Sobald er draußen in freier Natur ist, spuckt er im Minutentakt. Bei dieser grausigen Angewohnheit nimmt er weder Rücksicht, auf Personen, die neben ihm stehen, noch ist es ihm Bewusst, wie diese Handlung, dieses Geräusch im Minutentakt nervt. Er spuckt haarscharf an seinen Mitmenschen vorbei und schein es nicht einmal zu merken. Macht er dies nun seit zwei Jahren, seit mehr als zwei Jahren, oder doch erst seit einem Jahr? Wie oft am Tag sage ich ihm, er solle es lassen? Es ist egal. Wie oft am Tag ignoriert er mich? Es ist doch so egal, was ich tue oder sage. Es ist sinnlos. Es kostet nur unnötig Nerven, meine Nerven.
Täglich kommt er zu spät von der Schule, weil er sich verbotenerweise einen Schlecker beim Imbissstand holt. Er muss ihn am Weg fertig essen, denn ich hab es ja verboten. Das es gefährlich ist von Fremden Süßigkeiten zu nehmen, nein sogar zu verlangen, zu holen.... Ach, was rede ich? Wen interessiert es? Ihn interessiert es jedenfalls nicht!
Was er täglich am Nachhauseweg aufführt, erzählen mir Bekannte, andere Mütter, die ihn zufällig sehen. Die sehen, auf welch hohen Mauern er turnt, auf welchen befahrenen Straßen er mit Schnee spielt. Das er im Februar ohne Jacke nach Hause kommt, sehe ich selbst. Er meint, es sei schließlich warm genug. Dass er sich die Hand bricht, weil er hinter der Schule ohne Schlitten, auf seinen Knien den Berg herunterflitzt ist ihm keine Lehre. Die Ermahnung, er hätte sich die Kniescheiben, was irreparabel gewesen wäre, brechen können, ist ihm egal. Er tut es weiter – täglich – diesmal eben mit Gips. Eigentlich hätte der Gips ruhig gelagert werden sollen. Wie denn? Ich könnte ihn täglich in die Schule bringen, ihm dort seiner Lehrerin persönlich „übergeben“ und ihn zur rechten Zeit auch wieder abholen.
Wenn er seine Hausübung machen soll, kommt er ständig raus, um mir was zu erzählen. „Hast du deine Hausübung schon gemacht?“ blocke ich ab. „gleich bin ich fertig“ ist die Antwort, und doch fragt er mich eine Stunde später, ob er diesen meinen Stift ausborgen dürfte, er bräuchte ihn eh nur für die Überschrift. Eine weitere Stunde ist er wirklich fertig.
Wenn ich mit ihm spreche, schneidet er stets Grimassen. Er ist frech und weiß alles besser, als ich. All seine Hosen haben Löcher, seine Haut ist zerkratzt. Seine Nägel sind zerkaut bis auf den letzten Krümel, quasi nicht mehr vorhanden. Ich spreche nicht nur von den Fingernägel, sonder auch von denen auf den Zehen. Seine Beine sind voller Abschürfungen und blauer Flecken. Er ist sieben Jahre alt, trotzdem läuft er mitten in Linz plötzlich auf die Straße, dass die Bremsen nur so quietschen. Er ist unkontrolliert, hat sich nicht im Griff. Aber es geht ihm ja so gut, dass er sicherlich kein Medikament braucht.
Soll doch die Mami Beruhigungsmittel schlucken, schließlich ist sie die Einzige, die sein Verhalten stört