Keine Bange, ich machs kurz. Oder versuchs *g*
Also. Ich hab ihn jetzt schon zweimal angeschaut (letzte Woche Montag und diesen Montag) und krieg ihn einfach nicht aus dem Kopf. Ist zwar jetzt nicht mehr so extrem wie nach dem ersten Mal sehen, aber ich denke noch sehr oft daran.
Das, was mich so begeistert, ist das meisterhafte Schauspiel der Hauptdarsteller - ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich jemals etwas im Kino so in seinen Bann gezogen hätte, oder besser gesagt, nicht so nachhaltig. So authentisch und emotional ist selten.
Außerdem ist die Musik einfach Wahnsinn. Spärlich, wohlplatziert, melancholisch. Und zusammen mit der traurigen Geschichte bricht sie einem das Herz.
Zum Glück kannte ich die Geschichte schon, weil ich mir mit der Buchvorlage die Wartezeit verkürzt habe (ich hab drei Monate lang ungeduldig gewartet XD), sonst hätte mich das tragische Ende schon sehr runtergezogen (geweint hab ich trotzdem ein bisschen. Aber echt nur wenig ;)).
Stimmt schon, ich habe mir damit vielleicht die Spannung genommen, aber es ist trotzdem besser so. Dazu kommt, dass ich sonst dieses genuschelte Westernenglisch überhaupt nicht verstanden hätte. So kannte ich die wichtigsten Dialoge schon. Auf Deutsch kommt es für mich nicht in Frage, weil es die Atmosphäre total verfälscht (mehr als bei den meisten anderen Filmen!). Ich hab schon ein paar Samples der Synchro gehört - einfach grauenhaft. Zerstört die Charaktere richtig.
Was viele - vor allem viele Männer, so sie nicht selbst schwul sind - abschrecken dürfte, ist die Vorstellung, dass der Film entweder tuntig-albern oder schmuddlig-abartig sein könnte.
Keines von beidem ist der Fall.
Ja, es kommen Liebesszenen vor. Die Tatsache, dass sie mich kein bisschen stören, sollte allerdings für sie bürgen - normalerweise nerven sie mich extrem (ich weiß, in der Hinsicht bin ich etwas komisch). Sie sind sehr taktvoll inszeniert, und nur eine von ihnen ist zwischen den Jungs (die beiden anderen sind "straight" ). Diese ist echt nicht "schlimm". Ich kanns nicht richtig rüberbringen, muss man gesehen haben, um es nachvollziehen zu können.
(Zwei Kussszenen sind ebenfalls dabei, und die find ich hemmungslos romantisch. Joa, man muss wohl weiblich oder schwul sein, um das zu verstehen *ggg*)
Der Film konzentriert sich nicht auf diese Szenen. Vielmehr liegt der Fokus auf der Geschichte um zwei Menschen, die ihre Liebe nicht ausleben können und daran zerbrechen. Jedoch sind die Leidtragenden nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Familien.
Man sollte ihn also auf keinen Fall als "schwulen Western" abtun und deswegen nicht anschauen. Dabei entgeht einem einer der besten Filme der letzten Jahre.
Was für mich das Erlebnis abrundet, ist der durchaus vorkommende Humor (es gibt ein paar gute Lacher und Schmunzler) und die herrliche Landschaft, in der die erste Hälfte spielt.
Also, um diesen ziemlich wirren Bericht abzuschließen:
Tut euch den Gefallen, und schaut den Film an. Meinetwegen erst alleine, wenn ihr euch nicht traut, wen mitzunehmen (ich hatte Bedenken, blöd dazustehen %) - völlig ohne Grund). Und: seht ihn unbedingt auf Englisch an.
Könnt es ja so machen wie ich und vorher das Buch lesen. Seid aber gewarnt: Es ist sehr kurz, ziemlich schlecht geschrieben und, wie erwartet, teils etwas "schmuddlig". Keine Lektüre, die ich mir freiwillig zu Gemüte geführt hätte ... Beweist hingegen, dass es durchaus möglich ist, aus einer schlechten Vorlage einen hinreißenden Film zu machen ...
Zuguterletzt kann es nicht schaden, Taschentücher mitzunehmen. Oder im Notfall Kleidung zu tragen, der es nichts ausmacht, wenn man sich die Nase am Ärmel abwischt (@)
EDIT: Dieser Bericht setzt die geringen Vorkenntnissen voraus, die man sich z.B. bei Reviews im Netz anlesen kann.
EDIT2: Der Regisseur war übrigens Ang Lee, der u.a. für Tiger & Dragon verantwortlich zeichnet.