu seinem Kontrahenten um, etwa 5 Meter trennten sie von einander.
Die Äxte in einer scheinbar lockeren Position knapp über dem Boden, die Beine leicht gespreizt, schien er kaum zu Atmen. Nur seine Augen wirkten lebendig, denn in ihnen loderte ein kaum gestilltes Feuer. Leidenschaft!
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Was würde passieren, wenn er mit den Äxten genau zwischen die Augen des 'Riesen' treffen würde? Es wäre nicht das erste Mal, dass er sie als Franziska benutzte - sie waren leicht genug dazu. Doch gleich verwarf er die Idee wieder. Das wäre ja unfair. Außerdem bezweifelte er, dass er mit einem Blitzsieg die Gunst der Zuschauer auf seiner Seite haben würde ...
Er musste anders an die Sache herangehen.
Das Herumgefuchtle einstellend, zog er sich schön langsam ein ganzes Stück zurück, den Blick dabei fest auf seinen Kontrahenten gerichtet.
Bram runzelte ansatzweise die Stirn. Es gefiel ihm nicht derjenige zu sein der den Wettstreit mit einem Angriff begann aber ihm blieb wohl nichts anderes übrig, sollte dies eine gute Show werden. So Atmete er noch einmal tief durch, schloss probehalber beide Fäuste fest um die so vertrauten Holzgriffe und näherte sich dem Biest. Langsam, bis er auf drei Meter an ihn herangekommen war. Dann stemmte er seine beiden Hinterläufe kraftvoll in den weichen Arenasand und tat einen Sprung auf seinen Gegner zu.
Die Äxte kreisten von links und rechts auf das Ziel zu. In letzter Sekunde zog er die rechte Axt zurück um sie schützend vor die Brust zu halten. Reflexartig verlagerte er sein Gewicht dann auf die rechte Seite um die linke Axt kraftvoll durchziehen zu können und einen Vorstoß in Scheds rechte Flanke zu beginnen, sollte der versuchen Seitwärts auszuweichen.
Wollen wir doch mal sehen wie schnell er mit Körper und Geist ist. Die Bruchteile von Sekunden flossen an Bram vorbei wie klebriege Gewässer in seichter Lage, während sich all das wie Zeitlupe vor seinen Augen abspielte.
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Der Donnerhuf war schnell, aber nicht schnell genug. Sched rollte sich nach links ab, nutzte den Schwung, dem ihm dieses Manöver gab, und sprang hoch - während er gleichzeitig beide Äxte mit aller Macht in Brams Seite rammte.
Ein eisblaues Kraftfeld flackerte so hell auf, dass er davon beinahe geblendet wurde; lautes Summen begleitete das Auftreffen des Metalls.
Er kam mit beiden Hinterpfoten wieder im Sand auf, schüttelte sich und stolperte ein paar Schritte zurück, um nicht unter die Hufe zu geraten.
Autsch. Brams Seite schmerzte. Davon im Moment noch ziemlich unbeeindruckt wandte er sich wieder seinem Gegner zu und versuchte, dem etwas aus dem Gleichgewicht gebrachten Biest mit einem linken Axtschwung zu treffen. Ohne weiter hin zu sehen wusste Bram das er nicht treffen würde, was er auch nicht erwartete hatte. Dieses kleine Ablenkungsmanöver nutzend, ließ er Rechterhand die Axt vor seine Hufe fallen und griff in einer kreuzenden Bewegung zum linken Arm, nach einer der kleinen Metallplatten auf seiner Schulter. Sie glitt vom Halfter locker in seinen Handteller, die scharfe Schneide zeigte nach außen. Er warf sie. Die Schnelle Bewegung ließ sie rotieren, wie eine glänzender Blitz schoss sie auf Sched zu, traf nicht ganz das Ziel in der Kehlgrube und prallte hart an Scheds rechter Schulter ab. Das leuchten des Schutzschildes trübte sich langsam wieder und zeigte nun beide Kontrahenten, die sich grimmig gegenüberstanden.
Bram trat vorsichtig mit dem rechten hinterlauf auf. Der Treffer hatte einen Nerv leicht verletzt und hinderte ihn nun ein wenig. Entschlossen zog er seine Axt wieder aus dem Boden und grinste.
Knurrend wich er abermals zurück, und setzte nun doch den verworfenen Gedanken von eben in die Tat um: kaum sichtbar holte er aus und schleuderte Blutdürster nach dem Oberkörper des Stierzentauren, hoffend, ihn an einer empfindlichen Stelle zu treffen.
Die andere Axt, Bluttrinker, wanderte in seine linke Pranke, während er den Gegner scharf beobachtete, um bei einem Konter schnell reagieren zu können ...
Schulter samt Brustkorb bewegten sich zur Seite noch bevor Bram den Flug der Axt erahnen konnte. Wieder einmal retteten ihm seine Reflexe, die in all der Zeit außerhalb der Arenarunden, nicht eingeschlafen waren.
Allerdings musste er sich bei diesem Manöver auf seine rechten Hufe abstützen und knickte mit dem hinteren Lauf leicht ein. Mit Schmerzverzerrtem Gesicht richtete er sich wieder auf.
Sein Gegner hatte nur noch eine Axt in den Händen. Ein Vorteil den Bram zu nutzen Gedachte.
Schweiß perlte von seiner Brust und verklebte das weiße Fell unter dem menschlichem Leib.
Kurz blickte er zu den Massen empor. Die Zuschauer warteten gebannt auf den nächsten Zug der beiden Kontrahenten.
Noch langweilte der Kampf sie nicht und das war für das Donnerhuf, das in der Arena praktisch aufgewachsen war, das wichtigste.
Nun heftete er den kristallklaren Blick wieder auf seinen Gegner und versuchte dessen
Zustand abzuschätzen. Das Biest trug seine einzige Axt jetzt in der Linken, da die rechte Schulter zu schmerzen schien.
Bram versuchte den eigenen Schmerz auszuschließen, fühlte die schlanken so vertrauten Holzgriffe zwischen seinen geballten Händen und sammelte Kräfte. Dann, schnell, ohne die Bewegung erahnen zu lassen, schleuderte er die linke Axt gegen Sched und stürmet, vor neuerlichen Schmerzen leicht aufkeuchen, direkt auf den Gegner zu.
Die Augen weit aufgesperrt, zögerte er den Bruchteil eines Atemzuges. Was er dann folgen ließ, war verzweifelt und halsbrecherisch, doch die einzige Alternative, die im dazu einfiel, war sich in den Sand einzugraben und auf bessere Zeiten zu hoffen.
"Keine gute Idee!" presste er zwischen den Lefzen hervor, täuschte ein Abrollen an und sprang los, die Arme ausgebreitet.
Im nächsten Moment hing er halb über Brams linker Schulter, halb über dessen menschlicher Rückenpartie, und klammerte sich an den Haltegurten der nicht mehr vorhandenen Schulterplatte fest.
Lachen und Jubel ging durch das Publikum; jemand versuchte, einen Sprechchor zu starten: "Rodeo! Rodeo!"
Das war Demütigung. Wütend biss er die Zähne zusammen und stampfte mit den schweren Hufen auf. Seine gerade schwindende Kondition wurde durch die zornige Wucht des Adrenalins hinweg gespült und verdrängte sein bewusstes Denken. Das das in einem Kampf das völlig falsche war wusste Bram, doch sein Körper hatte die Kontrolle über seinen Geist übernommen.
Er Spürte das Biest quer auf seinen Rücken hängen, die Hände fest um die Schultergurte geklammert. Intuitiv griff seine linke Hand nach dem ledernen Zweckentfremdeten Zaumzeug um es so weit wie möglich vom Körper fortzuziehen. Die Schneide der Zweiten Axt glitt durch das Material wie Butter. Im gleichen Moment stieg Bram laut brüllend auf die Hinterhufe um das lästige Gewicht los zu werden und es unter den mächtigen Donnerhufen zu zerstampfen.
Der Sprechchor, von unzähligen Kehlen aufgenommen, ging mittlerweile durch die ganze Halle. Wenigstens die Zuschauer schienen sich prächtig zu amüsieren! Was man von den Gladiatoren nicht gerade behaupten konnte ...
„Reg...dich...ab“ drang es durch seinen benebelten Geist. Kurz lichtete sich das dortige Chaos. Die Schreie der Zuschauer, der Schweiß auf Brust und Nacken und der feste Klammergriff des Biestes drängten sich durch den Adrenalindunst zu ihm durch. Wie ein Komapatient der sich verblüfft seiner Situation bewusst wurde, kam er wieder blinzelnd auf den Boden. Gedankenlose Wut wurde von rechtschaffendem Zorn abgelöst. Er dankte dem Biest insgeheim für seine Worte, wollte sich aber so leicht noch nicht geschlagen geben.
„Glaub mir, das wird uns beiden weh tun“, knurrte er noch und setzte dann zu einem Halsbrecherischem Galopp, direkt auf die gegenüberliegende Arenawand an. Mit beiden Händen griff er nach den pelzigen Armen Scheds, nicht um dessen Griff zu lösen, wahrlich nicht. Sollte sein Plan gelingen musste Sched auf seinem Rücken bleiben.
"Du ... bist ... ja wahnsinnig!" stieß das Biest hervor, das allmählich das volle Ausmaß des Wahnsinns von Brams "Idee" zu ahnen glaubte. "So ... verlieren ... wir ... beide! ...HALT!!!"
Obwohl es dieses Mal ganz nah am Ohr seines Kontrahenten brüllte, erzielte es auch damit keine Wirkung. Die Wand kam unaufhaltsam näher.
In seiner Verzweiflung biss Sched, so fest er konnte, den Donnerhuf in die Partie zwischen Hals und linker Schulter, und stieß sich (nachdem er wieder losgelassen hatte) mit den Hinterpfoten von Brams Rücken ab. Es riss ihm zwar fast die Arme aus den Gelenken (jedenfalls fühlte sich das so an), doch er kam frei und landete nach einem improvisierten Rückwärtssalto im Arenasand, wo er erst einmal liegen blieb und nach Luft schnappte. Eine Axt - er konnte aus seinem Blickwinkel nicht einwandfrei erkennen, um wessen es sich handelte - lag ganz in seiner Nähe ... Er bewegte die Finger seiner rechten Pranke ('Autsch!') und streckte sie dann nach der Waffe aus. Noch ein paar Zentimeter ...
"Aber HALLO! Das nenn ich einen heißen Fight!" schaltete sich der Ansager ins Geschehen ein. "Wer hätte gedacht, dass das passieren würde? Doch nun sieht es aus, als habe Sched Malaasi genug! Bleibt er am Boden liegen?? Wird er ... he, was ist da los?"
Verwirrt blickten die Zuschauer einander an und rätselten über die letzte Bemerkung.
"Na sowas! Verstärkung! Da können es zwei Gladiatoren aber gar nicht erwarten! Dann herein mit euch!"
"He, Moment mal. Du kannst doch nicht einfach die Regeln ändern!"
"Und wieso das nicht? Den Leuten wird's gefallen! Wieso also ..."
"Mach das Mikro aus!"
"Finger weg ... von meinem Mikro!"
"Uff ...!"
Anscheinend entspann sich am Kommentatorpult ebenfalls ein "heißer Fight", von dem nun folgenden Krach und Geschimpfe auszugehen ... Sched rollte sich herum und versuchte herauszufinden, wer den Kampf unterbrochen hatte.
"Wuff!" entfuhr ihm, als er im Torbogen seine zwei noch übriggebliebenen Kollegen entdeckte. Was taten die da?
Zu spät erkannte Bram das Sched die unsichere Position auf seinem Rücken verlassen hatte.
Er konnte sein Vorhaben nicht mehr stoppen und viel nur zwei Fußbreit vor der massiven Mauer auf die Knie. Als er schwer auf dem Boden aufkam, knackten seine Gelenke hörbar und sandten kleine Feuersäulen durch seine Schenkel nach oben.
Benommen rappelte er sich wieder auf. Ein wenig wankend drehte er sich dann dem Arenarund wieder zu. Das Gezänke aus der Kommentatorenloge rauschte an seinen Ohren vorbei und machte im ersten Moment gar keinen Sinn.
Dann viel sein Blick auf die Tore, die nun geöffnet waren und zwei weitere Gladiatoren am Kampf teilnehmen ließen. Was taten die da?
Schnell sah er sich nach Sched um. Das Biest lag kaum vier Meter von ihm auf dem Boden und griff nach einer Axt. Selbst diese geringe Entfernung machten Bram im Moment Probleme und so ging er nur langsam auf Shed zu.
Sanuras Augen wurden mit jeder Sekunde größer. So hatte sie sich das eigentlich nicht vorgestellt. Hatte sie das gerade richtig verstanden?
Der Kampf zwischen den beiden ging jedenfalls vorerst weiter - es schien ordentlich zur Sache zu gehen. plötzlich packte sie die Begeisterung. Wenn sie noch etwas abbekommen wollte, musste sie sich wohl beeilen.
Im Laufen packte sie ihren Stab und zog ihn hervor. Dann stieß sie sich ab, erhob sich flatternd ein paar Meter und ließ ihn wie einen Propeller vor sich her rotieren. Ein paar Mal zog sie ihre Kreise in der Arena - zum Aufwärmen, sozusagen - sie klopfte Toren kurz im Vorbeifliegen mit dem Stab auf die harte Schädeldecke und wandte sich dann dem Geschehen in der Arena zu, auf einen günstigen Augenblick wartend.
Shed hatte sich nicht weiter bewegt und nun stand Bram genau über ihm. Das Biest lag mehr als das es stand. Also eine leicht Beute für den großen Donnerhuf und dennoch zögerte er. Unruhig tuschelte die Menge auf den Rängen während sie gespannt versuchten dem Geschehen zu folgen.
"Bram?" rief er deswegen halblaut, "Was hältst du von einem Bündnis? Nur kurz, meine ich. Bis wir die zwei in ihre Schranken verwiesen haben."
Die Gryl kicherte. "Was ist, seid ihr hier zum Reden oder zum Prügeln?"
Der Schlag traf, war allerdings nicht sehr heftig. Vielleicht hatte sich die Gryl auch nur zurück gehalten. Bram hielt sich nicht weiter mit solchen Gedanken auf und reichte dem Biest die Hand.
"Dann auf. Und last uns unsere Waffen einsammeln."
Ohne sie währen die beiden Gladiatoren ohne hin zum scheitern verurteilt und Bram brannte darauf beide Äxte wieder in den Händen zu halten.
Sanura beobachtete von einem erloschenen Kohlebecken aus wie die beiden ehemaligen Gegner einträchtig nach den Waffen griffen. Toren näherte sich ihr von der Seite, den Blick auf die beiden gerichtet.
"Naschön", quiekte sie und stieß sich ab. Nur ein paar Flügelschläge später landete sie auf dem Kopf der Salamanderin. "Was die können, können wir schon lange, was?"
Sie wartete die Reaktion nicht ab, sondern griff nach hinten und zog einen Pfeil aus dem Köcher. Erst als sie ihn einlegen wollte, fiel ihr etwas auf. "Oh-oh."
Er schüttelte sich kräftig und stellte sich breitbeinig hin, das Kinn herausfordernd gehoben.
"Na, dann kommt. Oder traut ihr euch nicht?"
Die Entscheidung kam schnell, aber durchdacht. "Wir teilen", schlug sie vor, überließ das größere Stück höflich der anderen und stieß sich von Torens Kopf ab, um sich aus einem elgeganten Bogen blitzschnell auf den Makar zu stürzen. Er drehte sich im Kreis und war gerade Bram und Sched zugewandt, sodass sie von hinten oben auf seinen Schultern landete. Dem Schwung und der Schwerkraft hatte er nichts entgegenzusetzen und das aufleuchtendes Energiefeld irritierte sie kaum noch.
Aber Sanura warf den Makar nicht einfach nur um, sie stemmte ihm die Beine ins Kreuz und drückte seine Ärmchen zu Boden, sodass er sich kaum noch bewegen konnte. Er war unbewaffnet, das hieß vermutlich, dass er sich auf andere Dinge verließ. Und sie wusste genau, wie gut Makari mit Alchemie umgingen.
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Damit hatte Ginko nicht gerechnet. Er hatte eigentlich darauf gewartet, bis einer der Kolose sich auf ihn stürzen würden aber DAS...? Jetzt kam noch einer, der ihm von der Größe zumindest ebenbürtig war. So überrumpelt, hatte er keine Möglichkeit gefunden, auszuweichen, und lag auch schon bäuchlings im Mulch. Er quäkte etwas vor sich hin, und strampelte mit den Beinen, was aber auch nicht wirklich viel brachte. Da kam ihm eine Idee: Er bewegte seinen Oberkörper und seine Arme immer wieder hin und her, um somit ein Loch unter sich zu graben, was ihm zumindest Zeitweise einen Vorteil verschaffen könnte. Dann bog er sich ruckartig in der Mitte, und sprang somit wieder zurück auf die Beine. In Panik rannte der Makar im Kreis herum, denn der Gryl wollte nicht wirklich loslassen. Schliesslich entschied er sich für einen Purzelbaum, den er prompt ausführte.
(Ihr wisst hoffentlich, wie ich das meine? Kennt wer Super Mario 64? So wie man Bowser am schwanz packt und rumwirbelt, so hab ich mir das gedacht....)
Irgendwo in seiner Nähe taumelte Sanura ein paar Schritte rückwärts. Sie hatte den Stab losgelassen, bevor der Makar wirklich Schwung aufgebaut hatte, trotzdem, wer so winzig war und eine ausgewachsene Gryl herumzuschleudern versuchte, hatte entweder ein Problem mit seinem Ego oder ein Ass im Ärmel.
Egal, er lag im Dreck und da sollte er auch bleiben. Sanura bleckte die Zähne, machte alle vier krallenbewerten Pfoten bereit und stürzte sich ein drittes Mal keifend, diesmal wieder von oben, auf den Gegner.
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Ginko sah den Gryl auf sich los sausen, und stellte sich breitbeinig hin, mit verschränkten Armen. Kurz bevor das Geflügelte Ungetum auf den kleinen Blattgnom auftraf, bückte sich dieser ruckartig, und nahm eine Hand voll Sägespäne in die Fäustchen, die er prompt in Richtung Grylkopf schleuderte. Mit etwas Glück würde sein Manöver klappen, und Sanura wäre geblendet, oder....ja,oder er würde ne richtige Breitseite bekommen.
Sie ächzte und schüttelte heftig den Kopf, einerseits um die Benommenheit, andererseits um die Sägespäne abzuschütteln. Als sie die Augen öffnete, bemerkte sie etwas Grünschwarzes unter sich.
Sanura stieß sich so kräftig sie konnte vom Bauch des Makars ab und flatterte ein paar Schritte zu ihrem Stab. Dann wandte sie sich, lässig den Staub davon abklopfend, wieder Ginko zu. Die Großen waren offensichtlich mit sich selbst beschäftigt. Obwohl ihr vom Aufprall ein bisschen der Kopf dröhnte, fühlte sie sich doch besser, als der Kampfzwerg es hoffentlich tat, den sie ob seines kaum vorhandenen Gewichts halb in den Boden gestanzt hatte.
Bram zwinkerte und erwachte aus seiner Erstarrung. Der Kampf der Beiden Zwerge hatte ihn gefangen genommen. So viel Leidenschaft fand er lobenswert.
Allerdings war ihm Toren in die Sicht gelaufen und hatte den Zauber zerstört. So viel unvorsichtigkeit seinerseits machte ihn wütend.
DUMM, schimpfte er mit sich selbst und machte sich an einen frontalen Angriff auf die Salamanderin zu volführen.
Im Grunde fand er die vorstellung Toren und Sched bei ihrem einkriegespiel zu beobachte amüsant, allerdings hatten die Zuschauer etwas anderes verdient.
Bram war froh beide Äxte wieder bei sich zu haben und der Krampf in seiner Seite hatte auch nachgelassen.
ECHSE, brüllte er und zeigte der Salamanderin das er wieder im Spiel war. Sie ohne Vorwahrnung anzugreifen wäre unfair gewesen.
"HA!" machte sie, die Arme gehoben zum Zeichen ihres phänomenalen Sieges. Im Publikum machte sich vereinzelter Applaus breit, zumindest bei denen, die ihrem Handgemenge zugesehen hatten, aber auch vereinzelte Buhrufe aus Makarecken, offensichtlich verärgert über das rasche KO. Tja, sollten sie eben stärkere Gegner in den Kampf schicken. Sanura hob die Nase in die Luft.
Kurz darauf folgte der Rest des Körpers. Wieder im Besitz ihres Stabes hielt sie es für eine gute Idee, sich erstmal einen Überblick zu verschaffen. Nach dem Makar war der nächstgrößte Gegner dran. Oder vielleicht auch gleich der allergrößte. Wozu falsche Bescheidenheit?
(Muhaha, Harakiri! Kamikaze! Und so! :D )
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Sched, der alles aus sicherer Entfernung beobachtet und sich dabei ausgeruht und gelockert hatte, ließ Bluttrinker in der Pranke rotieren, um dem Publikum zu signalisieren "Ich bin wieder da".
Scheinbar hatte er schon eine Fangemeinde gewinnen können, denn seine Geste wurde durch lautes Geschrei beantwortet. Eine Stimme jedoch hörte er deutlich heraus (er hätte sie unter Tausenden erkannt): "Du kannst das, Sched! Ich glaub' an dich!"
Kaela, seine Verlobte. Er schloss kurz die Augen und spürte, wie der liebliche Klang ihm Kraft gab.
Los jetzt. Er öffnete die Augen, wirbelte herum zur Arenamitte und sprintete los, auf die sich Umkreisenden zu. Auf dem Weg hob er Blutdürster auf ... und suchte sich die Gryl als nächste Kontrahentin aus. Es wäre feige, sich in Torens und Brams Kampf einzumischen. In einem gewissen Abstand blieb er stehen.
"He", rief er, um die Aufmerksamkeit der kleinen Fliegerin zu erhaschen. "He. Suchst du einen richtigen Gegner? Dann komm."
So aber lenkte die das Biest ab. Endlich eine Herausforderung. "Haha!"
Sanura ließ sich wieder in einen Sturzflug fallen und sauste auf Sched zu, diesmal jedoch wild trudelnd, um einer eventuell heranfliegenden kein Ziel zu bieten. Obwohl ihr ein bisschen schwindelig wurde, verlor sie ihr Ziel, Scheds Kopf, dabei nicht aus den Augen. Erst im letzten Moment warf sie sich zur Seite, fing den Sturz knapp vor dem Boden mit ausgebreiteten Flügeln ab, zischte an dem Biest vorbei und hieb mit dem Stab nach dessen Seite.
(Ja, aber er ist wirklich arg mitgenommen. Lange dauert's nicht mehr ;) )
Sein Gegenschlag kam zu langsam - und schnitt ohnehin nur durch leere Luft, denn Sched hatte das Täuschungsmanöver nicht vorhergesehen ... Toll, das bedeutete einen ordentlichen Bluterguss an der Stelle, wo der Bo seine ungeschützten Rippen getroffen hatte. Weniger elegant als ihm lieb war, fuhr er herum, auf eine neuerliche Attacke gefasst. Dieses Mal würde die Gryl es nicht so einfach haben ... hoffte er jedenfalls.
Sched schlug wie wild um sich und sie konnte kein System ausmachen, das ihr hätte nützen können. Die Gryl hatte wenig Lust, eine Axt auf den Schädel zu bekommen, Schutzschild hin oder her, und überlegte, ob sie ihn sich einfach austoben lassen sollte. Das konnte bei dem Kraftpaket aber lange dauern... außerdem wollte sie die Geduld des Publikums nicht überstrapazieren.
Sie wirbelte den Stab vor sich herum und verlor ihn beinahe, weil ihre Hände zitterten, aber ohne sich etwas anmerken zu lassen ließ sie sich erneut in einen Sturzflug fallen . Die Äxte zerschnitten fauchend die Luft vor ihr, als sie den Stab bereit machte, einerseits zur Abwehr, andererseits zum Schlag - je nachdem, was zuerst passierte.
Beides geschah gleichzeitig. Im gleichen Moment, in dem sie triumphierend ihren Sanuraschnellsturzschlag ausführen wollte, sah sie aus dem Augenwinkel etwas aufblitzen. Sie konnte die Attacke nicht mehr abwehren, geschweige denn ihren Flug bremsen, und in dem Moment, als der Stab Scheds Schädel traf, erwischte eine der Äxte sie von der Seite und schleuderte sie aus der Flugbahn in den Sand.
"Ohhh! Was für ein Manöver! Beide Kämpfer gehen zu Boden! Werden sie wieder aufstehen?!"
Völlig unerwartet meldete sich der Kommentator wieder zu Wort; offensichtlich hatte er den Schiedsrichter von seinem Standpunkt überzeugen können (oder ihn einfach KO geschlagen).
Das jedoch bekam Sched schon nicht mehr mit. Hinter dem Schlag war das volle Gewicht der Gryl zusammen mit dem Schub, den ihr der Sturzflug verliehen hatte, gewesen - das hält auch ein Biest nicht aus. Die Äxte, seinen Händen entglitten, trudelten davon und ohne einen Laut sackte Sched in sich zusammen.
"Es sieht so aus, als habe Sched Malaasi das Bewusstsein verloren. Er ist besiegt! Applaus für den Derwisch!"
Plötzlich fiel ihr ein, wie sie in diese Lage geraten war, und dass um sie herum noch immer der Kampf toben musste. Und sie stand ohne Waffe, ohne Deckung und ohne etwas zu sehen mitten drin!
Keinen weiteren Gedanken verschwendend, bewegte sie prüfend die Flügel und hob dann erleichtert ab. Der Flug war zwar wackelig, aber halbwegs sicher, und sie würde ihn eine durchhalten. Den verschwommenen Umrissen und Farben folgend, suchte sie den Rand der Arena, um sich erneut auf einem Kohlebecken in sicherer Höhe niederzulassen (es war noch ein bisschen heiß, aber das war im Moment nicht so wichtig). Dort rieb sie sich die Augen und versuchte zu erkennen, was sich getan hatte.
so vorgestellt. Ginko mag nicht sonderlich schwer sein, aber die Wucht wirft Sched ein Stückchen zurück (steht ja auch im Text). Rein logisch gesehen müsste der Makar abprallen und nach hinten fliegen, wo er - wegen Sandes - liegen bleibt oder sogar nach hinten kullert (eine annähernd runde Form kann das Kugeln begünstigen).
Meines Erachtens ist er also ein Stückchen entfernt, falls sich nicht Sched beim Wild-um-sich-Schlagen in Ginkos Richtung bewegt hat (es wird allerdings nicht erwähnt, dass/ob er sich bewegt).
Wenn Ginko aber fit genug ist, noch mal aufzustehen, dann wird er die paar Schritte Richtung Biest, vielleicht orientierungslos oder ebenfalls geblendet, wohl auch noch zurücklegen können, sodass der Breitseite eigentlich fast nichts im Wege steht]
Bram fühlte sich nicht gut. Sein dichtes Fell war schweißnass und klebte in dunklen Flecken an Brust und Flanke.
Unruhig ließ er die Schultern kreisen. Toren war kein leichter Gegner. Sie zu besiegen benötigte neben Können auch eine gehörige Portion Glück. Und ihrerseits viel Nächstenliebe.
Um wenigstens den Zuschauern ein gutes Spiel zu liefern, reckte er seine beiden Äxte hoch in die Luft.
Die ermüdeten Massen lebten teilweise wieder auf. Einzelne Rufe und Beifall wurden nach und nach aufgenommen. Mehrer Minuten stand Bram so da bis die Zuschauermenge in einen stetigen Rhythmus verfiel. Klatschen, Johlen und Füssetrampeln hallten durch die Manege. Das Donnerhuf senkte die Waffen, rollte noch einmal die breiten Schultern bevor er sich seiner Gegnerin zuwandte und sagte:
"Dann lasst uns tanzen."
Die beiden Handlanger-Orger trauten sich endlich wieder in die Arena. Schnell luden sie Sched und Ginko auf die Bahre und trabten mit ihnen davon, um sie in den Gladiatorenbereich zu bringen, wo die Heilerin schon wartete.
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Und mit einem zweiten, deutlich schrilleren, Schrei tauchte plötzlich eine kleine goldene Kugel wie aus dem nichts auf, stemmte einen zweiten, deutlich kleineren, Stab gegen den Torens und versuchte so, dem Schlag wenigstens etwas Schwung zu nehmen, damit er Bram nicht umhaute. An Aufhalten war natürlich nicht zu denken, aber immerhin hatte die "Attacke" genug Überraschungspotenzial.
Sanuras Augen waren längst wieder klar und sie hatte die Auszeit genutzt, um den Kampf zu verfolgen, genau wie das Publikum, von dem fast die Hälfte sie ohnehin auf dem Kohlebecken nicht hatte sehen können - und die andere Hälfte hatte sie schlichtweg vergessen. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass Toren, weil ausgeruhter, vermutlich die besseren Chancen hatte. Und hatte eingegriffen.
"Wehr dich", pfiff sie Bram an und ließ sich zu Boden fallen, um zwischen den Beinen der Großen zu verschwinden, bis nur noch einer übrig blieb.
Einige der Zuschauer schienen ähnlich zu denken, denn vereinzelte Pfiffe und Buh-Rufe wurden laut, da sie sich scheinbar um ihr Spektakel gebracht fühlten.
Er hätte zuschlagen sollen. Kämpfen bis zuletzt, hatte Sched doch ausgezeichnet vorgemacht. Verfluchte donnerhufsche Ehre.
Und jetzt stand Sanura statt eines zum Umfallen erschöpften Bram die nur leicht angeschlagene (und umso leichter, weil er die Chance nicht genutzt hatte) Salamanderin gegenüber. Schwer gepanzert. Und was hatte sie ihr entgegenzusetzen? Einen Holzstab.
Aber edel, das musste man ihm lassen. Bram hatte die eigenen Grenzen erkannt und eingehalten. Auch wenn die Gryl das nicht vorhatte, einen gewissen Respekt nötigte ihr das Verhalten ab. Sie nickte zurück und machte sich dann so weit davon wie möglich, um Abstand und damit Zeit zu gewinnen.
Die aktuelle Situation erforderte eine ganz neue Strategie.
In der Begegnung Schiri vs. Schlaumeier ging ersterer in der dritten Runde K.O.
;)
Sanura war überrumpelt und dass sie jetzt gefangen war, machte es auch nicht leichter. Sie stemmte sich gegen den Eimer, konnte ihn aber natürlich keinen Zentimeter bewegen. Stark gedämpft klang die Stimme der Salamanderin durch die Pappe zu der völlig überraschten Gryl durch. Aufgeben?
Ha, niemals, sie doch nicht!
So weit sie in dem winzigen Eimer konnte, holte sie mit dem rechten Arm aus. Dann schlitzte sie mit drei Krallen gleichzeitig die Seitenwand des Pappdings auf, beschrieb einen Bogen und katapultierte sich aus dem neu enstandenen Loch ins Freie.
"Na, warte!" brüllte sie mit mehr Mut, als sie sich je zugetraut hätte. Wie ein geölter Blitz jagte sie Torens Schuppenpanzer hoch und hieb, zwischen den Schultern angekommen, mit den Krallen auf ihren Schädel ein. Ein Geräusch wie Fingernägel auf einer Schieferplatte ließ das Publikum in den Sesseln zusammenzucken.
Für einen Augenblick glaubte sie, das wäre es. Aber dann fing sie heftig an zu niesen - Sand war in die empfindliche Nase geraten - keuchte und hustete sich die Krümel aus der Kehle und richtete sich darüber auf. Der neuerliche Sturz war gar nicht schön gewesen. Mit brachialer Gewalt kam sie gegen die Salamanderin vielleicht doch nicht an.
Sie hatte das ganze Battle Royal durchgestanden, das hier war das Finale. Konnte sie ein einziger Hieb mit so einem Stöckchen umhauen?
Nun, fast. Aber nicht ganz! Oh, nein!
Die Augen zu kleinen, roten Schlitzen verengt, streckte sie den Arm nach ihrem Rücken aus. Sie hatte vielleicht den Bogen verloren, aber die Pfeile waren noch da.
Flink ging sie die Pfeile durch: Normal (nutzlos), Netz (zu klein), Normal, Normal, ah, das hatte sie gesucht!
"Nimm dich in Acht vor der mächtigsten alchemistischen Formel von ganz Gluum!" kündigte sie an, gefolgt von einem gespannten "Uhhhh!" aus dem Publikum.
Sie warf die anderen Pfeile von sich und wandte sich der Gegnerin zu, die mit einer Fahne auf sie zu kam. Bereit zu allem, hob sie ihre neu erklärte Geheimwaffe drohend an und klimperte mit den Ingredienzien, die durch hauchdünne Glasschichten voneinander getrennt waren.
Entschlossen holte sie aus und warf die Geheimwaffe auf Toren. Der Abstand war nicht so groß und Pfeile waren dafür gemacht zu fliegen, trotzdem glaubte sie einen schrecklichen Augenblick lang, dass der Schwung nicht reichen würde. Dann jedoch zerplatzte das Glas klirrend an einer der unteren Bauchschuppen der Salamanderin.
Alles hielt den Atem an, auch und vor allem die Gryl.
Zuerst schien gar nichts zu passieren. Dann aber wurden neblige Schwaden deutlich, die sich rasch rund um Toren verteilten und sie umkreisten. Von seinem farblosen Ausgangszustand wechselte es zu weißem Dunst, dann grauer Nebel und schließlich schwarzer Rauch. In Sekundenschnelle hatte die Wolke die Gluum-Gladiatorin eingehüllt und verbarg sie vor den gespannten Blicken des Publikums.
Die Wolke begann zu pulsieren, erst langsam, dann schneller. Mit einem Schlag war sie rubinrot. Sanura war froh, dass die Zuschauer gebannt die Wolke anstarrten, so erkannte niemand, dass sie keine Ahnung hatte, was da vor sich ging. Was war in dem Glas gewesen?
Aus dem Rot wurde ein intensives Blau. Dann Gelb. Grün. Violett, Türkis, Braun. Immer schneller wechselten sich die leuchtenden Farben ab, bis man die Übergänge kaum noch wahrnehmen konnte und bloß einen bunten, seltsam massiv wirkenden Klumpen im Sand der Arena sah.
In dem Moment, als die Bewegung am schnellsten wurde, löste sie sich auf. Mit einem einzigen, fast geräuschlosen 'Puff' zerstob der Qualm in alle Richtungen und gab den Blick auf Toren frei.
Sie stand aufrecht und sah für Sanura, trotz offensichtlicher Verwirrung, erschreckend lebhaft aus. Erst dann fiel es ihr auf:
"Warst du nicht eben noch bunt?" fragte sie verdutzt. Die Schuppen der Salamanderin sahen aus wie, nun, Salamanderschuppen. Wo waren die bunten Klekse und Flecken hin?
Aber genug der Freude, das konnte sie noch später erledigen. Im Moment befand sie sich in einem Kampf, und so griff Toren die Fahne wieder mit beiden Händen, und ging mit einem neuen Hochgefühl zum Angriff auf den Gryl über.
Auch diesmal verhinderte das verlässlich aufflackernde Schutzfeld Schlimmeres, aber auch diesmal tat der Treffer ganz schön weh. Sogar der Sand fühlte sich viel härter an. Aber immerhin blieb sie nicht liegen, schließlich hatte sie jetzt schon Erfahrung im Getroffenwerden, sondern schlug einen Purzelbaum rückwärts und stieß sich noch in der gleichen Bewegung vom Boden ab.
Beide Hände auf die Nase gedrückt flatterte sie einige Meter in die Höhe, bis sie außer Reichweite der Salamanderin war. Dann nahm sie eine Hand von der Nase und überprüfte sie auf Blutflecken (die sich nicht fanden, was nichts daran änderte, dass sie wie verrückt pochte).
"Von Dankbarkeit hast du wohl noch nie was gehört?" keifte sie Toren an und versuchte, nicht zu weinerlich zu klingen.