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neo - 08.12.2003 - 18:05

Ab Januar 2004 ist es in kalifornischen Kinos unter Androhung von Gefängnisstrafe verboten, Filme mit beliebigen Geräten aufzunehmen

Nach der Musikbranche macht die Filmbranche gegen Raubkopierer im Internet mobil. Anders als bei der Musik gelangen jedoch viele Filme durch Kopien ins Internet, die mit Camcordern in Kinos gemacht werden und eine immer bessere Qualität besitzen. Um dies zu verhindern, werden bei Premieren und Pressevorführungen Kinos zu Hochsicherheitstrakten und die Besucher gefilzt. Gelegentlich werden die Zuschauer bei Premieren in Hollywood schon einmal durch Sicherheitspersonal mit Nachtsichtgeräten überwacht.

Eigentlich hätten die Studios auch gerne den vielen Oscar-Juroren keine Kopien der neuen Filme mehr zugeschickt, da sich nach Meinung der Filmindustrie unter ihnen schwarze Schafe befinden könnten. Nach Protesten hatte man sich aber erst einmal geeinigt, dass sie zwar keine DVDs, wohl aber noch Videokassetten erhalten und zudem schriftlich zusichern müssen, sie nur zu eigenem Gebrauch zu verwenden und sie weder weiter zu geben noch zu kopieren.

Schwierig beim Film ist die von der Branche auch im digitalen Internetzeitalter beibehaltene Verwertungskette aus dem Zeitalter der analogen und lokalen Medien. Zuerst werden Filme in Kinos gezeigt, oft erst noch zeitlich gestaffelt für bestimmte Regionen, ungefähr ein halbes Jahr darauf kommen sie als Video oder DVD auf den Markt. Dann gibt es die Filme im Fernsehen. Kopien, die manchmal vor, oft schon mit dem oder kurz nach dem Filmstart im Internet kursieren, stören diese Verwertungskaskade empfindlich.

Nicht um sich womöglich der durch das globale Internet veränderten Welt anzupassen, sondern um diese Verwertungskette aufrechtzuerhalten, hat die amerikanische Filmindustrie in ihrem Heimatland Kalifornien nun erreicht, dass ab Januar ein neues Gesetz in Kraft tritt. Ab dann ist nämlich strafrechtlich verboten, beliebige Geräte zum Aufzeichnen von Filmbildern oder Sound im Kino ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Besitzers zu verwenden. Kopien, die mit Camcorder gemacht werden, sollen für über 90 Prozent aller Raubkopien verantwortlich sein. Das Gesetz wurde noch von Gouverneur Davis unterzeichnet und droht denjenigen, die erwischt werden, wie sie im Kino einen Film aufnehmen, mit bis zu einem Jahr Gefängnis und/oder einer Geldstrafe von bis zu 2.500 US-Dollar. Bestraft werden konnte bislang nur, wer sich nach einer entsprechenden Aufforderung weigerte, das Aufnehmen eines Films in einem Kino einzustellen.

Jack Valenti, Präsident der Motion Picture Association of America (MPAA) begrüßte das neue Gesetz: "Ich glaube, das ist der stärkste Gegenangriff, den ich mir vorstellen kann, um die Piraterie zu bekämpfen, die eine akute Bedrohung für die Zukunft dieses Teils von Kalifornien ist. Wenn wir die Piraterie hier nicht bekämpfen und besiegen können, dann sind wir tot."

Die Politiker und die Polizei haben volle Unterstützung für das Gesetz zugesagt. Der Bürgermeister von Los Angeles zeigte während der Veranstaltung, auf der Gesetz vorgestellt wurde, Kopien einiger neuer Hollywoodfilme her, die angeblich in der Nähe des Rathauses gekauft wurden. Jeder, der solche Raubkopien kaufe, begehe ein Verbrechen und gefährde die Jobs seiner Nachbarn. Die Polizei von Los Angeles wird für Kinobesitzer Schulungen zur Durchsetzung des Gesetzes anbieten, die Mitarbeiter werden eingewiesen, wie sie Besucher festnehmen sollen, wenn sie diese mit Aufnahmegeräten erwischen. Sie sollen, wie der Bürgermeister sagte, in "Festnahme- und Konfrontationstechniken" trainiert werden, "damit die Dinge nicht aus dem Ruder laufen". Die Kinos werden Warnungen vor dem Mitnehmen von Camcorder anbringen. Und die Polizei versichert, dass Polizisten bereit gestellt werden, um Verdächtige zu verhaften. Überdies ruft die Polizei das Kinopublikum auf, Verdächtige zu melden.

LA Polizeichef William J. Bratton will ein gutes Beispiel geben und persönlich auf die neuen Gesetzesbrecher achten. Auf die Frage, ob damit nicht Polizisten von wichtigeren Aufgaben abgezogen würden, entgegnete er, dass Piraterie ein "Lebensqualitätsverbrechen" sei, "dass diese Industrie, diese Stadt zerstören kann".

Die MPAA sieht das kalifornische Gesetz natürlich nur als ersten Schritt und fordert, ein ähnliches Gesetz für die gesamte USA einzuführen. Jack Valenti macht sich für den Gesetzesvorschlag stark, der von John Cornyn (Texas) and Dianne Feinstein (Kalifornien) in den Senat eingebracht wurde. Das Gesetz mit dem Namen Artists Rights & Theft Prevention Bill oder ART würde das Anbieten von Filmen, Musik und Computerprogrammen vor dem offiziellen Start im Internet unter Strafe stellen. Das Aufnehmen von Filmen in Kinos würde hier gleich mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

Quelle:heise online

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