All die Zeit hat sie versucht äußerlich wenigstens den Schein der Stärke zu wahren,
sie wollte nicht das Andere sahen wie sehr sie doch litt.
Innerlich zerbrach sie mit jedem Tag ein Stückchen mehr, sie gab sich selbst auf.
Verlor sich selbst im Strudel des Schmerzen und des Leidens,
jeden Tag verschwand ihre Maske der Stärke und machte Platz für ihr wahres Gesicht,
vom Schmerz gekennzeichnet, von Leid durchzogen.
Sie wollte nur leben, so wie all die Anderen auch, wollte rennen, leben, träumen.
Doch sie war kaum fähig einen Schritt vor den anderen zu setzten,
Sie hatte sich geschworen immer den Kopf hoch zu halten,
immer stolz die Narben zeigen, immer nur auf sich selbst zu hören.
Doch mit der Zeit begann sie sich von sich selbst zu entfernen, sie war nicht mehr fähig einen klaren Gedanken zu fassen.
Schmerz zeichnete ihren Weg, bestimmte ihren Tag, ließ sie nicht mehr los.
Sie glaubte von sich selbst mit vielen Dingen klar zu kommen, doch sie stieß an ihre Grenze.
Begann zu verzweifeln, und mit jeder Sekunde, mit jedem Schmerz der ihren Körper durchzog,
verlor sie den Mut und die Stärke.
Sie fiel in ein schwarzes Lohn, versuchte verzweifelt das Licht wieder zu sehen,
doch die Dunkelheit ließ sie nicht mehr los, umschlang sie zu einer trügerischen Umarmung.
Von weitem hörte sie die Wörter der verschiedensten Doktoren, sie wussten nicht was ihr fehlte.
Nahmen ihr Schritt für Schritt alles was sie hatte, widerriefen jede These des Vorgängers,
zerstörten sie ganz langsam.
Es würde Zeit brauchen, hieß es immer wieder, immer nur das Selbe.
Doch davon hatte sie keine mehr, sie spürte wie die Luft um sie immer dünner wurde.
Ständig redete sie sich selbst ein, das es besser werden würde,
das irgendwann die Sonne kommen würde, doch es wurde nur noch kälter.
Sie spürte wie der Schmerz ihren Körper in Besitzt nahm, besiegte die Stärke und den Glauben.
Machte sie zur Geisel in ihrem eigenen Körper, sie konnte nicht flüchten, nicht raus.
Sie war eines dieser jungen Mädchen das in ihrem Leben nicht mehr weiter wusste,
das kämpfen wollte, aber zu schwach auch nur für länger als einen Augenblick aufrecht zu stehen.
Sie wollte stark sein, wollte um das Recht der Selbstbestimmung kämpfen,
doch sie verlor jeden Tag mehr an Stärke, verlor sich selbst jeden Tag ein Stück mehr.
Sie wollte nur noch schreien, weinen und um sich schlagen, doch mit der Zeit versagte die Stimme, versiegten die Tränen und verschwand der Kampfgeist.
Was zurück blieb war die leblose Hülle eines jungen Mädchens mit Träumen.
Ein Mädchen das so viel in ihrem Leben erreichen wollte, und bereits so früh erkennen musste,
dass Träume Schäume waren, und die Realität an sich grausamer war, als sie dachte.
Ihr Herz wollte kämpfen, wollte noch einmal versuchen sich gegen das alles zu wehren,
doch ihr Verstand ergab sich den Schmerzen und all dem Leid, kapitulierte um nicht zu verzweifeln.
Manchmal, wenn sie versuchte sich weg zu träumen, dann konnte sie ein Stück des Himmels probieren.
Sie wollte dort hin, wollte die Engel singen hören, wollte nur einfach weg von diesen Schmerzen, weg aus diesem Körper, der ihr seine Dienste so verweigerte und jede Bewegung bestrafte.
Wenn man sie vor die Entscheidung stellen würde, gar nichts zu spüren, oder den bekannten Schmerz.
Sie würde sich für gar nichts entscheiden, sie wollte alles, nur nicht noch mehr Schmerz.
Zu schwach war sie um noch weiter zu kämpfen, sie war nur hier weil sie daran glaubte das es machbar wäre, doch mit jede Tag verlor sie ihre Hoffnung ein kleines Stück mehr.
Sie wollte einfach nur frei sein, wollte den Schmerz in ihren Füßen nicht mehr spüren.
Ihr Herz versuchte noch verzweifelt um sich zu kämpfen, um sich und ihre Seele.
Doch mit jedem Tag kam der Schmerz näher, mit jedem Tag wurde sie schwächer.
Und irgendwann wollte auch ihr Herz plötzlich nicht mehr leiden, wollte einfach nur fliegen.
Niemand hatte gesehen wie langsam den Boden unter den Füßen verloren hatte,
wie sie langsam immer schwächer geworden war, und all die Kraft aus ihrem Körper gewichen war.
Sie sahen ihr zu wie sie langsam zerbrach, sahen zu wie ihr Herz den Dienst versagte,
und mit ihm ihre Seele.
Irgendwann hatte sie dann aufgegeben.
Das Mädchen mit den Träumen, das Mädchen das fliegen wollte.