Drei Tage nach dem überraschenden 26:25 Auswärtserfolg bei der TSG Friesenheim glich der ThSV Eisenach beim Punktspiel bei der HSG Gensungen/Felsberg einem Torso. Die abstiegsbedrohten Hessen fegten die Thüringer in der mit 1350 Zuschauern restlos ausverkauften Kreissporthalle mit 36:23 (18:11) vom Parkett. Mit schnellem Angriffsspiel überrollten die Hausherren die behäbig wirkende Gästeabwehr, sehr zum Leidwesen der aus Eisenach angereisten Hundertschaft auf den Traversen. "Keiner von uns erreichte seine Normalform. Im Gegenteil, unsere Stammkräfte waren weit weg vom eigenen Leistungsvermögen. Wir waren nicht in der Lage, gemeinsam erfolgsorientierten Handball zu spielen. Jeder machte sein Ding für sich selbst. So lief alles schief, was schief laufen konnte", erklärte ein zerknirschter Eisenacher Spielertrainer Runar Sigtryggsson. Sein Kollege Dr. Günter Böttcher, im "normalen" Leben Akademischer Rat an der Universität Kassel, frohlockte, daß seine ausgetüftelte Taktik voll aufging. "Unserem schnellen und druckvollen Tempospiel waren die Eisenacher nicht gewachsen. Jeder hat gesehen, ist bei uns nahezu alles an Deck, holen wir die nötigen Punkte zum Klassenerhalt", verbreitete der HSG-Coach Optimismus im eigenen Lager.
Eisenachs Abwehr stürzte nach dem Auftakt 3:3 (5.Min.) von einer Verlegenheit in die andere. Das Zusammenspiel mit Torhüter Karsten Lehmann klappte überhaupt nicht. Jeder Ball zappelte im Netz zum 10:5 (14.). Eine Umstellung in der Deckung, Havard Augensen rückte in den Innenblock, sorgte kurzzeitig für Besserung. Nun bekam endlich auch einmal Karsten Lehmann eine Hand ans Leder. Ein Doppelschlag von Andrej Kastelic, beim 11:9 (22.) waren die Gäste wieder auf Tuchfühlung. Doch das war nur ein Strohfeuer. Andrej Kastelic scheiterte vom Punkt, Krisztian Szep-Kis fabrizierte Fehlwürfe, Runar Sigtryggsson brachte völlig frei den Ball nicht am guten Tino Meinl im HSG-Kasten unter. Anders die Gastgeber, die kaltblütig abschlossen, auf 18:10 (30.) enteilten und damit praktisch die Entscheidung herbeiführten.
Nach Wiederanpfiff nahm das Unheil für die Thüringer weiter seinen Lauf. Die Eisenacher Würfe waren so richtig nach dem "Geschmack" von Torhüter Tino Meinl. Krisztian Szep-Kis und der sonst so treffsichere Andrej Kastelic erwischten einen rabenschwarzen Tag. Die Hausherren brannten ein wahres Angriffsfeuerwerk ab. Die Gäste hatten keine Feuerwehrleute zum Löschen dabei. Nahezu bei jedem Wurf war ThSV-Keeper Karsten Lehmann in die falsche Ecke unterwegs. Nach dem 22:12 (35.) räumte er seinen Platz für den 17-jährigen Youngster Simon Herold. So richtig im Rausch, demontierte die HSG Gensungen/Felsberg förmlich die Gäste aus der Wartburgstadt. Außer Rand und Band präsentierten sich erfahrene Spieler. Youngster Simon Herold verhinderte mit 9 gehaltenen Bällen, darunter einen Siebenmeter, gar noch Schlimmeres. Beim Stand von 32:19 (51.) trat Bernard Latchimy an den Siebenmeterpunkt - und trat beim Wurf über. Bei soviel Hilflosigkeit gestandener Akteure konnte auch Eisenachs junge Garde nicht mehr Fehler machen. So stand in der Schlußphase die komplette Jugendbrigade mit Simon Herold (17), Maik Ehrhardt (20), Till Riehn (19), Robert Weiß (17), Stefan Kneer (19), Philipp Emmelmann (21) und Ronny Göhl (23) auf dem Parkett, die zum Großteil drei Stunden zuvor bereits 60 Minuten um Oberligapunkte für den ThSV Eisenach II gegen den HC Suhl absolvierte. Erst beim 36:23 wurden die ThSV-Aktiven und ihr Anhang durch die Sirene erlöst.
Ein kleiner Teil der mitgereisten Anhänger aus Eisenach fiel durch Sprechchöre unter der Gürtellinie (wohl eine Anleihe von Fußballplätzen) und rüpelhaftem Auftreten auf, das sogar zu einer Spielunterbrechung führte. Diese in blau-weiß gehüllten sogenannten ThSV-Fans hinterließen einen äußerst faden Beigeschmack. Auf solche Art "Unterstützung" kann der ThSV Eisenach bei der Umsetzung seines neuen zukunftsorientierten Konzeptes liebend gern verzichten!
STATISTIK
HSG Gensungen/Felsberg: Meinl, Stahl (n.e.); Jaissle (2), Eidam (4), Untermann (2), Negovan (2), M. Göbel (4), Schanze, Jungermann (2), Duketis (3), Seifert (7/2), C. Göbel (9), Ochmann, Pasaribu (1)
ThSV Eisenach: Lehmann (1.-37.), Herold (37.-60.); Kneer (5), Augensen (5), Sigtryggsson (2), Kastelic (3), Göhl (1), Latchimy, Szep-Kis (4), Grgic, Riehn (1), Emmelmann (2), Ehrhardt
Zeitstrafen: Gensungen 2 Min. - Eisenach 4 x 2 Min.
Siebenmeter: Gensungen 3/2 - Eisenach 3/0
Schiedsrichter: Daßler/Günther (Zwönitz)
Zuschauer: 1350 (ausverkauft)