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Bushido - 23.07.2005 - 16:37

Caput aus Iserlohn - verzweifelt gesucht. So oder so ähnlich lautete im Frühjahr 2003 ein Aufruf auf der Internetseite von Optik Records. Dem Label war die CD eines bis dato unbekannten Rappers zu-
gesandt worden, auf der sich 25 Tracks befanden. 25 Tracks, die ausgereicht haben müssen, den bekanntlich alles andere als unkritischen Labelchef Kool Savas vom Talent des anonymen Künstlers zu überzeugen. Leider fehlten auf der CD jegliche Hinweise auf Kontaktdresse oder Telefonnummer. Lediglich der Name des Rappers prangte in dicken Lettern auf dem Tonträger: C-A-P-U-T. Der hatte die Aktion mit der Demo-CD gedanklich schon zu den Akten gelegt und war von der späten Resonanz angenehm überrascht. „War schon heftig, ich hab nicht damit gerechnet, ganz ehrlich. Das war sechs Monate nachdem ich die Tracks hingeschickt hatte. Meine Homies haben mich drauf hingewiesen. Dann kam ich rüber nach Berlin und hab angefangen, meine Sachen zu machen.“ So landet man bei Optik. Klingt wie ein Märchen, womöglich ein türkisches.

Seine Sachen hat Caput auch schon vorher gemacht, mit bemerkens-
werter Konsequenz und Zielstrebigkeit. Im April 1983 in Iserlohn bei Dortmund geboren, wächst der Jüngste von drei Brüdern in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater verdient das Brot für die Familie als Taxi-
fahrer. Caputs erste Leidenschaft wird das Breakdancen. „Ich bin 100% ehrgeizig und versuche immer, 100% zu geben. Ich hab immer Schule geschwänzt und statt den Schulsachen Tanzsachen mit dabei gehabt. Wir haben uns morgens auf der Straße getroffen und Styles geübt, weil das Jugendzentrum erst um drei öffnete - wegen den Schulschwänzern.“ Dass die Schule unter derlei ausgeprägtem Engagement leidet, scheint eigentlich logisch. Trotzdem macht Caput den Realschulabschluss und absolviert anschließend eine dreijährige Ausbildung im Hotelfach-
gewerbe. 100% ehrgeizig eben. Aber nicht nur das: „Ich bin ein sehr familienbezogener Mensch. Ich bin nicht voll der Strassensoldier. Ich prügle mich schon, aber ich bin eher der Typ, der an die Zukunft denkt. Darum hab ich auch das mit der Ausbildung gemacht, damit immer ein Weg da ist um Geldzumachen.“

Inzwischen hat er auch - unter dem Einfluss seines mittleren Bruders - das Rappen für sich entdeckt. „Ich war nie so richtig hinterher, was deutschen HipHop angeht. Was im Fernsehen kam, hat man eben mitbekommen. Es ging mir darum, einfach Mucke zu machen und mich nicht von deut-
schen Rappern beeinflussen zu lassen.“ Stattdessen bildet er zusammen mit Homies eine Rapgemeinschaft und nennt sie Eye4Eye Gangsta-
tainment.
Man baut kleine Studios auf und hilft sich Gegenseitig. "So konnte ich auch auf eigene Faust 25 Tracks Aufnehmen, ohne irgendwas zu unterschreiben."

Überflüssig zu erwähnen, welcher US-Rapper ihn stattdessen am meisten inspirierte. Es braucht nicht allzu viel Beobachtungsgabe um darauf zu kommen, dass Caput neben der lateinischen Bedeutung „Kopf“ (im übertragenen Sinne auch „Anführer“) nichts anderes ist als die Um-
kehrung von Tupac.
„Tupac ist für mich der größte Rapper, der je gelebt hat. Jeder deutsche Rapper hat doch amerikanische Vorbilder, die man schnell raushört. Das sollte man gar nicht verleugnen, sondern einfach offen zugeben und somit den fälligen Respekt geben.“ Wer oder was soll Caput noch aufhalten? Er ist weit davon entfernt, einer der bemitleidenswerten Möchtegern-Tupacs aus einer westdeutschen Kleinstadt mit drei übereinander gebundenen Bandanas auf dem hohlen Schädel zu sein. „Sonst säße ich bestimmt nicht hier im Optikbüro.“ Was (nicht nur) er im deutschen Rapgame vermisst, sind vor allem Charaktere. Das deutsche Rapgame braucht Leute, die auch mal das Maul aufreißen, weil sie wissen, das durch ihre Leistung auch erfüllen zu können. Leute, die ihr Ding kompromisslos durchziehen, ohne sich um Neider oder Kritiker zu scheren. Leute wie Caput eben. Der intelligente, selbstbewusste Türke geht seinen Weg unbeirrt, von ungeschriebenen Gesetzen der deutschen HipHop Szene lässt er sich nicht im mindesten beeindrucken. „Die Unterschätzten werden immer den Überraschungseffekt haben, weil keiner damit rechnet."

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